Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 11 (7.3.1853)
- Date
- 1853-03-07
- Page
- Seite 134 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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134 chen, und demzufolge unter 36 GemeinderathSmitgliedern 9 Israeliten sich befinden müßten. In dem Städtchen Dobrzyca hat am 26. v. M. eine neue Stadtverordnetenwahl stattgefunden, bei welcher — neben 3 Polen — auch 2 Juden (unter nicht mehr als 5 jüdischen Wählern) zu Gemeindevertretern — i. e. Rathmännern — mitgewählt worden. In Rakel haben die Kämpfe zwischen den Anhängern FriedmannS (des neuen Rabbiners) und dessen Gegnern noch immer nicht ihr Ende erreicht; vielmehr stehen sich die Parteien noch immer so schroff gegenüber, daß an eine Aussöhnung und Vermittelung vorderhand noch nicht im Entferntesten zu denken sein dürste. Daß aber solche Zustände nicht geeignet find, eine Gemeinde zu heben, vielmehr neue Zerrüttung und gänzlichen Zerfall herbeisühren — braucht wo hier nicht näher bewiesen zu werden, da wir hiervon — namentlich in hiesiger Provinz — leider! nur schon zu oft durch die Erfahrung belehrt worden. Di*. Gebhardt — seit dem Herbste v. I. Rabbiner und Prediger der jüdischen Gemeinde zu Bromberg — har sich daselbst deS ausgezeichnetsten Ansehens und der allgemeinsten Liebe zu erfreuen. Seine Predigten sind immer (auch von Christen) sehr zahlreich besucht — ein Beweis, daß dieselben sehr gefallen. — Die Gründung einer Religionsschule durch Dr. G. soll in ganz naher Aussicht stehen. Herr Sal. Brann, RabbinatSassessor in Rawicz, hat das Seelsorgeramt in Schneidemühl nicht angenommen, sondern es vorgezogen, in seinem bisherigen Wirkungskreise — in welchem er sich allgemeiner Achtung erfreut — noch ferner zu verbleiben. Die Gemeinde Gnesen denkt noch nicht im Entferntesten daran, Kantorat und Rabbinat — von denen ErstereS seit 18, Letzteres seit 6 Monden erledigt — wieder zu besetzen. Bei den Vorversammlungen zu der Neuwahl eines Deputirten in die II. Kammer, welche Letztere — in Folge der Mandatsniederlegung Seitens des katholischen Geistlichen Brenk — am 3. d. M. in Gnesen hat statlfinden müssen, ist — auffallend genug! — auch ein jüdischer Kaufmann R. aus Posen als Kandidat mit aufgetreten, welcher jedoch — zeitig genug einsehend, daß er sowohl gegen seinen polnischen, als als auch gegen seinen deutschen Rivalen werde unterliegen müssen, — noch vor dem eigentlichen Wahlakte seine Kandidatur wieder zurückgezogen. War uns aber Anfangs der Versuch deS erwähnten Herrn „sich in die Kammer zu bringen" ein völliges Rachel, so sind wir hierüber wieder völlig aufgeklärt, seitdem wir in Erfahrung gebracht, daß demselben Seitens mehrerer Polen vom Adel die — süße, allerdings sehr schmeichelnde — Hoffnung eingeflößt worden, daß er, sobald er nur den Kampf wagen wollte, auf ihre kräftige Unterstützung zu rechnen hätte, und alsdann ohne allen Zweifel als Sieger die Wahlftatt verlassen würde. Und waS glaubt die Eigenliebe nicht Alles? Einer Korrespondenz auS dem benachbarten Russisch-Polen entlehnen wir zum Schluffe noch die Notiz, daß ein diesseitiges ziemlich bekanntes Individuum seit 4 Wochen in den unserer Grenze zunächst gelegenen polnischen Gemeinden, wie Kleczewo, SluSzyn, Sagorowo u. s. w. als Chasan und Darschan (Sänger und Prediger) sogenannte „Gastrollen" giebt, daß aber sein „Auftreten" vorzugsweise dazu dient, die Gemüther zu fanatifiren, die Leidenschaften anzufachen; Mitglieder einer und derselben Gemeinde unter einander zu entzweien; längst angesetzte und bisher sehr geachtete Diener deS Kultus in den Augen der leichtgläubigen Menge lächerlich und verhaßt zu machen; Zank und Zwietracht zu säen, wo bisher nur Liebe und Frieden gewaltet und die Fahne deS Parteikampfes aufzupflanzen an Orten, an denen bis jetzt nur die größte Einigkeit geherrscht hat, — mit Einem Worte: überall mehr Schaden als Nutzen, überall mehr Unheil als Segen zu stiften. Wir können jedoch nicht unterlassen, die Bemerkung hinzuzufügen, daß wir dies Alles — wenn auch geglaubt, aber doch nicht — hier mitgetheilt haben würden, wenn wir nicht neulich „dieselbe Wirkung durch dieselbe Ursache herbeigeführt" in einer diesseitigen Gemeinde selbst mit angesehen hätten, in einer Gemeinde, die jetzt noch an den Folgen jener Seancksloga zu leiden hat, und deren Namen wir (so wie unfern eignen) — sobald eS von unS verlangt werden sollte — öffentlich zu nennen auch keinen Augenblick anstehen werden. Aus der Provinz Posen, 18. Februar. (Privatmitth.) Rabbiner M. Löwenstamm auS Fraustadt — zur Vollziehung eines Trauaktes (resp. Abhaltung der Traurede) auf den 26. v. M. nach Liffa berufen — hat, von dem Vorstande der dortigen