Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 8 (14.2.1853)
- Date
- 1853-02-14
- Page
- Seite 96 (sequence 8)
- Language
- German
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96 den, was, wenn seine Gefühle so sehr verletzt und seinen Vorschlägen so strikt entgegengehandelt würde, vielleicht nicht der Fall ist. Ja, es könnte dadurch auch ein Schisma in der Gemeinde entstehen, und wie auch-in No. 48 erwähnt ist, sich ein Theil der Gemeinde von der Autorität des Herrn Dr. Adler lossagen. WaS sollte aber am Ende aus dem Judenthum werden, wenn, wie bei anderen Religionsparteien, Sekten über Sekten entstehen? Ich gehe hier bloS vom Gemeinwohl aus, ohne meine eigenen Ansichten dabei aussprechen zu wollen. Leider aber muß ich hinzufügen, daß mir auS einigen Quellen die Nachricht zugekommen ist, daß die Freeschool letzte Woche ein Meeting gehalten hat, worin gegen die Klausel sowol als die Modifikation gesprochen worden ist und soll auch die Reformgemeinde entschlossen sein, Protest dagegen einzulegen und die Sache bis vor die Staatsregierung zu bringen. ES ist Ihren Lesern vielleicht bekannt, daß die englische Regierung die Auswanderung unverheiratheter Frauen nach Australien dadurch begünstigte, daß sie denselben eine viel wohlfeilere Ueberfahrt als gewöhnlich gestattete. Jedes Frauenzimmer muß, um dieser Wohlthat theilhaftig zu werden, ein günstiges Zeugniß von seinem resp. Geistlichen beibringen. Auch jüdische Mädchen meldeten sich hierfür. ES ist dies Letztere sehr nothwendig. Denn wenn auch durch die Maßregel der englischen Regierung dem Mangel an Frauen überhaupt abgeholfen würde, so wären doch die zahlreich dorthin auswandernden jungen jüdischen Männer fast gezwungen gemischte Ehen einzugehen. Dem Beginnen der auswanderungslustigen Töchter Israels trat aber ein Hinderniß entgegen, das sie nicht vermutheten. Herr Dr. Adler, Chiefrabbi, wollte denselben daS erforderliche Zeugniß nicht geben, weil sie auf dem Schiffe nicht nach mosaischen Speisegesetzen leben können. Eine weitläufige Korrespondenz zwischen der königl. Auswanderungsbehörde und einer hiesigen jüdischen Dame, Madame Grace Joseph, Präsidentin einer jüdischen weiblichen WohlthätigkeitSgesellschaft, hat deshalb stattgehabt und ist es dieser Dame gelungen, die betreffende Behörde dazu zu bringen, daß wenn einige jüdische Mädchen, 8—9, auf einem und demselben Schiffe mitreisen, daß sie daS Fleisch selbst liefern mögen und die Regierung wird ihnen eine entsprechende Vergütung dafür geben. Die Judenfrage in England ist durch den Sturz des Derby'fchen Ministeriums und die Zusammenetzung eines so gediegenen und freisinnigen neuen einen Schritt vorwärts gerückt. Lord John Ruffel hat einer Deputation für bestimmt erklärt, daß der Premierminister Lord Aberdeen für die Zulassung der Juden in'S Parlament sei. Seit der Wahl des Sprechers, welche vor der Beeidigung stattfindet, ist Herr Baron Lionel nicht mehr im Haufe der Gemeinen erschienen. Die New-Synagogen-Gemeinde hat beschlossen, daS Porträt ihres Mitgliedes Alderman Salomon malen zu lassen und in ihrem Sitzungslokale aufzuhängen. Die Gemeinde Melbourne in Australien hat dem Herrn Dr. Adler etliche 30 Unzen australisches Gold geschickt, um sich einen Pokal davon machen zu lassen. In London scheint man auS der Freimaurerei nicht so viel Geheimnisse zu machen wie auf dem Festlande. DaS Jew. Chronicle vom letzten Freitage veröffentlicht Berichte über die Beamtenwahlen für das laufende Jahr 1853 in zwei jüdischen Logen dahier. Die eine heißt Lodge of Joppa und eine andere Israel, und ist noch eine dritte genannt Lodge of Tranquility. Die City von London hat wieder in ihren Gemeinderath gewählt Mr. B. S. Philipps und EliaS Davis. Dr. S. Weil. An die Lehrer. Schreiber dieses fühlt sich aus tiefster Ueberzeuzung gedrungen, seinen Kollegen das große Bibelwerk des Herrn Dr. Ludwig Philippson recht warm zu empfehlen. In der allgemeinen, ausführlichen Erläuterung dieses in einzelnen Lieferungen erscheinenden Werkes wird die heilige Schrift wissenschaftlich erklärt und geschichtlich begründet. Auch über die schwierigsten und dunkelsten Stellen giebt die Erläuterung genügende Erklärungen und Belehrungen. Wer also — ganz besonders der Lehrer — sollte da nicht gern mit dem geistreichen und tiefdenkenden Verfasser zur Schöpfungsgeschichte und in das patriarchalische Leben unserer Erzväter hinabsteigen, um von da aus nach und nach den wahren Sinn und Jdeengang des h. Wortes kennen zu lernen? Klarer und deutlicher tritt durch die Erläuterung das Ganze allmälig vor unsere Seele, weil wir durch sie stets tiefer in den Geist