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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-03-21 · Heft 13 (21.3.1853) · p. Seite 161

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 13 (21.3.1853)
Date
1853-03-21
Page
Seite 161 (sequence 9)
Language
German
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161 junger, aber häßlicher Mann mit brennend röthlichem Haar und Barte, mit stierem, grünlichem Auge, mit starren, zusammengedrückten und gefalteten Zügen. Leise, um nicht gehört zu werden, schlich er einen Nebenweg hinunter, da er den Garten leer fand, bis zum Hause, gebückt unter dem Fenster vorbei hinter ein Gebüsch, um von da heimlich einen Blick in das Innere des Hauses zu werfen. Da verweilte er lange Zeit. Der Garten war wieder leer, aber nur kurze Zeit; dann öffnete fich abermals die Pforte, und hereintrat Esra, hochaufgerichteter Gestalt, aber daS Haupt gesenkt, die Arme über der Brust gekreuzt, ein düsteres Feuer brannte in seinem Auge. Er ging hastig den breiten Baumgang zum Hause, aber nur wenige Schritte, dann hielt er an, wie im Kampf mit fich selbst, einige Augenblicke, er stampfte mit dem Fnße auf die Erde, eilte wieder vorwärts, um nochmals stille zu stehen, und abermals weiter zu gehen — er stand an der Thüre des Hauses, öffnete und trat ein. „Ha, Esra!" rief das Mädchen wie jauchzend auö, und stürzte ihm entgegen. Efta umfaßte fie mit seinen Armen, drückte fie an seine Brust, ein langer Kuß schloß ihre Lippen aneinander. „Ist Esra gekommen?" rief der Vater; aber selbst die Tochter hörte ihn nicht. „Mein Esra!" flüsterte die Jungftau. „Meine Naarah!" rief Esra auS. Endlich löste fie fich aus seiner Umarmung, er hielt fie an der Hand, und Beide traten zum Vater. „Friede mit Dir, Esra!" sprach dieser. „Mit Dir Friede, Vater Achitub, Friede mit uns Allen!" und eS hob fich ein Seufzer aus Efta's Brust, als ob er eS tief empfände, wie sehr fie des Friedens bedürften. „Und warum Hab' ich Dich fast zween Tage entbehren müssen, lieber Efta? Zween Tage, und meiner Ungeduld dehnten fie fich zu so vielen Monden aus? War eS der Dienst deS Königs, der Dich gefesselt hielt?..." „Nein! Naarah ... mein Bruder, den wir erwarteten, Du weißt eS, ist von seiner Pilgerfahrt nach der heiligen Stadt zurückgekehrt.... Da gab eS so viel zu berichten, zu erzählen, zu fragen und zu beantworten, und dann mußte ich ihm die angemeffene Ehre erweisen, so daß ich mich keinen Augenblick entfernen konnte...." Naarah schien in Nachdenken zu verfinken. Der blinde Achitub frug: „WaS bringt er für Nachricht heim von der heiligen Stadt, vom Volke?..." Esra blickte seufzend auf Naarah: „Schlimme Botschaft, Vater, sehr schlimme — S liegt von Alles aufS Tiefste darnieder; der Tempel leer, die Stadt verödet, das Land offen allen Einfällen der Feinde, das Volk in Elend und Knechtschaft versunken, vergessend der Lehre Mosche's, des Mannes Gottes, die Levijim zerstreut, die Priester verarmt-wenn nicht bald der Herr seinen Diener erwecket, so ist eS dahin mit Juda, dahin mit Jeruschalajim, ganz dahin._" Naarah fuhr plötzlich auf: „Ich fürchte mich vor Deinem Bruder, Esra._" Esra blickte erschrocken auf Naarah: „Kennst Du ihn denn, hast Du ihn je gesehen?" „Wer sollte den stolzen Priester Schemaja nicht kennen? ..." „Ja, ja," fügte Achitub hinzu, „Schemaja, Sohn Serajah's, ich habe davon gehört. ..." „Und warum fürchtest Du Dich vor ihm, Naarah?" „Esra, ich weiß tS nicht.... Hast Du ihm unser Verlöbniß mitgetheilt, Esra?..." Und fie blickte diesen fast scharf an. Esra stieg eine Röthe in'S Antlitz, aber ohne Zögern antwortete er: „Allerdings, Naarah; glaubst Du, ich habe ein Geheimniß vor meinem Bruder!..." „Nun, Esra, billigt er es?_ Ihr seid die höchste Priesterfamilie in der Gefangenschaft; wäre Dein Vater Serajah mit Fürst Serubabel statt Jeschua's nach Jeruschalajim gezogen, wäre er Hoherpriester geworden, und Du fein Nachfolger ... und Du, so jung zur Stufe eines königlichen Staatsschreibers gestiegen ... Deine Brüder hätten wol Ursache, aus die arme Naarah/ Tochter des blinden Achitub, stolz niederzublicken_." Esra blickte stolz empor und seine Nüstern trieben auf. „Wer von meinen Brüdern würde cö wagen, meine, des Erstgebornen, jetzt HaupteS der Familie, Wahl anzugreifen? oder nur zu mißbilligen? ... und, Naarah, wer Dich einmal gesehen, und gar wer Dich irgend kennen gelernt, nein! dem erscheinst Du nicht arm, dem erscheinst Du würdig des Thrones der Könige, und um Dich die Majestät der Schönheit, des Adels, der Tugend...." Er zog fie sanft an fich, und sein Auge ruhete mit der Gluth der innigsten Liebe und mit dem Stolze der höchsten Befriedigung auf Naarah. Naarah erwiderte diesen Blick. „Wird Schemajah zu dieser niedern Hütte kommen, und die begrüßen, die Esra aus Tausenden erkoren?..." frug Naarah zögernd und schüchtern nach einiger Zeit. „Ich weiß es nicht, Naarah!" lautete die Antwort. „Du kannst es dem Pilger nicht verdenken, wenn er, nach fast zweijähriger Abwesenheit, von tausend Geschäften in 13*

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