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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-03-07 · Heft 11 (7.3.1853) · p. Seite 137

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 11 (7.3.1853)
Date
1853-03-07
Page
Seite 137 (sequence 9)
Language
German
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137 Stellen, gegen welche ich protestiren muß, finde ich den folgenden Passus: „Ich erinnere mich, daß als ich vor ungefähr 10 Jahren in eine Synagoge gekommen war, wo ich nicht das mindeste Ungeziemende gethan hatte, man mich nach Verlauf von 10 Minuten ersuchte hinauszugehen, weil man die Sachen eu Familie verrichten wollte." — Es thut mir leid, mein Herr, daß Sie nicht zugleich auch den Ort wo, noch die Zeit wann die Sache fich zugetragen haben soll, bemerkt haben. Sie würden der kirchlichen Behörde einen großen Dienst erweisen, wenn Sie mir diese Umstände angeben wollten. ES muß ohne Zweifel ein Mißverständniß obwalten; denn ich darf behaupten, ohne mich einer Widerrede auszusetzen, daß sich im ganzen israelitischen Gottesdienst keine Feierlichkeit, keine Zeremonie, keinerlei Umstand von welcher Art auch befindet, wobei nicht eine jede Person, gleichviel von welcher Konfession sie sei, ebenso gut wie ein Israelit das Recht hat gegenwärtig zu sein. Wir sind keine Freunde von religiöser Proselytenmacherei, und suchen niemals solche Leute für die Synagoge anzuwerben, die von Geburt auS zu anderen Genossenschaften gehören. Ich selbst, indem ich mich treu an die Ueberlieferungen unserer Gelehrten halte, habe während der 19 Jahre, die ich die Ehre habe mein Amt in Belgien auszuüben, so manche Katholiken von ihrem Vorsatze, zum MosaiSmus überzugehen, abgehalten. ES war aber auch noch nie einem Rabbinen eingefallen und wird auch nie einem einfallen, einem Christen, der fich kein unziemliches Betragen zu Schulden kommen läßt, vorzuschreiben eine Synagoge zu verlassen, worein er gekommen sein mag, gleichviel mit welcher Absicht, um den gottesdienstlichen Feierlichkeiten beizuwohnen, die ohne Ausnahme der Oeffentlichkeit angehören. Ich füge noch hinzu, daß im Falle Sie unfern Tempel zu Brüssel in der nie de Baviere besuchen wollten. Sie an einer der beiden Seiten der heiligen Lade die folgende Inschrift finden würden, die seit der Gründung des Tempels daselbst zu lesen war: „Herr! auch auf den Fremden, der nicht von deinem Volke Israel ist und kommt und betet in diesem Hause, erhöre ihn und thue Alles, damit der Fremde zu dir mft, auf daß alle Völker der Erde deinen Namen erkennen, welcher hier angerufen wird." (1 B. der Kön. 8, 41—43.) Ich hoffe, mein Herr, daß Ihre Unparteilichkeit eS Ihnen zur Pflicht machen wird, meine Reklamation anzunehmen und ihr eine Stelle einzuräumen in einem der nächsten Blätter des «Journal de Bruxelles. *) Ich habe die Ehre rc. Der Oberrabbiner Dr. H. Löb. H. 8. Belletristisches. Esra. Eine Novelle. 1. In der Vorhalle eines mäßigen Gebäudes, die auf einen mauerumschlossen cn Hof ausging, der in der Mitte zugleich Garten war, wandelten zwei junge, kräftige Männer auf und ab. Sic waren in ein Gespräch versenkt, das sie ganz in Anspruch nahm. Die Sonne neigte sich bereits dem Westen zu; ein kühlerer Luftzug rauschte linde durch die Wipfel der Bäume, und streute den Duft blühender Gebüsche schneller und weiter umher; der Springbrunnen plätscherte hörbarer, indem die Wasserstahlen vom Winde umhergcsprühl wurden. Aber die Männer vernahmen von der Außenwelt Nichts: sie wandelten unaufhörlich, bald langsamer, bald schneller, bald blieben sic eine Zeit lang stehen und verhandelten um so eiftigcr, dann gingen sic wieder die Halle auf und ab. Wer waren die wandelnden Männer? Brüder, das sah man ihnen an; sehr ähnlich an Anlage, Gestalt, Antlitz, und doch so verschieden; hochgebaut Beide, aber der jüngere kräftiger und voller; regelmäßige Gcstchtszügc, aber des ältcrn feiner, blässer, edler, von der Gewalt eines fcnrigcn Geistes verzehrter, und darum im Profil durch die gebognere und schärfere Nase, durch den cingczogncrn Mund, durch die stärkeren Augenbrauen unregelmäßiger und charakteristischer, während das sonnenverbrannte, gerundete und ruhige Angesicht des jüngern Bruders den lhatkräftigcrn und versuchter» Mann verrieth. Auch das Organ beider Brüder tönte in gleicher Weise voll Klang und Metall, aber leidenschaftlich vibrirte die Stimme des Aellcrn hinauf und hinab nach den Gefühlen, die ihn wechselnd bewegten, während sci- *) Herr CoomanS har indessen nicht für zur befunden weder den Brief des Oberrabbinen, dem Jedermann hier Beifall zollt, noch eine Beantwortung desselben im Journal de Bruxelles, das Hattpwrgan der katholischen Partei, dessen Redakteur er ist, cinrückenzu lassen. Korr. 11 *

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