Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 13 (21.3.1853)
- Date
- 1853-03-21
- Page
- Seite 154 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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154 Gewerbslehrer dieser kostspieligen, jedoch hochehrenden Funktion zu entziehen. Auch ein Vertheidiger, unserS Glaubens, Herr Dr. Berlin, plädirte in gewohnter Meisterschaft, aber Gottlob! keiner der Verbrecher war ein Jude. Auch in anderen Kreisen stellt sich ein AehnlicheS heraus: jüdische Geschworne, jüdische Vertheidiger, aber höchst selten jüdische Angeklagte. UnS ist nur ein Fall seit dem vierjährigen Bestand deS Schwurgerichts bekannt, aus Schwaben, wo Juden auf der Anklagebank fasten. Anklagen in den öffentlichen Stadtgerichtsfitzungen kommen dagegen hin und wieder vor. In Würzburg hat daS "Stadtkommissariat ein in der dortigen Halmschen Buchhandlung erschienenes Buch: „Friedenheim, Buch über die Thorheiten und Geheimniffe des JudenthumS nach dem Talmud bewiesen" vorläufig mit Beschlag belegt. Wer die unbekannte Größe ist, welche den alten Kohl wieder aufwärmt, ist zur Zeit der gelehrten und ungelehrten Welt noch ein Geheimnist. — Die k. Regierung von Minelfranken, und wahrscheinlich auch die anderen, hat im Laufe dieses MonatS von den Rabbinaten Bericht darüber abgekordert, „ob und in welcher Weise das Namens- und Geburtsfest Ihrer Majestäten des Königs und der Königin von den israelitischen KultuSgemeinden durch Gottesdienst gefeiert wird?" eine Frage, die wenigstens für Mittelfranken, verneint werden muß, da selbst unsere Synagogenordnung v. I. 1838 nichts Derartiges vorschreibt. Sicherlich aber wird dies unsere Rabbinen zu einer gleichmäßigen Anordnung, der Würde deS Gegenstandes angemessen, veranlassen. Die No. 14 des KreiS-JntelligenzblatteS für Mittelfranken bringt zum ehrenden Andenken deS in RegenSburg verstorbenen I. Lichtenstädter einen h. RegierungSerlaß wegen der Summe von einhundert Gulden, welche derselbe dem jüdischen Hospital in Fürth testamentarisch überwiesen hat. Bei der Seltenheit jüdischer Vermächtnisse nehmen wir um so mehr auch hier Akt davon, als die Absicht königl. Regierung bei ihrem öffentlichen Ausschreiben zugleich die ist, zu Nachahmungen aufzumuntern! Herr Gürtlermeister Abraham Schweizer in Fürth hat seine früher schon berichtete Mission nach Paris zu voller Zufriedenheit hoher Regierung erfüllt, so daß demselben nicht nur seine Kosten von Seiten deS Staats reichlich ersetzt, sondern auch eine Prämie von eintausend Gulden und ein unverzinsliches Kapital auf eine Reihe von Jahren gnädigst verwilligt worden sind. . Auch hatte derselbe die Ehre, Se. Erz. den k. Regierungspräsidenten von Mittelsranken in seiner Werkstätte zu sehen. Ihr Reichen! aus dem Gebiete der Industrie und deS GewerbfleißeS sind dermalen reiche Früchte zu ernten! Eine Frage von untergeordneter, jedoch prinzipieller Bedeutung wird demnächst zur Entscheidung der k. Regierung gelangen. Ein Rabbiner MittelfrankenS, mir dessen Bestrebungen, nebenbei gesagt, der Lehrerstand von jeher sympathisirte, der aber niemals, wenn es galt, zu ihnen stand, verweigert einem Lehrer einer sehr kleinen Gemeinde seines RabbinatS, der auf den Wunsch seiner Gemeinde und mit Gutheißung der Behörde, das Schächten übernehmen will, die Zulassung zur deSfallsigen Prüfung, ungeachtet er ihm bereits vor Jahren die zum Schächten der riip-i ertheilt und auf eine von dem zuständigen Vorsteher bei ihm angebrachte Anfrage schriftlich erklärte, eS habe sein Weigern weder in sittlichen noch rituellen Mängeln des Lehrers ihren Grund, ihm vielmehr das schönste Zeugniß ertheilte. Auf alle Gesuche und Reklamationen, auf alle Aufforderungen, nur eine Ursache anzugeben, erklärt er: eS gebe Dinge und Fälle, zu welchen sich keine Ursache angeben lasse und die vorliegende sei ein sothaneS Ding. Nach Erschöpfung aller und jeglicher gütlicher Mittel bleibt nun Nichts übrig, als den Ausspruch deS höhern weltlichen Vorgesetzten — jeder baierische Rabbiner ist bekanntlich geistlicher Selbstherrscher — anzurufen und es muß sich entscheiden, ob der vi»2 arta der Alten oder waS Rechtens, maßgebend sei. Auf der Hochschule zu München befinden sich zur Zeit etliche und zwanzig israelitische Jünglinge, die aber zumeist, in richtiger Würdigung der Zeitverhältnisse, daS medizinische Fach ergreifen. Die Auswanderung nach Amerika entführt unS einen unserer tüchtigsten Lehrer, Herrn vr. Deffauer zu BaierSdorf, Verfasser mehrerer literarischen Werke. Lobend muß der Gemeinde Erwähnung geschehen, die nicht, wie anderwärts, auf eine Schmälerung der Fassion, noch auf Verzögerung der Besetzung oder gar Auflösung der Schule hinarbeitet, sondern dieselbe bereits rechtzeitig und in früherer Weise ausgeschrieben hat. Möchte sie bei ihrer Wahl auch nur