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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-03-14 · Heft 12 (14.3.1853) · p. Seite 143

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 12 (14.3.1853)
Date
1853-03-14
Page
Seite 143 (sequence 3)
Language
German
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143 Judenthum" fich gegenübergestcllt. Wir müssen gestehen, Laß diese Ausdrücke durchaus nicht glücklich gewählt find. Denn was heißt: „rationalistische Reformrichtung" im Zudenthum, und waS „geschichtliches Judenthum"? Es find dieS protestantische, aber keine jüdische Begriffe. Es giebt innerhalb des JudenthumS wol Reform, aber keine rationalistische, und es ist Reform kein Gegensatz zum „geschichtlichen" Zudenthum: denn auch die Reform steht auf dem Boden des geschichtlichen Judenthums, und Reform ist imJudenthwme geschichtlich schon seit Davids Zeit, ja van Mosche selbst begründet! Warum aber wurden denn diese Ausdrücke gewählt? Warum wurde nicht, was Allen klar gewesen wäre, einfach „Reform" und „Orthodorie" gesagt? Weil, wie es uns bedünken will, das Reskript fich doch nicht die spätere Auslegung vorwegnehmen, und doch auch fich nicht ganz an die „Orthodorie" binden wollte. Aus demselben Grunde ist ein „engerer", nicht ein „enger" WieLeranschluß gesagt, däucht unS, denn ein „engerer" läßt ganz unbezeichnet: „wie eng!" der Wiederanschluß sein soll. Allein es findet späterhin im Rejkripte Loch wieder eine genauere Bestimmung statt: es soll „eine gründliche Revifion der Synagogcnordnung stattfinden, welche es den ausgeschiedenen (orkhodoren) Israeliten möglich machen wird, zu demselben gemeinsamen Gottesdienste mit Len übrigen Israeliten zurückzukehren". Wenn der Konzipient des qu. Reskriptes gewußt hat, was hiermit festgestellt ist, und wir sollten dies wol vorauSsetzen, so ist mit diesen Worten als das Ziel der Kulms in solcher „alten" oder „orthodoren" Weise gemeint, wie er nicht emmal in Polen eristirt, denn bekanntlich ist der Kultus in den deutschen Gemeinden noch viel mehr herunter gewesen an Absurditäten und Mißbräuchen als in Polen, weil in jenen die Mehrheit stets Ignoranten, in diesen nicht gewesen. Es ist ein, von der Erfahrung tausendmal bestätigtes Faktum, daß ein „Abfinden" mit den Orthodoren alten Schlages nicht möglich ist; bevor nicht daö Schul- und Hamansklopfen, bevor nicht das irrri» öip2 n. s. w. wieder eingeführt ist, bevor nicht die ganze Gemeinde wieder nach Belieben schreien, schwatzen, 'raus und 'reinlaufen, Mizwot versteigern, um den Kaddisch fich zanken u. s. w. kann, find fie nicht zufrieden, und werden fich nicht ergeben. Diesem gegenüber wird nun dennoch im Reskripte wieder von einer „ganzen beabfichtigten Erneuerung der religiösen Znstände der Israeliten" gesprochen. Was heißt „Erneuerung"? Wamm heißt es nicht „Wiederherstellung"? Jedermann weiß, waS „Wiederherstellung" heißt. Niemand was „Erneuerung", weshalb auch die unbestimmten Epitheta „ganze beabsichtigte". Es scheint also, daß man auch hier absichtlich „Wiederherstellung" vermieden hat,, um anzudeuten, daß eS zwischen den „jetzigen" Zuständen und einer „Wiederherstellung" noch einen dritten Weg gebe, den der „Erneuerung".... Wir müssen daher die Fassung des Reskriptes als durchaus nicht so entschieden erklären, als fie den Anschein hat. Vielleicht ist eS daS Reskript in seinen Resultaten, sehen wir zu. Was ist geschehen und was soll geschehen? Nachdem 10 Jahre lang unter Mitwirkung der hohen Staatsregierung an der Verbesserung des Gottesdienstes gearbeitet worben, nachdem die Synagogenordnung durch die hohe StaatSregierung vor fast 10 Jahren Gesetzeskraft erhalten, jedoch Liese Synagogenordnung sowol den einzelnen Gemeinden freien Spielraum ließ, so daß die Gemeinden in Mecklenburg vom einfach gereinigten bis zum deutschen Gottesdienste haben, als es auch den Einzelnen gestattet war, wenn fie die Synagogcnordnung verwerflich fanden, aus der Gemeinde zu scheiben und Minjanim für fich zu bilden — — soll jetzt die Synagogenordnung bis zu dem Punkte revidirt werden, daß es den Ausgeschiedenen möglich sei, wieder zum Gottesdienste zurückzukehren, dann aber die Wiedervereinigung eine gezwungene sein, und ein Ausscheiden und Absondern von der Gemeinde, also eine Trennung innerhalb der Juden nicht mehr möglich sein. — Es versteht fich von selbst, daß jeder auftichtige Jude eine solche Trennung innerhalb der Glaubensgenossen nur beklagen, und die Wiedervereinigung lebhaft wünschen wird. Aber ein Andres find menschliche Wünsche, ein Andres menschliche Wirklichkeit. Wo innerlich eine Trennung, wo innerlich im Geiste, in der Anschauung, in der Sitte und Gewohnheit, also sowol in der Ueberzeugung als auch in der Form eine Spaltung, eine Kluft eingetreten ist, welche nicht die Worte eines Engels und nicht die Gewalt des unumschränktesten Herrschers, sondern nur — die Zeit und ihre forrbildende Kraft, wie eS scheint, schon nach zwei, drei Generationen, wieder auSgleichen kann: da ist — im Momente — eine solche Wiedervereinigung nicht möglich und — nicht räthlich. Sie ist nicht möglich, denn es wird höchstens damit eine dritte, eine Mittelpattei geschaffen, welche zwischen beiden Extremen verloren steht; und nicht räthlich: denn die Opposition wird hüben und drüben nur zum Fanatismus

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