Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 11 (7.3.1853)
- Date
- 1853-03-07
- Page
- Seite 131 (sequence 3)
- Language
- German
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131 Auswüchse jener Reforrnrichtung und die damit zusammenhängenden Uebelstände in den religiösen Beziehungen der Israeliten und dem Unterrichte der israelitischen Jugend zu beseitigen. Zu dem Ende wird vor Allem die Wahl eines jenen Aufgaben entsprechenden LandeSrabbinerS nothwendig, der, auf dem Boden deS geschichtlichen JudenthumS stehend, sowol die Kenntnisse und die Gaben, als den aufrichtigen Willen besitzt, die Wiedervereinigung der getrennten Israeliten und die nothwendigen Veränderungen in dem Gottesdienste und den übrigen religiösen Zuständen der Israeliten zur Ausführung zu bringen. Zu demselben Zwecke wird eine gründliche Revision der Synagogenordnung nothwendig, welche es den auSgeschiedenen Israeliten möglich machen wird, zu demselben gemeinsamen Gottesdienste mit den übrigen Israeliten zurückzukehren. ES kommt daher gegenwärtig darauf an, daß Männer in den israelitischen Oberrath gewählt werden, von welchen die Wahl eines jenen Aufgaben entsprechenden LandeSrabbinerS und eine denselben entsprechende Mitwirkung zu der Revision der Synagogenordnung und der ganzen beabsichtigten Erneuerung der religiösen Zustände der Israeliten erwartet werden kann. Die israelitische Gemeinde wird deshalb aufgefordert, dieses Alles in sorgfältige Erwägung zu ziehen und ihre Wahl darnach einzurichten, indem, Falls diese Aufforderung nicht den erwarteten Erfolg haben sollte, daS hohe Ministerium sich genöthigt sehen wird, andere Mittel und Wege zu der Beseitigung der gegenwärtigen, nicht länger zu duldenden Zustände, insbesondere zu der Einsetzung eineS für die Lösung der bezeichneten Aufgaben geeigneten Oberrathes und LandeSrabbinerS, zu ergreifen. Schwerin, den 17. Februar 1853. Die landesherrlichen Kommissarien im israelitischen Oberrathe. F. C. Müller. Schröder." Hamburg, Ende Februar. (Privatmitth.) Einige Blätter berichten, eS seien bundeStägliche Maßregeln gegen die hiesigen Juden im Gange, die hier schon in der nächsten Bürgerschaft Vorkommen würden. Wenn indeß von politischen, in Ausübung gekommenen, Rechten die Rede sein soll, so wüßte ich nicht, waS man uns rauben könnte. — DaS mecklenburgische Ministerium hat bei Gelegenheit der Neuwahl eines jüdischen „OberrathS", der nachher den LandeSrabbiner erwählen wird, eine Ansprache an die Juden erlassen, in welcher eS sich gegen die rationalistische Reformrichtung der früheren Rabbiner Holbheim und Einhorn ausspricht, und eine etwanige ähnliche Wahl umzustoßen und dann eine neue zu oktroyiren verkündet. Zugleich werden dann in der Synagogenordnung diejenigen Aenderungen verheißen, die eS den AuSgefchiedenen (s. g. Frommen) möglich machen, wieder einzutreten. Wir nehmen an, dies sei ganz ehrlich gemeint und man bezwecke weder auf diesem Wege Proselyten zu fischen, noch daS Judenthum ewig in fratzenhafter Gestalt zur Folie deS ChriftenthumS zu erhalten. Wir nehmen dies, wie gesagt, an, und haben dann nur auf die monströse Uiurpation und auf die Unkenntniß der Verhälrnisse hinzuweisen, die hier zu Grunde liegen. Eine spezifischchristliche Behörde, die eine spezielle Rlchlung innerhalb einer speziellen, mit anderen Sekten und Richtungen gerade jetzt in bedrohlicher Spannung lebende christliche Partei vertritt, welche von mehr als 4/j> + 2/is der gesammten Christenheit verleugnet wird, und die vielleicht morgen, vielleicht über'S Jahr einer andern Richtung Platz machen wird, unternimmt eS, einer jüdischen Landgemeinde die Weise vorzuschreiben, welche sie von den 49 Weisen, in denen die Tora interpretirt werden kann, wählen soll. — Und das, wie die Schlußdrohung zeigt, wider den Willen der Majorität dieser Gemeinde! Dies für die Usurpation. Dann aber die Unkenntniß. Diejenige Partei, die sich gewöhnlich die orthodoxe nennt und die eS „geschichtliches Judenthum" nennen läßt, wenn man hinter dem berühmten Rabbi, nach welchem der Zucker auf den Bäumen wächst, einen Riegel gegen alle Fortentwickelung vorschiebt, diese Partei kann und wird sich auch nicht zu der geringsten Aenderung des ererbten öffentlichen Ritus herbeilassen, und eS wird erquickend sein zu sehen, wenn der Herr Minister auch daS natür- Üchste Verlangen, z. B. nach einigen deutschen Gesängen für die männliche und weibliche Jugend, die keine debrsica absolvirt hat, sodann die Weglassung der Jammergebete, baß wir eine täglich zur Schlachtbank getriebene Schaafheerde find, u. dgl. m. aus „geschichtlichen" Motiven abdekrerirt, und das Alles zur Beförderung „wahrer Religiosität". Freilich haben diejenigen jüdischen Kulkusoiener und Prediger gesündigt und sündigen noch alle Tage, die es vergessen, daß die Religion, und namentlich die mosai-