Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 8 (14.2.1853)
- Date
- 1853-02-14
- Page
- Seite 98 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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98 das alte Ninive vermuthete, gefunden worden war. Er hatte, als er die großen Hügel bei Mosul am obern Tigris besuchte, keine Ahnung davon, daß sein Fuß auf Len Grabhügeln stand, welche seit zwei Jahrtausenden und länger die Pracht jener alten Hauptstadt Assyrien- und ihrer Tempel und Paläste bedeckten. Noch vor einem Jahrzehend enthielt ein Kästchen im britischen Museum, drei Fuß im Geviert groß. Alle-, waS man in Europa von Ueberresten Ninive- und Babylonbesaß. Und jetzt — ist wie durch ein Wunder die Pforte dieses dreitausendjährigen Geheimnisses erschlossen, und Paris und London bieten in reichen Sammlungen den Anblick der Wunder dieses Geheimnisses dar, in einer Reihe von Denkmälern, die ein bisher völlig leere- Blatt der Geschichte auSfüllen. *) Die Ehre, das erste assyrische Monument entdeckt zu haben, gebührt einem Franzosen. Herr Botta, seit 1843 französischer Konsul zu Mosul am TigriS, stellte die ersten gründlichen Nachforschungen an zur Untersuchung der Trümmerhügel, welche auf der, Mosul gegenüberliegenden Seite des Flussedie Mitte dealten Nineve bezeichnen. Ein Landmann, der Zeuge von der Sorgfalt war, mit welcher Botta jeden kleinen Rest von Inschriften und Skulpturbruchstücken aufbcwahrte, meldete ihm, daß er dergleichen in großer Menge in seinem Dorfe finden könne, wo man bei dem Graben von Fundamenten auf alte Bauwerke gestoßen sei. Dies Dorf hieß Khorfabad, und lag 5 Karavanenstunden nordöstlich von Mosul auf einem kleinen Hügel am Flusse Khauser. Hier begann Botta seine Ausgrabungen an der Nordseite einer künstlichen Hügelreihe. Sehr bald stieß er auf Mauerwerk und entdeckte eine Reihe Zimmer mit Skulpturen geschmückt, welche Kämpfe, Belagerungen und ähnliche Scenen vorstellren. Die Basreliefvon feiner Zeichnung und in geistreich natürlicher Manier, Iwaren mit Inschriften in Keilform umgeben, die Figuren etwa 3 Fuß hoch. Bald darauf fand er zwei Koloffalfiguren Sl/i Fuß hoch, mit Spuren von Bemalung an Bekleidung und Haar. Die französische Regierung unterstützte Herrn Botta sofort aufs Glänzendste durch Geld, Maler, Transportmittel. Gut erhaltene Inschriften, Reliefskulpturen, unter ihnen ein Reiter mtt schwarz gemalten Augen, Darstellun¬ *) DaS zugänglichste Werk ist: Niniveh and Persepolis, an hislor. skelch of ancient Assyria and Persia, wiih an account of tlie recenl researches in tbose countries, by YV. S. W. Vaux, II. edit. London. 1850. gen von Streitwagen mit drei Personen darauf, bezeugte« eine hohe Stufe künstlerischer Bildung de- Volke-, wett über die eghptische Kunst hinan-. Je weiter Botta mtt seinen Ausgrabungen vordrang, desto staunenswerther erschien der Umfang de- Baues, der seit Jahrtausenden tief unter dem Erdhügel schlummette. Auf dem Hügel selbst stand ein arabisches Dorf, das bald seinem wettern Vordringen ein Ziel setzte. Es zeigte sich, daß der Bau ein Viereck bildete, daS sich auf einer mit Kalkstein gemauerten und mit Keilschrift bedeckten Plattform erhob. Die Mauern selbst bestanden auS großen, mit Relief- und Inschriften geschmückten Marmorplatten. Botta hatte die größten Schwierigkeiten zu überwinden. Die Hitze und daungesunde Klima warfen ihn auf- Krankenlager; die umwohnenden Araber stahlen ihm die Dalken, mit welchen die Aushöhlungen gestützt waren, so daß sie zusammenstürzten; die Habsucht des Pascha von Mosul legte ihm Hindernisse in den Weg; alleüberwand Botta, und schon 1844 schickte er auf einer ftanzöfischen Kriegsftegatte die große Sendung der Ninevealtetthümer nach Pari-, welche jetzt in Louvre sich befindet. Gleicher Zeit hatte der englische Reisende Layard sein Absehen auf die Hügel von „Nimrud", einige Meilen unterhalb Khorfabad gerichtet. England that nichtfür ihn. Die Erfolge des Franzosen ließen den Engländer nicht ruhen. Eine ungeheure verglaste Masse von Backsteintrümmern galt seit langer Zeit für den Rest deberühmten ThurmbaueS. (Eine Abbildung haben wir Bd. I. S. 49 unserer Bibel gegeben. Red.) Gegen Ausgang des Jahre- 1845 begann er seine Ausgrabungen bei dem Hügel, welcher sich bei Nimrud acht Stunden südlich unterhalb MosulS erhebt. Er hatte noch viel größere Gefahren zu bestehen als Botta. Nach monatelangen Anstrengungen überttafen seine Erfolge weit die des Herrn Botta. Bauten von immenser Ausdehnung mit Skulpturwerken aller Art und mit zahllosen Inschriften geschmückt, an Alter fast zwei Jahrtausende über die christliche Aera hinau-reichend (also Jahrhunderte vor Moscheh! Red.), wurden nach und nach wenigstentheilweise zu Tage gefördert. Die Palasttempel fabelhafter Herrschergeschlechter, die Großthaten mythischer Könige, die Religion und der Kultus, die symbolischen Gestalten der Verehrung, die Sitten, Gebräuche, Waffen, Trachten, daS ganze Leben eineseit Jahrtausenden von der Erde verschwundenen Volke- und seiner Kultur stieg plötzlich auS dem Schooße der Erde. Als endlich nach unzähligen Anstrengungen Layard einen