Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 10 (28.2.1853)
- Date
- 1853-02-28
- Page
- Seite 121 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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m sagen, daß sie solchen im Dunkeln schleichenden Abmahnungen nicht trauen mögen! Ein tüchtiger Rabbiner kann in Lemberg einen schönen Wirkungskreis haben, besonders da unsere strebsame Gemeinde jetzt Alleaufbietet, um sür die Eristenz eines Solchen zu sorgen, und dieser könnte sich unendliche Verdienste um die künftige Bildung Galiziens erwerben; denn unser jetziger KreiSschulrath Herr Dr. v. Selig, der als ein edler Freund der Menschheit und Beförderer der Aufklärung manche sorgliche Blicke auf das Leben und Treiben der galizischen Juden geworfen, würde nicht anstehen, ganz im Sinne unserer humanen Regierung, die verdienstlichen Anstrebungen eines tüchtigen Mannes einsichtsvoll zu würdigen, und fürsorglich zu unterstützen, um israelitische Schulen in'S Leben zu rusen, damit man die verwahrloste Jugend hier ordentlich und staatsbürgerlich erziehe. Auch die übrigen betreffenden Behörden werden dem Winke eines trefflichen und erleuchteten Mannes, wie Herr Kreisrarh v. Selig es ist, fügsam folgen, und so könnte wenigstens den krassesten Ucbelständen abgeholfen, und manches Gute in unseren Gemeinden zuwege gebracht werden, waS freilich manchen Selbstsüchtigen und Obskuranten, deren Rohheit die Bornirtheit und Ignoranz unserer Fanatiker beiweitem übertrifft, ein Dorn im Auge wäre. VolIäncker-kjesdvrA. Wien, 20. Februar. (Privatmitth.) Alles Interesse wird jetzt hier von dem Ereignisse des Tages, welches am Freitage stattfand, absorbirt. Ein elender Mensch wagte es, die geheiligte Person des Monarchen angreifen zu wollen. ES werden Ihnen die Details wol schon aus anderen Journalen bekannt sein. Ich erlaube mir nur dabei zu bemerken, daß auch ein Jude, Namens Ehrmann, so glücklich war mit unter denjenigen zu sein, die den Kaiser von der Hand dieses verruchten Meuchelmörders befreiten. ES fällt mir nicht ein, dies als besonderes Verdienst hervorzuheben, weil es Jeder als ein Glück geschätzt hätte, den Monarchen, dem auch insbesondere Israels Heil am Herzen liegt, aus Lebensgefahr gerettet zu haben. So wie in allen Kirchen, so ward auch gestern ein feierlicher Gottesdienst im Tempel und in der polnischen Schule gefeiert. Der Tempel konnte kaum die Massen fassen, die sich hineindrängten. Bei den Prüfungen, die jetzt mit den Privatschülern in der Religion vorgenommen werden, stellt eS sich heraus, wie unzulänglich größtentdeilS der Privatunterricht betrieben wird. Jeder, der sich ernähren will und kaum einige Kenntniß des Hebräischen besitzt, unterrichtet. Es wird wol dagegen Abhilfe getroffen werden müssen, wenn bei der Jugend nicht im Vorhinein alleS religiöse Gefühl ersterben soll. Die letzte Prüfung, die am 8. d. M. in der israelitischen Kleinkinderbewahranstalt staltgefunden hat, fiel sehr gut aus. Der Lehrer, Herr Leiversdorf, hat ungemein viel Eifer; nur scheint eS mir, daß etwas trop de zele vorwaltet. Der Anschauungsunterricht, wie er in neuerer Zeit betrieben wird, wo jedes Fäserchen und Aedcrchen so zu sagen bloßgelegt wird, kann nur dazu führen alle Phantasie im Kinde zu ersticken. Deutschland. Hamburg, Mitte Februar. (Privatmitth.) Von hier ist wenig Interessantes zu berichten, in politischer sowol als kultueller Hinsicht dauert der Status guo schläfrig fort. Inzwischen haben die Predigten der Privarredner vr. Enoch und Oe. N. S. Nathan bedeutenden Zulauf und Beifall sui generis. Die Hauptklause, welche bereits eine sehr geschmackvolle Belkapelle besitzt, hat nun auch einen angemessenen Hörsaal gebaut und vor wenigen Tagen mit einem Festmahl eingeweiht. Durch den im 77sten Jahre erfolgten Tod deS Rabbi Nehemias Löwenthal ist eine Vakanz an der Levin Salomons Stiftung (Löb SchaulS Klause) eingetreten und es wäre zu wünschen, daß tüchtige und mehrseitig gelehrte Talmudisten sich dazu melden. Die Einkünfte betragen ungefähr 600 Thaler preuß. Krt. und die Wahl geschieht durch den Gemeindevorstand und die Klausverwaltung gemeinschaftlich. — Neulich starb hier der alte Missionär und Bibelverkäufer Gusdorff, und vermachte, wie die hiesigen Lokalblätter berichten, den Nießbrauch seines Vermögens seinem Bruder im Württembergischen unter der Bedingung, daß derselbe der mosaischen Religion — von welcher G. sich losgetrennt hatte — getreu bleibe. In einem Jahresbericht der Verwaltung deS hiesigen Vereins zur Beförderung der Handwerke unter den Israeliten beklagt diese sich, in der Behandlung