Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 12 (14.3.1853)
- Date
- 1853-03-14
- Page
- Seite 150 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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150 pöpel sich im gelindesten Falle angaffen lassen, wenn man jenes doch thun wollte. Gott sei Lob und Dank und auch Dank dem provisorischen Vorstande, daß dieses nunmehr anders ist. Wir haben nun einen geräumigen, schöngelegenen und hochummauerten Gottesacker, und bereits vor 2 Monaten wurde die erste Leiche daselbst beerdigt. ES war dies ein herzerhebender Akt. Fast alle hier wohnenden Israeliten und auch viele Nichtisraeliten wohnten dem Leichenbegängnisse bei, welches durch trefflichen Choralgesang und durch ein Weihgebet vom einstweiligen Prediger allhier zelebrit wurde. Außer dem ernsten Gedanken, daß wir Alle früher oder später dem ersten nachsolgen müssen, waren wir Alle von einem hohen Freudengesühle ergriffen, daß wir nun daS Glück erlebten, in der einst so berühmt gewesenen Gemeinde Brünns, nach Jahrhunderten der Verbannung, wieder einen Platz zu haben, um nach den Mühen des Erdenlebens die müden Glieder hinlegen zu können. In Verbindung mit der Errichtung des Gottesackers steht die Gründung der mnn, des Brüdervereins, und dem Vorstände desselben ist es zuzuschreiben, daß die vier Leichenbegängnisse, die bisher stattsanden, allein schönster Ordnung, unter Choralgesang und deutschen Gebeten vorgegangen sind. Auch sür die Synagoge ist bereits gewirkt worden. Es ist ein schöner. Platz nebst einem daranstoßenden Hause für dieselbe so wie sür Wohnungen der Gemeindebeamten im Betrage von 11,000 Fl. K. M. angekaust worden. Der Bauplan, von einem der berühmtesten Architekten Wiens, lieg: bereits vor und der Voranschlag der Kosten soll 80,000 Fl. K. M. betragen. Im nächsten Frühjahr, heißt es, soll der Bau begonnen werden. Sie sehen, daß man nicht so ganz umhätig war und ist. In Betreff des Rabbiners und Predigers scheint die hiesige israelitische Einwohnerschaft dem Grundsätze deS BezalelS beizustimmen: Dhan ■psra ribtina ,,erst die Gotteswohnung und dann die Geräthe hinein." Und dies um so mehr, als sie einstweilen sich damit zu versorgen wußten. Was den Religionsunterricht anbelangr, hätte ich ein Langes und BreiteS mitzutbeilen, doch will ick auf's näckste Mal mir dies verspüren. Vielleickt kann ich Ihnen sckon dann die definitive Besetzung der ReligionSprosessur von Seiten des hohen Ministeriums miltheilen. Stuhlwerßenburg, 27. Februar. (Privatmitth.) In No. 9 dieses gpschätzten Blattes wird von dem sehr geehrten und tüchtigen Korrespondenten „aus Preßburg" einer mich betreffenden Nachricht in Angelegenheit einer Ehescheidung Erwähnung gemacht und zugleich statuirt, daß Herr Fasse! sich den dagegen protestirenden Rabbinen angeschlossen, was jedoch eine Berichtigung benöthigt. Ein eigentliches Gutachten ist mir in dieser Sache von Herrn Fasse! nicht zugekommen, sondern erhielt ich von demselben ein freundschaftliches Schreiben, worin dieser Gelehrte sich dahin ausspricht, daß er aus gewissen Gründen mit mir nicht übereinzustimmen vermag und mit einem im entgegengesetzten Sinne verfaßten Gutachten gewiß nicht auslreten will, sür welche freimülhige und gewiß auch freundschaftliche Aeußerung ick Herrn Fassel nur Dank schuldig bin. Uebrigens stimmten die meisten von mir befragten Rabbinen meinen Ansichten ganz bei und erhalte ick noch jetzt, nachdem ich diese Angelegenheit der Oeffentlichkeit übergeben, übereinstimmende Gutachten von mehreren Seiten. WaS die von Verfolgungssucht athmende Epistel äuS Bonyhad anbelangt, so wurde diese, wie überhaupt jede von draußen sich kundgebende Demonstration von Seite meiner achtbaren Gemeinde mit Entrüstung ausgenommen und von dem hiesigen sür alles Zeitgemäße und Edle lebhaft beseelten Kultusvorstande gebührend erwidert, was aber auch einem jeden sich unberufen in unsere Kultusangelegenheiten mengenden und die Ruhe meiner Gemeinde störenwollenden Eiferer, wozu in jüngster Zeit mehrere fanatische Geister Lust und Liebe bezeigten, zu erwarten steht. Der Sache jedoch auf den Grund gesehen, so ist es eigentlich nicht dieser va, was eine derartige Provokation hervorgebracht, sondern wird leider unter den ungarischen Gemeinden von einer gewissen Seite her, wie der chrenwerthe Korrespondent aus Preßburg sehr richtig bemerkt, eine jede wissenschaftliche Richtung, die sich vom Staube verjährter Vorurtheile zu reinigen strebt, feindselig angegriffen und verfolgt. Dazu kam noch der Umstand, daß ich im Laufe dieses Winters ein Programm zur Errichtung einer zeitgemäßen, von den alten Jeschibot in mehreren Punkten abweichenden Rabbinerschule veröffentlichte, was im Lager jener im Dunkel gern schleichenden Partei Furcht und Schrecken hervorbrachte, es mußte dagegen, wenn auch auf indirektem Wege agirt werden, und man hätte