Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 10 (28.2.1853)
- Date
- 1853-02-28
- Page
- Seite 126 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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126 lagerungSszenen eine andere Gegend, hier Festungen am Schlußufer, dort Gebirge, dort Waldgegend u. s. f. — Layard hat es nachgewiesen, daß gar Manches, was man bisher in der Plastik als rein griechisch zu betrachten gewohnt war, affyrischen Ursprungs ist. Ernst, Hoheit, Würde und Majestät bilden den Grundcharakter der assyrischen Plastik, die weit entfernt ist von jener wild umhertaumelnden, fich in dem Ungeheuerlichsten der Mischformen ergötzenden und berauschenden indischen Phantasie, trotz der vorkommenden Vermischung der Körperformen in den geflügelten Löwen und Stieren mit Menschenhäuptern, oder in einzelnen Menschenfiguren mit Adlerköpfen. Es liegt eine gewisse Gesundheit selbst in der Bildung dieser symbolischen Gestalten, und die kolossalen Leiber dieser Löwen und Stiere find so schön gearbeitet, daß man ordentlich an ihre Menschenhäupter glaubt. Diese Stärke, Reinheit und Schönheit der gestaltenbildenden Phantasie ist noch heutigen TageS das Eigenthum der Eingeborenen dieser Gegend. Noch heutigen Tages bildet der arme unwissende Araber, mag er in der Wüste umherziehen, oder in der Stadt leben, die Geräthe für seine täglichen Bedürfnisse aus dem Thon und Lehm feines Bodens in Formen, welche vielleicht einst für die zierlichsten griechischen und römischen Vasen das Vorbild abgegeben haben mögen, und welche fich, merkwürdig genug, ganz ebenso auf den Reliefskulpturen der Monumente wieder finden, die vor mehr als 3000 Jahren ihre Vorfahren aufrichteten. Dieselbe Dauer und .Beständigkeit zeigt fich aber auch noch in anderen Dingen. Noch bis auf diesen Tag find die Sitten, die Waffen, die Trachten wie die Körperformen der heutigen Bewohner dieser Gegenden fast durchaus dieselben wie sie auf jenen Monumenten erscheinen*). Noch heute z. B. färben die Eingeborenen Augenbrauen und Wimpern mit Kohle, wie sie fich auf vielen alten Skulpturwerken gefärbt zeigen. Noch heute pflegt und lockt der Perser Haupthaar und Bart ganz in der Weise, welche man auf den alten Skulpturen von Nimrud und Nineve bemerkt. Der Kunstwerth der Werke assyrischer Plastik ist fteilich verschieden. Die kunstreichsten sind diejeni¬ *) Nicht bloS „wie sie auf diesen Monumenten erscheinen", sondern wie fie in der h. Schrift gezeichnet find. Welchen ftuchtbaren Gebrauch daher wir in unser« Dibelwerk von den Sittenschilderungen der neueren Reisenden zu machen Gelegenheit hatten, wird man fich z. B. aus dem 1 Buche Mos. leicht überzeugen. Red. d. 41. 3d. Jud. gen, welche der ältesten Periode, also der Zeit zwischen 2000 —1000 vor der christlichen Zeitrechnung. Aber alle Skulpturen zeigen eine bedeutende Kenntniß der Anatomie des thierischen und menschlichen Körpers. In den Kolossalfiguren der Könige und Priester, und namentlich in denen, wo die menschliche Gestalt ohne die symbolische Flügelzuthat dargestellt ist, zeigt fich ein überraschender Adel und Schwung starker, und dabei majestätischer Bildung, und ein seines Verständniß der Behandlung in den Händen und Füßen. Die Gestalt deS Königs von Nimrud, den langen KönigSstab in der Rechten, die Linke auf den Griff des gewaltigen Schwertes gelegt, Lessen reich verzierte Scheide gegen das Ende hin höchst kunstvoll mit einem Paar gegeneinanderliegenden Löwen geschmückt ist — diese erhabene Gestalt mit ihrem langen wohlgepflegten Haar und Bart in kostbar gestickter Gewandung macht einen tiefen Eindruck. Im Louvre sah ich zwei der kolossalen Flügelstiere, welche, wie die ihnen ähnlich gebildeten Löwen, die Portale der altaffyrischen Paläste bewachten. ES wird einem eigen zu Muthe bei dem Anblick dieser gigantischen Gestalten, deren starrer Blick vielleicht schon auf Ninus und SemiramiS niedergeschaut hat. Sie find 15—16 Fuß hoch. Unter dem Bauche der Nincvestiere und der Löwen find lange Inschriften in Keilschrift eingehauen. Aber noch hat kein Scharfsinn weder diese noch andere unzählige Zurufe der ältesten Zeit auf diesen Monumenten Assyriens entziffert. — Vor mehr als 25 Jahrhunderten wurden diese Gestalten und Prachtbauten den Augen der Menschen entrückt und nun stehen fie wieder vor uns unverändert in ihrer alten Majestät. Aber wie hat fich die Szene um fie her verändert! Der Lurus und die Zivilisation einer mächtigen Nation haben dem Elend und der Unwissenheit halbbarbarischer Stämme Platz gemacht. Die Pracht der Tempel und der Reichthum der größten Stadt der Welt find in Trümmern zu ungestalteten Erdhügeln versunken, und Nineve ist jetzt, wie der Prophet verkündete, „eine Verwüstung, der Wasserrabe und die Rohrdommel nisten auf seinen Trümmern!" —Als das majestätische Riesenhaupt des einen der Stiere zuerst aus der Erde emporstieg, sprengten die Araber zu Lahard und riefen ihm entgegen: „Herr! eS ist wunderbar, aber wahr! Eure Arbeiter haben Nimrud selbst gefunden, unsere Augen haben den König gesehen!" Und so ergreifend war der majestätische Anblick dieses Hauptes, daß einige Arbeiter von Schrecken ergriffen davonliefen, und der von Mosul herbeigerufene Sheik in die Worte auSbrach: „Das ist kein