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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-03-07 · Heft 11 (7.3.1853) · p. Seite 138

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 11 (7.3.1853)
Date
1853-03-07
Page
Seite 138 (sequence 10)
Language
German
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138 nes Begleiters Worte in demselben energischen, ruhigen Strome dahinflofsen. Fürwahr, d essen Schuld war auch der ungleiche, wechselnde Gang in der Halle nicht. Und wo und wann wandelten die Männer? O, es ist eine längstverfloffene Zeit, Leser, und eine weit entlegene Gegend, und eines unernreßlichen Reiches große Hauptstadt, aber das Reich ist längst zertrümmert, und von dieser Stadt, die der Reichthümer und erhabensten Kunstschätze und der Werkzeuge menschlicher Macht und Größe eine nicht zu beschreibende Fülle umschloß, ist nicht der kleinste Steinhaufen mehr vorhanden, nicht einmal die Stätte ist noch sicher, darauf sie gestanden — aber wovon die Männer sprachen, das besteht noch_ lauschen wir ihrem Gespräche, wir werden eS erfahren.... „Traurige, betrübende Nachrichten, Schemaja ..." sprach der Aeltere. „Bei dem Andenken unsers Vaters Seraja, ich habe Schlimmes erwartet, aber so Schlimmes nicht« —" „Ich habe Dir noch nicht Alles gesagt, theurer Esra, der Umfang der Uebelstände ist sehr, sehr groß... „Sprich, sprich. Schemaja — sage mir Alles, verhehle mir Nichts, ich will den ganzen Kelch trinken, vielleicht daß auf seinem Grunde Etwas liegt, was zur Heilung, zur Heilung gereichen könnte_." „Ich habe Dir gesagt, mein Bruder," hob der Jüngere nach einer kleinen Pause an, „daß ich in Jerusalem zwar den Tempel wiederfand, den Tempel, darüber der Name unsers Gottes genannt wird, wenn auch klein und glanzlos, doch er steht wieder, und seine Zinne übersteigt die Kuppen der Berge ringsum — ja, und es wird auch darin der Dienst des Herrn nach den Vorschriften im Gesetze Mosche's vollzogen — aber wie? spärlich, kärglich, kaum das tägliche Ganzopfer, von wenigen Priestern versehen, die in vernachlässigter Gewandung die Dürftigkeit verrathen, in der das Volk sie läßt; die Leviten verschwunden auS dem heiligen Hause, zerstreut durch das Land, mit ihren Feldern beschäftigt, keine Sänger und Harfen, keine Pförtner und Wächter ... still, wenig betreten, Gras wächst in den Höfen, in den Zellen zerfallend, so steht das Heiligthum des Einzig-Ewigen da...." „Schrecklich!" seufzte Esra. „Ich habe Dir gesagt, daß dem ähnlich die Stadt selbst erscheint; kaum daß dieser oder jener Stadttheil wieder gebaut, die Straßen und Plätze gereinigt, der Eingang von außen durch die Trümmer gebrochen find ... der größte Theil liegt noch verbrannt in Ruinen, die Mauern Schutthaufen, die Thore verfaulte Balkenreste ... das ist die Herrlichkeit des neuen Jerusalems, zu dem vor achtzig Jahren Juda zurückkehrte, als Koresch die Erlaubniß verkündete...." „Sag nicht Juda, war es doch nur ein kleiner Haufen; find Zweimalhunderltausend ein Volk? ... Fahre fort." „Wie nun der Tempel und die Stadt, so die Vorsteher und daS Volk. Da sitzen keine Aeltesten zu Rathe, kein Fürst gebietet...." „Ist denn kein Sohn Davids da?..." „O ja, aber wer gehorcht ihm? Schatten von einem Ansehn, Rischa (Haupt) wird er genannt, aber waS ist ein Haupt ohne Körper daran?_" „Lehren denn die Priester das Volk nicht, und richten in seinen Streitsachen?" „Weit entfernt, die Priester kümmern sich nicht um daS Volk, das Volk nicht um die Priester. Und sollen diese lehren, waS sie selbst nicht kennen?..." „O, wie mag es da um die Uebung des Gesetzes stehen?" „Das kannst Du denken, Bruder! Wer weiß von Sabbat und Fest? Am Sabbat kommen die Landleute in die Stadt und bieten ihre Waaren auf den Märkten feil, die Tyrer bringen Fische, die Sidonier Webereien. Festtage? Nicht eine Erinnerung blieb davon zurück...." „Wehe, Wehe, dreimal Wehe!..." „Und was sollten auch Festtage dem größten Theile des Volkes, das in Armulh schmachtet, in Knechtschaft seufzt unter dem Joche der wuchernden Reichen! Ja, Bruder, das Volk des Ewigen ist Sklave seiner eigenen Brüder geworden; diese haben die Jahre des MißwachseS, der Dürre trefflich benutzt; um das Leben zu fristen, um die Steuern deS Königs zu zahlen und die Lasten deS Satrapen und Pascha's zu tragen, hat daS Volk seine Söhne und Töchter, haben sie sich selbst zu Knechten verkauft, find doch ihre Erbgüter längst Eigenthum Anderer...." „Ha, und da soll der Fluch des Herrn nicht auf der unglücklichen Stadt ruhen? ... Weiter, weiter, Schemaja..." rief Esra, und Seufzer und Stöhnen quollen unaufhörlich aus seiner Brust. „Ja, ich will Dir auch das Letzte und Schlimmste nicht verhehlen. — Bald wirst Du das Volk des Herrn nicht erkennen, Du wirst nach ihm ftagen, und Niemand wird eS Dir zeigen können — denn sie vermischen mit den Völkern sich — nicht bloS daß die Häupter des Volkes sich mit den arglistigen Samaritanern, jenen tückischen Mischlingen aus Aschur und Israel, verschwägern, daß Eljaschib der Hohenpriester selbst — Schmach über sein Haupt — seinem Schwäher Tobija, dem Ammoniterknechte,

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