Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-02-07 · Heft 7 (7.2.1853) · p. Seite 84

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 7 (7.2.1853)
Date
1853-02-07
Page
Seite 84 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225822-3225830--12931-3299192
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

84 die Hände deS ersten Jugendalters. Aber in der Bibel ruhet die einzig richtige, reale Grundlage für die Religion. An der göttlichen Einwirkung im Blühen und Sinken der Nation, an der Macht des gefammten religiösen Volkslebens, an dem Muche und der Begeisterung der Helden und Propheten soll das Kinderherz erwärmen, erstarken; eS soll elektrisch den Zusammenhang der Gegenwart mit der Vergangenheit und fich selbst als Glied dieser großen Kettenverbindung erkennen. Kurz dem Kinde muß im historischen Inhalte der Bibel daS Interesse erwachsen für Gesetz und Lehre, für Tugend und Gottesfurcht. Dazu bedarf es der'Bibelauszüge, wie das Bedürfniß solche seit einer Reihe von Jahren in großer Zahl an'S Licht geführt hat, und keine geringe Empfehlung ist eS für die Herren Cohn und Dinkelspiel, daß ihr vor 18 Jahren in erster Auflage gedrucktes Werkchen nunmehr in „vermehrter und verbesserter" Gestalt erscheinen kann. Findet doch nicht jedes Buch nach fast zwei Dezennien dieselben empfänglichen Herzen; das Leben und die Wissenschaft fluthen vorwärts, und die Methoden drängen unaufhaltsam nach. Aber diese „Erzählungen" haben ihren Platz in der Schulliteratur erobert und werden ihn ferner würdig behaupten; denn die einfache biblisch naive Sprache, die sorgsame Auswahl des Inhaltes und die anregenden (jetzt noch in vervollkomm neter Weise gebotenen) Lehren und Nutzanwendungen zeichnen diese Schrift vor mancher ähnlichen auS. Und daß überall die sorgsam bessernde Hand zu erkennen sein würde, ließ fich von tüchtigen praktischen Schulmännern als selbstverständlich voraussetzen. Deshalb sei es mir gestattet, die Herren Verfasser nur in kurzen Andeutungen auf einige Mängel auftnerk sam zu machen, deren Berückstchtigung einer dritten Auflage Vorbehalten sein möge. Wenn auch die Vss. keine Geschichte deS jüdischen Volks schrieben, so wollten sie doch der Schule*) eine möglichst vollständige Kenntniß des biblischen Inhalts und dadurch eine positive Grundlage für den Religionsunter richt schaffen. Daß hierzu unsere kanonischen Bücher *) Die „Familie", das „Volk" lasse ich absichtlich unerwähnt; der Familie gehört die ganze Bibel, seitdem es an deutschen Uebersetzungen nicht mehr fehlt. Die Einlage unsers Werkchens weist entschieden und allein auf den Schulzweck hin; es sollte in der That dem Namen eines „Volksbuches" entsagen. (-ftri) *) nicht ausreichen, haben sic durch Einfügung des Anfangs der makkabäischen Heldengeschichte selbst dargethan; aber Nichts hätte sie gehindert, theils diese Letztere noch etwas vollständiger zu geben, theils durch einige Episoden auS der Römerzeit bis zur Zerstörung des zweiten Tempels unser heutiges religiöses Leben noch mehr in's Licht zu stellen * 2). Vor Allem jedoch vermißt man schmerzlich den Hinblick auf das Wirken unserer großen Propheten (nach Elia und Elischa), von denen Jirmija, so viel ich weiß, nicht einmal genannt wird. Sein ergreifendes Klagelied, wenn auch nur im AuSzuge mitgetheilt, hätte den Eindruck auf die Kinderherzen nicht verfehlt. Gern sähe man dafür die Geschichte der Esther auf die Hälfte des Raumes reduzirt und die Geschichte Daniels auf No. 98 beschränkt. Auch wäre meiner Ansicht nach auf andere Weise noch Raum zu gewinnen. Ohne den Werth der moralischen Nutzanwendungen zu verkennen, glaube ich nämlich, daß man hierin leicht das richtige Maß überschreiten könne, wie diejenigen Kanzelredner zu weit gehen, welche die gepriesene Geschicklichkeit besitzen, aus jedem Texte jede Lehre zu ziehen. Das Bibelwort wirkt schon durch sich selbst; die Geschichte Abrahams, Josephs, Mosche's, Davids trägt ihre sittliche Macht in fich und eine kurze Andeutung, ein treffendes Kraftwon genügten oft, den wägen Denker aus den richtigen Standpunkt zu versetzen. Gewiß find die Henen Derf. durch die Rücksicht auf die Privatlektüre „des Buches" über die Zwecke „der Schule" ein Wenig hinausgeführt worden. Sie mögen einmal beispielsweise das erste Kapitel „die Schöpfung" unbefangen betrachten. Die Schöpfungsgeschichte zeigt Gott vornehmlich als allmächtigen Schöpfer und Ordner der Welt, den Menschen als vorzüglichstes Geschöpf auf Erden. Diese beiden Gesichtspunkte, in den „Lehren" hervorgehobcn, verbinden dieselben gleichsam anschaulich mit dem Texte und prägen fich dem Gedächtnisse und dem Herzen durch tref- *) Der Lehrer möge nicht versäumen, auch die äußere Dibeleintheilung seinen Schülern vorzuführcn. 2) Man denke nur an unsere religiös-nationalen Trauertage. Leider fehlt es noch immer an volksrhümlichen frischen Erzählungen aus dem alten jüdischen Volksleben, wie sie zum Lesen an den cinschl. Erinnerungsfestcn fich eignen. Die Geschichte der beiden Tempelzerstörunzen zum 9. Ab, die Geschichte der Hasmonäer zum Chanucka und ein gedrängter Auszug aus dem Buche Esther für Purim würden, mit Wärme und Geschick bearbeitet, in einem Bändchen vereinigt, einem Bedürfnisse der Schule und des Hauses abhelfen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.