Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 9 (21.2.1853)
- Date
- 1853-02-21
- Page
- Seite 114 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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114 schichte. Synagogen -, Schul- und Gemeindeordnung, Lurch welche der Gottesdienst, die jüdische Schule und Gemeinde in fremden und in unseren eigenen Augen schöner und würdiger erscheinen, und welche neu belebend und veredelnd auf daS religiöse und bürgerliche Leben wirken. Diese heilsamen Institutionen sucht die „fromme Partei" mit Gewalt zu beseitigen, zu zerstören! De« alten ungeregelten, andachtSlosen, ihren eigenen Kindern zum Spott gewordenen Gottesdienst mir den ehemaligen beliebten „EhederS" und an deren Spitze die polnischen n*»*toV73, dar möchten sie gern wieder haben! Dazu ist ihnen selbst daS Loßreißen von und die Zersplitterung der Gemeinde, ja selbst der Verkauf ihrer Gotteshäuser (die überall, nebenbei bemerkt, geschmackvoll und nach neuerm Style eingerichtet find) nicht unerlaubt, nicht zu unheilig. Letzteres wäre in der That zur Schande der jüdischen Geschichte in Güstrow und GreviSmühlen Anno 1848 fast geschehen! Nur den energischsten nnd rastlosesten Bemühungen des abgetretenen Landrabbinen Herrn vr. Einhorn — dessen Abgang noch vielseitig schmerzlich bedauert wird — und deS vieloerehrten OberrathSmitgliedeS Herrn L. MarcuS auS Malchin ist eS gelungen, den unerhörten Schritt noch zurückzuhalten. Diese Partei ist im Ganzen jedoch unbedeutend; am Größten und Wirksamsten in den Hauptgemeinden Schwerin und Güstrow. Der Gottesdienst in den kleinsten, wie in den größten Gemeinden ist schön geordnet und, wenn irgend ein tüchtiger Lehrer als Vorderer mit einem Schülerchor dabei funzirt, erbaulich, namentlich bei den Konfirmationen und der Todtenfeier, welche den allgemeinsten und besten Anklang finden. Die deutschen Gesänge aber in dem eingeführten Württemberger Gesangbuch mit den lutherischen Melodieen wollen nur den Wenigsten, selbst denen deS jünger« Geschlechtes, recht Zusagen. Schlechter aber steht es mit den Schulen auS. Durch den öfter« Lehrerwechsel, welcher an manchen Otten jährlich und sogar halbjährlich stattfindet, kommen nicht selten kenntnißleere oder unreligiöse Subjekte an'S Lehramt, die nur eher schädlich als heilsam wirken können. Hat die Gemeinde wirklich daS Glück, einen tüchtigen und guten Lehrer zu bekommen, so wird ihm durch die prekäre, oder gar unwürdige Stellung, welche noch so viele Gemeinden ihren Lehrern anweisen, mit der Zeit sein Wirkungskreis zum Ueberdruß. Er verläßt diesen und nicht selten auch damit sein Lehramt für immer. So wird die Schule ihrem vorgesteckten Ziele immer wieder von Neuem entrückt. — Unter diesen mißlichen Bedingungen ist e- bis jetzt unseren LandeSrabbinen und dem Oberrathe beim besten Willen nicht möglich gewesen, daS jüdische Schulwesen und die jüdischen Lehrer nach de« erforderlichen Wünsche» zu heben. Ein zweiter Grund, warum daS jüdische Schulwesen nicht so recht gedeihen will, liegt in der Trennung der Religion-- von der Elementarschule. Die Kinder besuchen für den wissenschaftliche» Unterricht die Stadtschule oder daS Privatinstitut eines Kandidaten. Da ste hier nur die Kenntnisse fiir'S materielle Leben gewinnen, verliert der Religionsunterricht in seinem Werth von vornherein; er erscheint vollends als Nebensache, der nur die Konfirmation zum Zweck hat; um so mehr, wenn man die gleichziltige Ansicht der Eltern über die ReligionSkenntnisse in Erwägung z'eht. Wie wahr meine Behauptung in diesem Punkte ist, steht man an den bessere» und gehobeneren Schulen, an welche» ei» und derselbe Kehrer wenigstens eine Reihe von Jahren wirkte, wie nicht minder an den wenigen, wo ReligionS- und Elementarunterricht in einer Anstalt vereinigt ettheilt wird. — WaS sollte nun den hiesigen Jsraelitengemeinden in ihrem und ihrer Kinder Interesse nachdrücklicher zu empfehlen sein, als sich tüchtige und religiöse Lehrer zu verschaffen, und ihnen nach einigen Probejahren eine definitive und dauernde Stellung zu geben?! So klein die Gemeinden auch meistensind, eS wäre ihnen dieses in der That doch möglich, wenn sie nur wollten! Wenn ste zu dem Gehalte noch die Vergütung für Beköstigung und ihre Ausgabe für Elementarunterricht hinzufugten, so wären die Mittel für einen genügsamen Lehrer schon da, um ihn selbst mit Familie anzustelleu! Und ihren Befürchtungen zu begegnen, als könne der Lehrer pstichtvergessen werden, wenn er sein Ziel einmal erreicht habe, so dürften ste in ihrem Verttage mit ihm nur die Bestimmung festsetzen, daß er bei Pflichtverletzungen eine angemessene Kündigung zu gewärtigen hätte. Und wenn der Lehrer alS Verheiratheter fich dazu in eine Lebensversicherung kaufte, oder sein Weib in eine Wittwenkaffe, so hätte die Gemeinde auch nicht zu befürchten, daß seine Familie nach seinem Ableben ihr zur Last fallen würde. Ich kann diesen Artikel nur mit den Worte« unserS göttlichen Gesetzgebers schließen: iVo®'» i»an *ib! arr'»in«b