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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-03-21 · Heft 13 (21.3.1853) · p. Seite 159

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 13 (21.3.1853)
Date
1853-03-21
Page
Seite 159 (sequence 7)
Language
German
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159 form.) auch im Talmud babli häufig vorkomme; diese Ihre Bemerkung ist eine richtige. Ad. 4. Zum Artikel Antoninus. Sie heben zwei Punkte hervor, die — wie Sie glauben — mit der Antonin-Frage in enger Verbindung stehen, trotzdem aber noch nicht in den Kreis der betreffenden Erörterung gezogen worden sind. Meines Erachtens stehen die Punkte mit der Antonin-Frage in gar keinem Zusammenhänge. Fassen wir fie näher in's Auge. Einer Sage zu Folge hätte Antonin im Kriege mit den Markomannen lediglich durch das Gebet der Christen in seinem Heere den Sieg errungen. Aus dieser Sage wollen Sie nun auf eine Hinneigung Antonius zu den Christen schließen. Allein die ganze Erzählung ist längst als eine leere Erfindung betrachtet worden. Ueberhaupt wird eS von vielen Forschern bezweifelt, ob gar im Antoninschen Heere Christen fich befunden; jedenfalls aber ist es unwahrscheinlich, daß die Christen die Betenden gewesen, und daß Antonin dies gewußt, wie auch, daß ihr Gebet das Wunder bewirkt habe. Selbst Eusebius, der Erste, der diese Sage, und zwar im Namen deS Bischofs Apollinaris erwähnt, fügt hinzu: „Uebrigens kann fich Zeder dabei denken, was ihm beliebt." — Siehe Allgem. Welch ist. rc. Th. 12, Kap. 396, Anmerk. — Nehmen wir aber an, die erwähnte Sage hätte einen historischen Boden — was wird dadurch für die Frage bezüglich der Freundschaft zwischen Rabbi und Antonin gewonnen? — Vor Konstantin waren gewöhnlich die judenfeindlichen Kaiser noch größere Chrikenfeinde, und die chrifienfteundlichen Kaiser noch größere Judenfreunde. Auch ist ja bekannt, daß die Christen damals noch keine hervorragende Stellung unter den jüdischen Sekten rinnahmen. Der zweite Punkt betrifft daS Märtyrerthum deS R. Eleasar ben Schammua, des Lehrers Rabbi's. Sie finden beftemdend, daß noch zur Zeit Rabbi's Verfolgungen stattgefunden, und suchen es dadurch zu erklären, indem Sie annehmen, daß Rabbi damals noch jung, ohne Amt und Einfluß gewesen. Allein Sie glauben noch anderweitige Spuren von Verfolgung zu finden, die in späteren Tagen sogar Rabbi selbst berührt habe, da nach Rosch Ha-Schana 24 a Rabbi den R. Chija nach Ain-Tab mit dem Auftrag sandte, daselbst den Neumond einzuweihen. Sie entscheiden fich für die zweite Erklärung Raschi'S ibid., daß nämlich Rabbi an seinem Orte die betreffende Einweihung auS Furcht vor den Römern nicht zu unternehmen gewagt habe. Sie folgern dies zum Theil auch aus dem Spruche: 'isi bfiosr ^b« in, den R. Chija als Zeichen des vollzogenen Aktes dem Rabbi zusenden sollte. Hier haben Sie, mein Freund, die Worte Zuchafin'S ad vocem R. snatj p ->73b» zum Theil gelten lassen, zum Theil aber verworfen. Juchafin selbst, nachdem er ibid. der Hinrichtung deS R. Eleasar ben Schammua — ohne Quellenangabe — Erwähnung gethan, äußert sein Beftemden darüber, daß eine solche Blutszene noch zur Zeit Rabbi's vorgekommen sein sollte, „da — wie es scheine — zur Zeit Rabbi's keine Verfolgung stattgefunden, trotz der zweiten Erklärung Raschi's loc. eit., denn die erste Erklärung sei einleuchtender." — So Juchafin; dieser hat also nicht für ausgemacht gehalten, waS Ihnen für unzweifelhaft gilt. Auch hat Juchafin in der zweiten Erklärung Raschi's noch einen Passus hervorgehoben, den Sie ignorircn; doch davon später. Hier will ich Ihre Anstcht näher in's Auge fassen. Was die Hinrichtung deS R. Eleasar ben Schammua betrifft, so bemerken Sie bereits selbst, daß Rabbi damals noch jung, ohne Amt und Einfluß gewesen. Diese Annahme ist fteilich notwendig; ja, ohne fie würde nicht einmal abzusehen sein, was Sie mit Ihrer Hinweisung auf die ftagliche Hinrichtung eigentlich bezwecken wollen. Soll etwa dadurch die Freundschaft zwischen Rabbi und einem römischen Kaiser, gleichviel welchem, überhaupt in Frage gestellt werden? — oder find Sie gar der Meinung, der mit Antonin befreundete Rabbi wäre nicht rarpn ir’at, sondern dessen Enkel Rabbi Jehuda Neßia '■> '-)) gewesen? — So viel ich weiß, waren Sie wenigstens bisher nicht dieser Anficht. Demnach berührt das Märtyrerthum des R. Eleasar die Antonin-Frage durchaus nicht. — WaS die vielfach beregte zweite Erklärung Raschi's in Betreff der Einweihung des Neumondes durch Rabbi Chija betrifft, so ignoriren Sie in Ihrem Zitat den Passus: tninn ns na-jp’' rrb«, woraus hervorgeht, daß das Verbot von Seiten der Römer fich blos auf die Einweihung des Neumondes beschränkte, und auch daS nur am Wohnorte Rabbi's (17315523). Wo ist hier aber von einer allgemeinen Verfolgung die Rede? — Wie bereits erwähnt, erklärt fich Juchafin gegen die zweite Erklärung Raschi's; ich indessen halte diese Erklärung für die richtigere, wie ich anderswo bereits nachgewiesen habe. Ich halte nämlich dafür, daß von den judenfeindlichen Dekreten Hadrian's gar Manches noch unter den folgenden Kaisern Geltung behalten, wenn auch da die Lage der Juden im Allgemeinen eine günstige war. Bekannt ist

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