Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 8 (14.2.1853)
- Date
- 1853-02-14
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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xvii. Jahrgang. Allgemeine No. 8. Zeitung -es Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Jutereffe. Redaktion: Dr. Ludwig Philippson, Dr. V. Meyer, Rabbiner z« Magdeburg. verantwortlicher Redakteur. Leipzig, den 14. Februar 1853. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 78 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registersu. s. w. umfaffen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für de» Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate—22*/* Ngr. (IS g@r.) für das Vierteljrhr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Ervetitionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sachs Ieitungs-Erpeditioa allhier unterzogen. Inhalt. Leitender Artikel: Die gegenwärtige Stellung der Juden. U. Zeitungsnachrichten: Preußen: Berlin, Magdeburg, vom Rhein. Deutschland: Frankfurt a. M., Baiern, Meiningen, Meiningen. Oesterreichischer Kaiserstaat: Wien. Großbritanien: London. An die Lehrer. Abhandlungen verschiedenen Inhalts: Die Ninevemonumente. Literarische Nachrichten: Magdeburg. Korrespondenz: aus Mecklenburg-Schwerin. Leitender Artikel. Die gegenwärtige Stellung der Juden, ll. Es ist etwas sehr natürliches, daß die Radikalen seit der Bewegung von 48 Alles in ein leeres Nichts versunken glauben, und was irgendwie über die Oberfläche fich erhebt, für ein Mirtel und Werkzeug mehr ansehen, eine völlige Auflösung oder Zersetzung des Bestehenden herbeizuführen. Statt fich zu vergegenwärtigen, daß ein Strom, der in furchtbare Wirbel, in einen großen Fall hineingeschleudert worden, gleich darauf völlig stille zu stehen scheint — eben des Kontrastes wegen — in der That aber nur seinen ruhigen, fichern Fortlauf wieder beginnt: thun sie, als ob er von der Erde verschluckt werde. Bis 48 war die zivilistrte Welt in einem, genug lebhaften Fortschritt begriffen. Es war der Fortschritt der Entwicklung, der allein naturgemäße. Die Bewegung von 48 war ein vulkanischer Ausbruch. Als er besiegt war, konnte augenblicklich nur ein heftiger Rückschlag geschehen — aber allmählig beginnt die Menschheit ihre Entwickelung wieder fortzuspinnen, aus dem Geschehenen den möglichsten Vortheil zu ziehen, ohne zu zerstören und zu vernichten, so durch den fichern Fortschritt sowol die, welche die Zustände der Vorzeit mumisizirt erhalten möchten, beschämend, als auch die, welche, durch Leidenschaft verblendet, nur im Umsturz daS Heil erblicken. Wenn man vom „Wiederanknüpfen an die vormärzlichen Zustände" spricht, so vergesse man nicht, daß hiermit auch die fortschreitend entwickelnde Bewegung, wie sie bis 48 stattsand, wieder angeknüpst wird. Aber nicht blos die Reaktionäre, auch die Radikalen lernen auS der Geschichte Nichts. Was ist jetzt — namentlich in Norddeutschland — gewöhnlicher, als von „der neuen Weltanschauung" sprechen zu hören? Auf politischem, religiösem, philosophischem, naturwissenschaftlichem Gebiete, überall giebt es eine „neue Weltanschauung" — nur schade, daß, wenn man nach ihr ftägt. Niemand eine wesenhafte Antwort zu geben vermag, nur schade, daß diejenigen, welche immerfort den Ideologen den Mangel an Greifbarem vorwerfen, welche nicht materiell genug in ihren Beweisforderungen, den Gegnern gegenüber, sein können, dennoch verlangen, daß man ihnen nachsehe, wenn sie auf die Frage: nun, was ist denn die neue Weltanschauung? höchstens mit Phrasengeklingel antworten, daß man ihnen