Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 10 (28.2.1853)
- Date
- 1853-02-28
- Page
- Seite 125 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3225822-3225833--12975-3299239- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
125 gilt eS mit strenger, nüchterner Kritik ans Werk gehen, und vorzüglich dürfen da die Stellen nie aus dem Zusammenhänge gerissen werden. AuS dem Zusammenhänge gerissene Stellen beweisen in der Wissenschaft gar nichts, find nicht einmal zu Hypothesen gut. Prüfen wir nun die Stelle, die Herr Löwi anführt, wie fie im Zusammenhänge lautet, ob fie wirklich im Stande ist, den Pantheismus aus dem Zudenthume zu verweisen. Diese Stelle befindet fich Schemot Rabba csput 3 und Tanchuma p. Schemot, und lautet wie folgt: rrr; ns» 22 Hhprr i-rr-rw „Als Gott dem Moses im Dornbusch fich offenbarte, war dieser noch ein Anfänger (p"ra — tiro) in der Prophetie; da dachte Gott, wenn ich in lauter Stimme mich ihm offenbare, wird er erschrecken; wenn ich mit leiser Stimme mich ihm mitrheile, wird er nicht darauf merken; was that nun Gott? Er nahm die Stimme von Lessen Vater Amram an. Da fteme fich Moses und sprach: O, mein Vater Amram lebt noch', doch da rief Gott ihm zu: Ich bin der Gort deines Vaters — nVc *pVsi viao ■Hrsi T2B NDv ‘inO'n T*» — rr-^riri ich wollte dich nur nicht ängstigen, darum nahm ich deines Vaters Stimme an. Alsbald verbarg nun Moses sein Angesicht." Wie will nun Herr L. in dieser Stelle die Verweisung des Pantheismus aus dem Zudenthume finden? Wahrlich es stünde schlimm um die über alle Aussprache erhabene Außerweltlichkeit GotteS im Zudenthume, wenn diese Stelle die ganze Stütze derselben sein sollte. Die Niuevemounmeute. (Schluß.) Geben wir nun Einiges aus den „Resultaten", die auS diesen Entdeckungen hervorgehen. Was zunächst die von Dotta und Layard zu Khorsabad und Nimrud entdeckten Bauwerke selbst anlangt, so ist der Styl derselben vollkommen gleicher Art, aber das Alter derselben ist verschieden. Der eine von den zwei durch Layard ausgegrabenen Palästen gehört nämlich einer bedeutend ältcrn Periode an, während der andere mit dem bei Khorsabad entdeckten Prachtbau aus gleicher Zeit zu sein scheint. Layard fand nämlich, daß aus dem ältern Prachtbau eine große Menge von Steinplatten zu dem Bau des jünger» dergestalt verwendet worden waren, daß man die behauene und mit Bildwerken geschmückte Seite nach innen gekehrt. und die ursprünglich innere, jetzt äußere Seite mit neuen Skulpturen versehen hatte, deren Figuren in Tracht und Gestalt von der ältern bedeutend abwichen. Nach gewissen Darstellungen zu schließen, reicht dieser ältere Bau bis in die Zeit der SemiramiS hinauf (2000 vor der christlichen Zeitrechnung). Hieraus geht hervor, daß vor dem historisch gesicherten Zeitpunkte der Zerstörung Nineve's durch den Mederkönig Kyararcs (606—604 vor der dsr. Ztr.) zwei verschiedene Bauperioden vorhergingen, von denen die entdeckten Reste der ersten wirklich in die Zeit deS Ninus und der Semiramis hinaufreichen und jedenfalls nicht jünger sind als 1200 Zähre vor der christlichen Zeitrechnung. Dann die von Diodor aus dem Palast der Semiramis erwähnten Darstellungen von Panther- und Löwenjagden, von denen in den beiden jüngeren Palastbauten keine Spur angetroffen wurde, fanden fich dagegen in Menge unter den Reliefbildern des ältern. *) Welches aber war die Bestimmung dieser gewaltigen Bauwerke? Sie waren ohne alle Frage nationale Monumente, deren Mauern die durch Bild und Schrift in Stein gemeißelte Geschichte deS Reiches und seiner sieghaften Herrlichkeit zeigten. Diese Bauten, sagt Layard, dienten dazu, die Geschichte, den Ruhm und die Triumphe der Nation fortwährend in daS Gedächtniß derjenigen zurückzuruftn, welche sich in ihnen bei festlichen Gelegenheiten oder zur Feier religiöser Zeremonieen versammelten. Dabei tritt überall die Majestät des Herrschers in den Vordergrund. Auf die Könige und ihre Thaten allein beziehen fich alle bisher gefundenen historischen Darstellungen, und zwar auf diejenigen Könige, welche alS die Erbauer dieser Paläste anzusehen find. Zn einem der Paläste erscheint jedes Zimmer der Darstellung eines besondern historischen Ereignisses gewidmet worden zu sein, denn in jedem zeigen die vorgestellten Kriegs- und Be- *) Es sei uns vergönnt, hier von unserm Standpunkte aus eine Bemerkung einzustrcucn. Nineve und Jerusalem wurden ungefähr zur selben Zeit zerstört, cs lagen keine 20 Jahre dazwischen. Nineve blieb zertrümmert, und während Jerusalem nach 70 Jahren fich wieder aus der Asche erhob, ein halbes Jahrtausend gewaltig bestand, wieder zerstört (durch die Römer) doch noch heute (nicht unbeträchtlich) besteht und der Anziehungspunkt für Tausende von Pilgern aller Nationen noch heute ist: versanken die Reste Nineve's immer tiefer wie in den Schooß der Erde. Hat nun das Wort der Propheten Wahrheit gesprochen? Und doch wollen es die nicht für wahr begreifen, an deren Väter cs gerichtet worden? Red. d. A. Z. d. Jud. 10*