Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 9 (21.2.1853)
- Date
- 1853-02-21
- Page
- Seite 112 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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112 beiden Seiten erblicken wir gigantische beflügelte Menschengestalten, hier mit Adlerköpfen, dort von vollständig menschlicher Bildung, welche geheimnißvolle Symbole in den Händen halten. Zur Linken bemerken wir ein zweite- Portal, gleichfalls gebildet von zwei beflügelten Löwen. Einer davon liegt umgestürzt quer über den Eingang, und »erstattet nur eben noch Raum genug um hindurch zu kriechen. Auf der andern Seite des Portals ist eine beflügelte Figur und zwei Marmorplatten mit Relief-, doch so verstümmelt, daß kaum noch die dargestellten Gegenstände zu unterscheiden find. Jetzt schwinden die Spuren der Mauern und ein neuer tiefer Laufgraben thut sich vor unauf. Die gegenüberliegende Seite der Halle ist also verschwunden, und wir sehen nichtals einen hohen Erdwall. Bei genauerer Besichtigung ergiebt sich indessen, daß diese Erdwand doch aus Mauerwerk von Backsteinen besteht, die nur jetzt die Farbe der fie umgebenden Erde angenommen haben. Die heruntergefallenen Platten der Alabasterbekleidung find aufgestellt, und wir haben vor uns ein'Labyrinth von Basreliefs, auf denen Reitergestalten, Kämpfe, Schlachten und Belagerungen dargestellt find. Eben find die Arbeiter im Begriff, eine folgende dieser heruntergefallenen Marmorplatten emporzurichten, und wir warten voll Neugier, welch ein neues Blatt altassyrischer Geschichte, welcher noch unbekannte Brauch des Lebens und der Religion dieses Volkes vor unS aufgeschlagen werden wird. Nachdem wir etwa hundert Fuß lang durch diese Halle voll zerstreuter Denkmäler alter Geschichte und Kunst gewandert find, kommen wir an einen andern Thoreingang, der durch zwei giganttsche geflügelte Stiere aus gelbem Kalkstein gebildet wird. Nur einer davon steht unversehrt aufrecht, der andere ist gefallen und in mehrere Stücke zerbrochen, daS riesige Menschenhaupt liegt zu unseren Füßen. Wir schreiten weiter, ohne in den Theil des Baues einzutreten, zu welchem dieser Eingang führt. Hinter demselben sehen wir eine andere beschwingte Figur, welche eine zierliche Blume in der Hand hält und dieselbe offenbar dem beschwingten Stiere als Opfergabe darzubieten scheint. An diese Skulptur schließen sich große Basreliefs. Auf dem einen jagt der König den Löwen und den wilden Stier; das andere stellt den Angriff einer Festung dar, gegen welche der Mauerbrecher arbeitet. Jetzt haben wir daS Ende der Halle erreicht und stehen vor einem wundervoll gearbeiteten Skulpturwerke. ES stellt zwei Könige dar, über denen daS Sinnbild dehöchsten Wesens (ähnlich dem persischen Ferwer) schwebt. Zu den Seiten der Könige stehen beflügelte Diener. In der Mitte zwischen Beiden ist der geheiligte Baum mit gei-blattförmigem Laube. Diesem Ba-relief gegenüber liegt eine große steinerne Plattform, auf welcher in Tagen grauer Vorzeit der Thron das assyrischen Monarchen gestanden haben mag, wenn er seine gefangenen Feinde oder seine Vasallen empfing. Zu unserer Linken ist ein vierter AuSgang der Halle, welcher gleichfalls von einem Löwenpaar gebildet wird. Wir schreiten durch sie hindurch und hinaus, und finden unS plötzlich am Rande einer ttefen Schlucht, an deren nördlichem Ende sich über unseren Häuptern eine luftige Pyramide erhebt. Gestalten Gefangener mit Tributgaben: Ohrringen, Armbändern und Affen schmücken die Wand gegen dieses Ravin hin, und zwei riesige Stiere und zwei ebenso gigantische, beflügelte Figuren, über vierzehn Fuß hoch, liegen harr am Rande desselben. Da daS Ravin hier die Ruinen begrenzt, müssen wir umkehren zu dm Stteren aus gelbem Kalkstein. Wenn wir das Portal, welches fie bilden, durchschritten haben, tteten wir in ein große- Gemach, umgeben von lauter Figuren mit Adlerköpfen. An einem Ende desselben befindet sich ein Thüreingang, von zwei Priestern oder Gottheiten bewacht und in dem Zentrum ein anderes Pottal mit beflügelten Stteren. Wohin wir immer schreiten, befinden wir uns in einem Gewirr von Gemächern, in deren Labyttnth wir uns ohne genaue OttSkenntniß verlieren könnten. Da der Schutt meist in der Mitte der Zimmer zusammengehäuft ist, so besteht die ganze Erkavation aus einer Masse enger Gänge, welche auf der einen Seite mit Platten von Alabaster bekleidet und auf der andern durch eine hohe Erdwand geschloffm find, in welcher man hier und da noch ein zerbrochnes Gefäß oder ein mit glänzenden Farben angemaltes Dacksteinfragment gewahrt. Wol zwei Stunden haben wir nöthig, um diese Gallerten zu durchwandern und ihre Skulpturen zu bewundern, die uns hier lange Reihen von Königen zeigen, begleitet von ihren Pttestern und Eunuchen, dott Reihen beschwingter Figuren, in der Hand den Pinienapfel und religiöse Embleme, scheinbar in Verehrung des heiligen Baumes begriffen, der vor ihnen steht. Andere Eingänge und Pottale, immer von beflügelten Stteren und Löwen bewacht, leiten unS in andere Gemächer, in deren jedem neue Gegenstände unserer Bewunderung, unsers Erstaunens unS empfangen. Zuletzt, wenn wir ermüdet, verlassen wir den ttefbegrabenen Wunderbau durch einen Graben von der entgegengesetzte Seite desjenigen, durch welchen wir ihn betteten haben und finden uns wieder auf der nackten,