Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 9 (21.2.1853)
- Date
- 1853-02-21
- Page
- Seite 109 (sequence 7)
- Language
- German
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109 Vorsteherschaft wirklich auch als durchaus ungenügend dar, indem derselbe sowol die wissenschaftliche Berufsbildung alS vaS Lehramt der Rabbiner in einem viel zu engen und obsoleten Kreise beschrieb. Der Referent deS SchulrathS — Herr Seminardirektor Keller — arbeitete hierauf das Ganze an der Hand hierseitiger Gesetze und Verordnungen für Theologen, so wie in Benutzung anderwärts bestehender RabbinatSinstruktionen und in besonderer Berücksichtigung diesseitiger Verhältnisse vollständig um, und es wurde daS in dieser Weise umgearbeitete Regulativ nun auch der israelitischen Borsteherschaft zur beförderlichen Abgabe ihrer Ansichten und weiteren Wünsche in der Sache mitgetheilt. Wie man vernimmt, wurde der Gegenstand mit großem Interesse ausgenommen und namentlich von den Gebildeten beider Gemeinden einläßlich besprochen, indem man auch in Lengnau das Heilsame, ja Rothwendige einer solchen Rabbinatsverordnung einsah und für sich eine ähnliche wünschte. Nachdem nun auch den Wünschen und Ansichten derer, die als billig und verständig erscheinen, Rechnung getragen worden — ist der RegierungSrath in die endliche Berathung deS Ganzen eingetreten, hat daS nach dem Urtheile gebildeter und wohldenkender Israeliten den gegenwärtigen Zeitverhältniffen Rechnung tragende Regulativ unverändert gut geheißen und zu einer förmlichen Regierungsverordnung für die beiden israelitischen Rabbinate von Oberendingen und Lengnau erhoben. Gleichzeitig wurde die Erziehungsdirektion ermächtigt, die Ausschreibung der erledigten RabbinatSstelle in Oberendingen nach Mitgabe dieser Verordnung zu formuliren, und der Vorsteherschast daselbst zur gutfindenden Veröffentlichung zuzustellen. Wir werden demnächst kurzmöglichst auf die Hauptgrundzüge dieses auch für ein größeres Publikum Interesse darbierenden Regulativs zurückkommen. So weit der Schweizerbote. Sie sehen auS verschiedenen neuesten Verordnungen unserer hohen Regierung, in welcher Männer fitzen, die auf der Höhe der Zeit stehen, daß dieselbe gründlich und besonnen die Emanzipation der aargauischen Israeliten anbahnt. Mehrere öffentliche Blätter besprachen die Verordnung, wonach die Israeliten Militärdienst leisten müssen, in einem sehr günstigen Tone für die Israeliten und daS Schweizervolk sagt: Wenn sie d' Laste hend, müend sie au d' Rechte ha. Italien. Rom, 29. Januar. (V. Z.) Der öffentliche römische Karneval begann heute abermals mit jenem traurigen, die Zivilisation des neunzehnten Jahrhunderts enrehrenden Akte der Demüthigung der Juden auf dem Kapitol; ihre Deputation mußte sich unter Darbringung der üblichen Geschenke vom Senate die Erlaubniß erbitten, daß die in Rom lebenden Israeliten auch noch in diesem Jahre hier verbleiben dürften. (So ist denn hier wiederhergestellt, was Pius IX. selbst schon lange vor 1848 abgeschafft hatte! Red. d. A. Z. d. Jud.) Frankreich. Paris, im Januar. Ueberaü in Frankreich ist man mit Neuwahlen für die Konsistorien und deren Delegirte in Paris beschäftigt. Die Theilnahme an den Wahlen ist eine sehr rege. Später wird dann der Großrabbine deS ZentralkonfistoriumS gewählt. — DaS Konsistorium von Paris hatte irrthümlicherweise eine Wählerkarte einem Herrn Dacosta zugesandt, der kein Jude ist. Der würdige Mann, indem er diesen Jrrthum anzeigte, sandte zugleich ein Geschenk für die Armen mit ein. „Die Wohlthätigkeit, bemerkte er, gehört allen Religionen an." (Gelernt haben sie dieselbe aber von der ReligionMosis! Red. d. A. Z. d. Jud.) — Unter den durch den Kaiser an die Braven, welche bei der Einnahme von Lagouat in Algerien thätig waren, bewilligten Belohnungen betraf eine den Herrn Amram Daremon, Dolmetsch erster Klasse, der bei dem General Bouffarin bis zuletzt auSharrte. — DaS Budget von 1853 zeigt eine abermalige Zunahme deS Etats für den israelitischen Kultus um 7009 FrkS. Donaufürstenthümer. Fvltifcheny, 1. Februar. (Privatmitth.) Zur Geschichte deS suczawar BrandeS habe ihnen noch nachträglich mitzutheilen, daß daselbst 70 Familien verunglückten. ES gelang aber schon den Bemühungen mehrerer Menschenfreunde den Abbrändlern jede