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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-02-28 · Heft 10 (28.2.1853) · p. Seite 124

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 10 (28.2.1853)
Date
1853-02-28
Page
Seite 124 (sequence 8)
Language
German
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124 im jüdischen Alterthum gar kein Ausdruck für das was wir heutzutage Natur nennen. Der Ausdruck 222 ist erst im 12ten Jahrhundert, da wo überhaupt die fremde Wissenschaft im Judenthume stch heimisch gemacht, erfunden worden. Dies, und nur dies einzig allein, verstand ich unter dem Ausdruck: Gott und Natur sind identische Begriffe *). Der scharfsinnige Hirsch Aschkenasi in seinem, über die obige Angelegenheit an den londoner Vorstand abgegebenen Gutachten, geht auf die obige Auseinandersetzung um so mehr ein, als eS doch nur höchster Unsinn wäre, jenen Lehrsatz buchstäblich aufzufaffen y>8« *72“! 17 /77 222 ",1227 22N -,2« ^2 V’ÖS 27« 72 “77«ri2 Indessen wenn auch ich den Kusri nicht erwähnt, so führt Chacham Z'wi denselben an, und zwar als Gewährsmann für die von David Nitu dargelegten Ansichten. Eine zweite Stütze findet er in Jesaia Horwitz, der in seinem bekannten Werke den bemerkenSwerthen Gedanken ausspricht, daß Lohn und Strafe hienieden ganz natürliche (2^222), in der Natur begründete Dinge seien — ein Gedanke, der nebenbei gesagt, im Judenthume viel älter ist als JesaiaS Horwitz, denn schon Debarim Rabba (caput 4) sagt: sbs , 272777 m2-i77 n"b *>22 22 7782 77272777 772-177 77«72 22 7782 772*777 77^“>82 .7727277 T7«72* 2) Ich wüßte demnach nicht, wie es mir in den Sinn *) Es versteht sich von. selbst, daß dies nur eine Dreherei ist, die man vielleicht damals beschönigen konnte, jetzt aber beim rechten Namen nennen muß. Denn wenn es keine 222 (Natur) giebt, so kann man auch nicht sagen, daß 222 und 2^28, „daß Natur und Gott identische Begriffe find," dann ist 222 gar kein Begriff. Im Uebrigen ist dennoch auch die Entschuldigung des David Nitu rein pantheistisch, denn „Gott als die bewegende Kraft im Universum" ist — pantheistisch. Gott hat, nach der Lehre der Schrift, ebenso den Stoff wie die den Stoff nach bestimmtem Gesetz bewegende, d. h. die Veränderung gen des Stoffes hcrvorbringende Kraft geschaffen und in den Stoff selbst gelegt, nicht aber ist diese Kraft — Gott. ES guckt da der Wolf dennoch aus dem Schafspelze! vr. P h i l. 2) So alt er sei, so unrichtig ist er, denn die göttliche Vergeltung besteht nicht nur in den natürlichen Folgen unserer Thaten, sondern wird nicht minder durch die göttliche Schickung und Anordnung der Ereignisse, durch den von Gott gelenkten Strom der Ereignisse und Verhältnisse herbeigeführt. Ebensowenig ist er schriftgemäß, wie zahllose Stellen zeigen, z. B. in der dieswöchentlichen Sidra (2*'22«2) 2 Buch Mos. 22, 22. 23. 28. 23, 22. 25. 28. vr. Phil. hätte kommen sollen, daß Jehuda Halevi „die Natur vergöttert", wie Herr I. Löwi mir in den Mund legen will! Herr Rabbiner Löwi schließt seinen Artikel mit folgenden Worten: „Sehr schön ist eine Stelle im Midrasch: Als Gott zu Moses sprach: „Ich bin Gott deiner Väter", da sagte MoseS: Was verlangst du von mir, Vater? Hierauf antwortete Gott: „Ich bin nicht dein Vater, sondern Gott deiner Väter" — mit diesen kurzen Worten ist jede Att Pantheismus aus dem Judenthume verwiesen." Dagegen jedoch sei mir eine kurze Bemerkung erlaubt. Daß das Judenthum keinen Pantheismus unter seine Doktrinen ausgenommen, bedarf gewiß erst keiner weitern Auseinandersetzung. Judenrhum und Pantheismus sind zwei anripodische Begriffe. Gleich der erste Vers in unserer Bibel lehtt uns einen außerweltlichen Gott kennen. Auch der Talmud, darin unstreitig so manche parfische und gnostische Philosopheme sich Eingang zu verschaffen gewußt, hat dieser neuplatonischen Lehre den entschiedensten Krieg erklärt. Unter Anderm find die Stellen Chagiga l2b und Bereschit Rabba caput 68, deutliche Belege hierfür. (Vergl. hierüber More Neb. Absch. 70.) Ueberhaupt ist im Orient die Lehre, Gott und'Natur find eins, niemals in jener streng spekulativen Form, wie in der eleatischen Schule, und später bei Spinoza, und dann noch später bei Kant und Hegel aufgetteten. Der Pantheismus der Indier, ebenso jener der Zabier, die Maimuni in seinem More erwähnt, scheint der Ausdruck einer mehr dichtenden als reflektirenden Weltanficht gewesen zu sein. Sollte es indeß doch noch immer nothwendig sein, nach Materialien zu suchen, die „jede Art Pantheismus aus dem Judenthume verweisen", so wäre am Allerwenigsten die Stelle, die Herr Löwi anfirhrt, dazu geeignet. Wol bieten die rabbinischen Allegoricen für die philosophische Forschung eine reichlich« Ausbeute, eine unerschöpfliche Fundgrube. Schon der große Maimuni hatte ein Werk im Plane, darin er die problematischen Hagaden zu einem vergleichenden Studium mit der Philosophie jener Zeit benützen wollte) er kündigte dieses Werk unter dem Titel 7787277 “722 an (s. Einleitung zum More). Allein ein Anderes ist es, eine hagadische Stelle in die Predigt verstechten, und ein Anderes, eine Solche zu einem philosophischen, historischen oder sonst wissenschaftlichen Beleg verwenden. Im erstern Falle giebt uns die licealia homiletica gewisse Privilegien an die Hand, die aber bei einer wissenschaftlichen Forschung nie beansprucht werde« dürfen. Hier

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