Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 11 (7.3.1853)
- Date
- 1853-03-07
- Page
- Seite 133 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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133 bigen wissen nicht, was sie wollen, was der Eine heilig halt, daS verwirft der Andere. Wir haben nun geglaubt, Vernunft werde uns zu einer Einheit führen, aber siehe da, dasselbe Resultat, wir wissen wahrlich auch nicht waS wir wollen; dem Einen sagt feine Vernunft dies, dem Andern die feinige jenes. Nun werdet ihr aber glauben, ich, der ich doch ein System repräfentire und verkünde, ich müßte doch wissen was ich will — aber die Wahrheit zu sagen: ich weiß es auch nicht. Was wir verfechten, bas ist der freie Gebrauch der diversen Vernünste, das stete Streben nach Wahrheit. Dies Streben aber soll nicht Zweck, sondern nur Mittel sein, um das seil der ReligionSspaltung zerklüftete deutsche Vaterland wieder zur Versöhnung zu bringen!!!! Ist daS nicht ein köstlicher Standpunkt um — Kirche zu spielen? *) Preußen. Berlin, 25. Februar. Die erste Kammer hat gestern wirklich den Zusatz der zweiten Kammer angenommen, daß die früheren, wieder in Kraft tretenden Provinzial-, Kreis- und Städteordnungen in Nichts der Verfassung widersprechen dürften. Allein, wenn nicht die zweite Kammer ausdrücklich hierbei den Art. 12 geltend macht, so wird dieser Zusatz von gar keiner Folge sein, da bekanntlich daS Ministerium den Art. 4 so deutet, daß trotz deS Art. 12 daS Bekenntniß einer der christlichen Kirchen zur Erlangung öffentlicher Aemter als Bedingung ausgestellt werden dürfe. (S. No. 10 d. Z.) —. Der Gerichtshof zur Entscheidung der Kompetenzkonflikte hat neuerdings in einem Erkenntnisse angenommen, baß bei Streitigkeiten über die rechtlichen Folgen des Austritts eines jüdischen Mitgliedes aus dem KorporationSverbande seiner Glaubensgenossen in der Provinz Posen der Rechtsweg zulässig sei. Aus der Provinz Posen, 15. Februar. (Privatmitth.) Nach der „allgemeinen Volkszählung vom Dezember 1852" sind im Kreise Pleschen unter 54,946 Einwohnern 2217 Juden und unter 49 zum öffentlichen Gottesdienste bestimmten VersammlungShäusern 4 Synagogen gefunden werden. *) Es ist das, was wir in Liesen Blättern über Liese Seklcn vor 5 Jahren vorauSgcsagt! ReLakt. Der KreiS Adelnau hat dagegen unter nur 51,279 Seelen schon 2330 jüdische aufzuweisen gehabt. In der Stadt Bromberg hat man bei einer Gesammtseelenzahl von 12,918 nicht mehr als 820 Juden vorgefunden (also kaum Vis), worunter 290 Kinder unter 14 Jahren, 489 Personen vom 15ten bis zum 50sten Lebensjahre und 41 Personen über 50 Jahre. Der Kreis Wreschen hat bei einer Gesammteinwohnerzahl von 35,880 schon 2098 Juden geliefert. Ende 1849 betrug die Zahl der Juden in genanntem Kreise 2414; sie hat demnach innerhalb der letzten 3 Jahre (während welcher Zeit die Cholera dort zwei Mal aufgetreten) um 316 abgenommen. In der Stadt Wittkowo endlich, wo Ende 1849 unter 1886 Einwohnern schon 919 Juden gelebt haben, sind Ende vorigen Jahres unter 1788 Einwohnern nur 810 Juden gefunden worden, wonach die jüdische Bevölkerung des genannten OrteS in den letzten 3 Jahren gerade um 109 abgenommen. Einen ausführlichen statistischen Bericht über die Juden des Großherzogthums behalte ich mir vor. Aus der Provinz Posen, im Februar. (Privatmitth.) Mit Bezug auf die Schlußnotiz Ihres X-Korresponventen in No. 52 v. I. (Art. Posen) erlaube ich mir, Ihnen hierdurch die Mittheilung zu machen, daß unter den Ende 1852 gewählten 12 ErgänzungSmirgliedern für den Gemeindcralh sich 4 Israeliten befinden, wonach jetzt in dem genannten Kollegium, daS aus 36 Gliedern besteht, überhaupt 8 Israeliten ihren Sitz haben, welche sind die Herren: 1) Kaufmann Abr. Asch (Alterspräsident), 2) Kaufmann B. H. Asch (wiedergewählt), 3) Kaufmann Jaffe, 4) Kaufmann Löwinsohn (neugewählt), 5) Kaufmann Breslauer, 6) Kaufmann Ed. Mamrolh (wiedergewählt), 7) Dr. med. Neustadt und 8) Rentier Wittkowski (neugewählt). Die sub 1, 3, 5 und 7 Genannten sind von früherher im Gemeinderath verblieben. Dennoch ist das Berhältniß der Anzahl jüdischer Gemeinderäthe zu der Zahl der Gemeinderäthe überhaupt dem Verhältnisse der jüdischen Bevölkerung PosenS zur Gesammtbevölkerung der Stadt noch nicht ganz entsprechend, weil die Juden in Posen den v i e rten Theil (nicht, wie der erwähnte Korrespondent angiedt, '/*) der gesummten Einwohnerschaft auSma-