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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-02-14 · Heft 8 (14.2.1853) · p. Seite 90

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 8 (14.2.1853)
Date
1853-02-14
Page
Seite 90 (sequence 2)
Language
German
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90 auf guten Glauben glauben soll, darin liege eine „neue Weltanschauung" verborgen.... Liebe Leutchen, eine „neue Weltanschauung" ist kein Ding, das über Nacht ausgebrütet wird, das dieser und jener ausheckt; was eine Generation bringt, das geht auch mit einer wieder dahin; als durch Christenthum und Islam die „neue Weltanschauung" der jüdisch-religiösen Idee über die Menschheit kommen sollte, da währte es viele Jahrhunderte, ehe die „neue Weltanschauung" irgend eine konkrete Gestaltung annahm, und noch viel länger, bevor man zum Bewußtsein kam, daß eine „neue Weltanschauung" vorhanden sei. Worte, Worte, Nichts als Worte — aber wenn nur hinter den Worten nicht oft genug ein böser Wille verborgen läge!— So ist es denn eine beliebte Phrase unter den Radikalen jetzt geworden: von der „Herrschaft der Juden" zu sprechen, und diese als ein Mittel mehr anzusehen, die bestehende Welt abzunutzen und die Zersetzung zu befördern. Es kitzelt sie, der christlichen Welt eine solche „Herrschaft der Juden" vorzuwerfen; sie wünschen sich Glück, das alte Vorurtheil der Welt benutzen zu können, um diese zu ärgern. Welch' stärkerer Beweis für die Verdorbenheit aller Zustände, als wenn die Juden, die — Juden herrschen! Da muß die Welt dem längst prophezienen Untergang mit den stärksten Schritten zueilen!... Das Stärkste hierin hat vor Kurzem die „Magdeburgische Zeitung" in einigen Leitartikeln geleistet. Zwar hätte eigentlich ste selbst uns der Mühe überhoben, auf ihre Phrasen einzugehen, denn hinter dem Leitartikel vom 15. Dezember v. I. „D'Jöraeli, Fould und die gegenwärtige Stellung der Juden" — kam gleich ein Leitartikel über „die Stellung der Weiber", der zu lächerlich war, um nicht auch jenen mit dem Rosenlichte der Ironie zu überziehen — allein sprechet dem Volke von der „Herrschaft der Juden", und eS wird sich gleich etwas Derartigeeinbilden; von der Herrschaft der Weiber, vom Beruf des WeibeS, „die Gesellschaft zu retten", könnt Ihr lange schwatzen, eS weiß, waS es davon zu halten, es hat die Geschichte in seinem Hause; und dann, ähnliche Phrasen von der „Herrschaft der Juden" Lauchen auch da auf, wo ste fich nicht sogleich glücklicher Weise lächerlich machen — man muß ste also beleuchten« Allerdings müssen diese Herren ihre Phrasen gleich wieder beschneiden. Herrschen etwa die Juden in Persien und der Türkei, in Egypten und Marokko? Sicher nicht. Ueberall find ste da sehr arm, sehr gedrückt — mit Ausnahme der Türket — sehr verachtet, und haben Ehrenämter, Staatsstellen u. dgl. auch nicht im Entferntesten inne. Siehe da! auch in Rußland herrschen ste nicht, ihre Verhältnisse kennt man ja da; in Italien gewiß nicht, denn in Neapel find ste gar nicht, im Kirchenstaat wie!, in Toskana wenig geduldet. Schweden, Norwegen, Dänemark — man hat Nichts davon gehört. Nun, und von Deutschland behaupten eS jene Männer selbst nicht: die Verhandlungen über die Stellung der Juden in den deutschen Staaten, ihr immer noch, mit geringzähligen Ausnahmen, festgehaltener Ausschluß von allen Staatsämtern, ihr nirgend stattfindendes Hineinreichen in die höheren Regionen der Staatswelt spricht laut genug dagegen. Wir brauchen hierüber aber auch gar keine Beweise zu führen, denn jene Artikelschreiber sprechen nur von der „Herrschaft, die fich die Juden in den bedeutendsten Ländern des westlichen Europa'S erworben haben." Gut. Suchen wir diese auf. Ist dies Spanien? Nein. Denn seit fast vier Jahrhunderten hat kein jüdischer Fuß dieses Land betreten — das demungeachtet kein Paradies, am Wenigsten für die Radikalen, geworden. Ist es Belgien? Bekanntlich klagen die Herren außerordentlich darüber, daß in Belgien die ultramontane Partei allmächtig sei, und täglich mehr Platz gewänne. Von den 1005 Juden ungefähr, die in Belgien wohnen, so ehrenhaft ste find, so sehr sich viele als gute Bürger auszeichnen, har noch Keiner, so viel wir wissen, die Schwelle der gesetzgebenden Häuser oder des königlichen Kabinets überschritten. Holland — wollen wir noch unerwähnt lassen, denn Holland wäre ja vor einem halben Jahre beinahe so unglücklich gewesen, einen Juden zum Justizminister zu erhalten — danken wir Juden Gott, daß eS nicht geschehen, daß Godeftoy eS vorgezozen, schlichter Abgeordneter zu bleiben, daS hätte das Maaß vollgemacht!... Und so bleiben nur England und Frankreich übrig. Ja, jubelt die Magdeburgische Zeitung — England und Frankreich find von denen Juden beherrscht, sie find jüdische Länder, fie find die Beute der Juden geworden ... es ist zu lächerlich, aber sehen wir doch genauer zu. Warum?... weil d'JSraeli englischer Minister, Fould ftanzöfischer Minister geworden. Schade, schade, daß seitdem England auch schon wieder nicht mehr jüdisch ist, denn d'Jsraeli ist längst beseitigt. Aber der Fould hat eine zähere Natur, und so muß Frankreich schon zusehen, wenn es noch einige Tage oder Wochen oder Monare länger mit Palästina verwechselt wird, das fteilich! jetzt den Türken gehört. Wie? ftagen wir — England mit seinem Welthandel,

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