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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-02-14 · Heft 8 (14.2.1853) · p. Seite 95

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 8 (14.2.1853)
Date
1853-02-14
Page
Seite 95 (sequence 7)
Language
German
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95 Etwas ausbricht, so könne eine entstehen. (?!) Ferner machte man geltend, daß nachdem die Herren Mannheimer und Sulzer zumeist die Anziehungskraft im Tempel ausüben, so solle man in der innern Stadt einen großen Tempel bauen und den jetzigen gebe man der polnischen Schule. Indessen erheben sich dagegen finanzielle Schwierigkeiten und Herr Mannheimer stimmte dafür, daß eventualiter wenn sich binnen kürzester Frist kein schicklicher Platz in der innern Stadt finde, so solle man den Bau des Tempels in der Leopoldstadt in Angriff nehmen; und dabei verblieb es vor der Hand. Zn Betreff der Besetzung der Primärarztftelle am hiesigen israelitischen Spitale hat Herr vr. Engel den praktischen Vorschlag gemacht, eS möge keiner lebenslänglich angestellt werden, weil das zum Schlendrian führe, sondern abwechselnd sollen die Sekundärärzte an die Reihe kommen. Noch glaube ich den Bericht aus Mähren über das Taubstummeninstitut berichtigen zu sollen. Dasselbe wird nicht von Herrn Kolisch erhalten, sondern zumeist von den Zöglingen. Herr Kolisch hat große Verdienste um dasselbe und hat in der ersten Zeit dazu beigesteuert. Dasselbe befindet fich nicht in Währung, sondern in Meidling. Die Uebersiedelung hat den Vortheil, daß es hier nicht versauert und versumpft, sondern eS haben sich Männer an die Spitze gestellt, die zu dessen Hebung und Kräftigung aus ganzem Herzen beitragen. Bis jetzt war die einzige Garantie in dem tüchtigen Lehrer Herrn Deutsch. Dieser hat aber jetzt durch daS Konnte an moralischer Macht gewonnen. Großbritauieu. London, 16. Januar. (Privatmitth.) ES ist wol schon etwas lange her seit Sie londoner Nachrichten von mir erhalten haben. Der Grund dieser Verzögerung liegt einzig in der großen Schwierigkeit, die jüdischen Angelegenheiten dahier in ihrer wahren Gestalt zu erhalten. ES mag wol auch daher kommen, daß Ihr Privatberichterstatter in No. 48 v. I. Manches nicht ganz richtig aufgefaßt hat und ich gestehe mit Bedauern, daß je länger ich in London lebe, desto mehr sehe ich die Schwierigkeit ein, getreue Berichte über die inneren Vorgänge im hiesigen jüdischen Gemeindelebeu erstatten zu können. Ja, ich habe in der letzten Zeit die traurige Entdeckung gemacht, daß man Berichterstatter absichtlich täuschen will. Selbst die hiesige jüdische Presse kömmt meistens mit ihren Nachrichten lange nachdem sie durch andere Quellen in'S Publikum gedrungen sind. Doch zur Sache! Sie haben bereits aus der oben zitirten No. 48 erfahren, daß eine Differenz in den hiesigen jüdischen Gemeinden stattfindet wegen der Model deed-Angelegenheit* *). Diese Differenz, glaubt man nun aber allgemein, sei dadurch gehoben, daß in einer letzten Sitzung der Board of Deputies 2) die in No. 48 berührte Klausel dahin modifizirt worden ist, daß jede Schule sich einen eigenen geistlichen Aufseher wählen könne, der den Religionsunterricht überwache, und nicht gezwungen sei, den Präsidenten der Board of Deputies (gegenwärtig der edle Baronet Sir Moses Montefiore) als solchen zu erkennen. Diese Modifikation erhielt in der resp. Behörde, von der sie ausging , der Board of Deputies, eine große Majorität, indem die meisten Mitglieder glaubten, aus diese Weise am Besten aus diesem Dilemma herauszukommen. Daß eS äußerst wünschenswerth, wenn diese Angelegenheit endlich gütlich beigelegt wäre, mögen Ihre Leser daraus ersehen, daß dieser Zwiespalt bereits sehr ungünstig auf die Einnahmen deS jüdischen Hospitals eingewirkt hat, waS in einer Sitzung bei der Jahresfeier am 16. Dezember 1852 vom Präsidenten Sir Antony de Rothschild Baronet scharf gerügt worden ist. Man kann leicht beurtheilen, daß die nachtheiligen Folgen immer stärker und greller hervortreten werden. Es wäre aber auch deshalb außerordentlich zu wünschen, daß diese Differenz in Güte geschlichtet würde, weil dadurch die Kräfte des für jüdisches Interesse so eifrig thätigen und warmfühlenden Bar. Sir MoseS für die hiesige Gemeinde erhalten wür- *) Model deed, Urkundenformular, wie und nach welchen Grundsätzen die Staatszulage für die Schulen verabreicht werden soll. Korresp. *) Board of Deputies, Abgeordnete der jüdischen Gemeinde, seit 1831 in's Leben getreten. Ursprünglich entstanden, um das jüdische Interesse in politischen Angelegenheiten der Regierung gegenüber zu wahren. Später hat dieser Beamtenkörper sich auch anderer Angelegenheiten angenommen und so auch deS Schulwesens. Korresp.

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