Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 9 (21.2.1853)
- Date
- 1853-02-21
- Page
- Seite 105 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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105 Nationen ist dies nicht, von wirklicher „Herrschaft" keine Spur. Und nun sehet genauer zu, in London, Manchester, Birmingham, Lyon, Marseille, Havre, Antwerpen, Amsterdam — Gott sei Dank! manches ehrenwerihe und ehrenfeste jüdische HauS, manche sehr angesehene, probate jüdische Firma — aber Herrschaft — nicht im Geringsten, steht doch selbst Rothschild in London erst in zweiter Linie. Wir wollen keine Schreckbilder! wir wollen keinen Schein, der uns Neid und Haß auf den Hals zieht, ohne daß hinter dem Scheine Etwas verborgen liegt. Wir wissen, daß die Welt unS gezwungen, vorzugsweise handeltreibend zu sein, und daß die jetzige Zeit mit ihrer vorzugsweise merkantilischen Richtung nicht angethan ist, unS anders zu machen, wir wissen, daß dem Handel ein großes Gewicht in der gegenwärtigen Welt einwohnt — aber was an Handel in den Händen der Juden ist, ist gegen die ungeheure Summe der Industrie nur ein kleines Quantum, daS kein besonderes Moment im Welthandel auszumachen vermag, und jene Macht der Fondsbörse — ist ein Phantom, vor dem man sich nicht mehr fürchten sollte; sie weht so Manchen an, aber Niemanden u m außer ihre eigenen Partner.... Und so verfließen jene Phrasen von „Herrschaft der Juden", vom „Herrschen der Juden im westlichen Europa", wie die „Mazdeburgerin" sagt, in nichts als Dunst. ES ist nichts weiter, als daß der alte, alte Neid einige dürre Seelen auftreibt, wenn sie sehen, daß hie und da einige Juden eS „zu Etwas gebracht haben". Dann geht das alte Lamento, das alte Zeter, nur in modern-deutsche Phrasen umgewandelt, wieder loS.... Zeitungsnachrichten. Deutschland. Frankfurt anr Main, 30. Januar. Der Senat hat fich, wie man einem Korrespondenten der „A. Z." glaubwürdig versichern will, endlich doch entschlossen, die vielfach von ihm in Aussicht gestellten organischen Gesetze auszuarbeiten und der gegenwärtigen gesetzgebenden Versammlung vorzulegen. Den Israeliten soll daS Recht, in den gesetzgebenden Körper zu wählen, in der Weise wie den Landleuten wieder ertheilt werden. Sie sollen nämlich eine eigene (die vierte) Wählerklasse bilden, welche auS ihrer Mitte ein paar Abgeordnete wählt, die jedoch bei SenatSwahlen (wozu nach der KonstltuiionSergänzungSakte die städtischen Deputirten mitzuwirkcn haben) keine Stimme abzugeben Härten. Stuttgart, 30. Januar. (Fr. I.) Im Geheimenrarhe ist wegen Erkrankung beS Referenten über die GerichtSorganisarion daS Juden ge setz m Berathung genommen worden, welchedem zu Ende nächsten MonarS zusammenrretenden Landtage vorgelegt werden soll. Bekanntlich blieben bei der Wiederaufhebung der deutschen Grundrechte in Wültemberg die Verhältnisse der Israeliten der Art in Schwebe, daß die Bestimmungen der Grundrechte ausnahmsweise noch für sie insoweit vorläufig in Kraft blieben, als sie nicht geradezu mit der Verfassung in Widerspruch stehen und eS wurde, da auf daS alte Gesetz von 1828 nicht zurückgegangen werden wollte, die Vorlegung eineS neuen Gesetzes verheißen. Dieses ist nun vom Ministerium deS Innern auSgeardeitet, durchberarhen und an den Geheimenrath gebracht worden, von wo auS eS an die Stände gelangen soll. Preußen. Von der Drenrel, 3. Februar. (Privatmitth.) Zur Widerlegung einer über die hiesige Gegend hinaus verbreiteten Verleumdung des Rabbi Sutro in Münster möge das Nachstehende hier einen Platz finden. Der Kommis G. deS Herrn F. in W. hatte sich durch Inserat in dieser Zetlung eine andere Stelle zu verschaffen gesucht, fich aber bestrebt, dieses sein Vorhaben seinem Prinzipale zu verhehlen. Darum streuete er aus, als ein Brief an ihn, worauf per Postvorschuß der Betrag für daS fragliche Inserat eingezogen war, in W. ankam, Rabbi Lutro, der ihn nicht einmal dem Namen nach kennt, habe ihm mir nichts dir nichts daS ->2N-Diplom zugesandt und den Betrag von 5 Thlr. per Poftvorschuß eingezogen. — Wir haben keinen Ausdruck für daS Benehmen von Leutchen, die, um ihre elenden Absichten zu verbergen, sich nicht enrblöden, den unschuldigen Charakter ehrwürdiger Männer mit Kolh zu bewerfen. Mit David sagen wir: 272 •nnn nraxn. Dieses zur Vertheidigung meines ehrwürdigen Lehrers. Der „Saron" deS geehrten Herrn Redakteurs dieser Blätter ist vergriffen. Dieses treffliche Werk