Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 7 (7.2.1853)
- Date
- 1853-02-07
- Page
- Seite 81 (sequence 5)
- Language
- German
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81 und kann es nicht unterlassen, Baja rühmend zu erwähnen, hauptsächlich ihrer Schule und ihres Tempels wegen. An der dortigen sehr räumlichen israelitischen Schule lehrt der hier wohnhaft gewesene I. Rosenberg die Realien, Herr Mannheimer ungarische Sprache und Kalligraphie und Herr Wille Religion und biblische Geschichte. Diese Schule, welche außer den Elementarklassen drei wohlorganisirte Klassen nebst einer Mädchenschule in separaten zwei Klassen zählt, besteht schon mehrere Jahre und ist in jüngster Zeit von der hohen Landesschulbehörde als Primärhauptschule sanktionirt worden, bezieht aber von der Regierung keinen Geldzuschuß, bedarf auch desselben nicht, und soutenirt außer den obgenannten Hauptlehrern noch zwei Lehrer und eine Gouvernante. Es wird allen zur zeitgemäßen Jugendbildung nölhigen Wissenschaften gebührende Rechnung getragen. Außer in der ungarischen und deutschen Sprache wird auch in der hebräischen Sprache und Bibel Treffliches geleistet. Vorzügliches leisten Herr Rosenberg, Herr Mannheimer und Herr Wilner, dessen Religionsvorträge mir stets unvergeßlich bleiben werden. Herr vr. Aleä. Lemberger ist der von der Landesschulbehörde anerkannte Direktor, und wir haben also bei einem solchen Direktor, solchen Lehrern und — solcher Gemeinde nur Erfreuliches zu erwarten. Eins muß ich rügen, was dem Herrn Direktor gewiß bisher entgangen ist, sonst wäre es nicht mehr, nämlich den unerquicklichen Anblick, die Schuljugend spät Abends mit der Laterne in Wind und Werter von der Schule nach Hause gehen zu sehen! Der Tempel steht verwaist, doch ist diese vielleicht einzige in Ungarn einige Gemeinde fest entschlossen, einen zeitgemäß gebildeten Rabbiner zu berufen. Traurig steht es aber in Bonyhad aus, sowie auch in Fünfkirchen. Im ersten Orte ist noch Nichts geschehen, um die Befehle der hohen Regierung, Schulen zu errichten, zu erfüllen. Syrien. Damaskus, im Sommer 1852. In der Voss. Ztg. rheilt Herr Wilhelm Rose Skizzen aus Damaskus mit, in denen er auch hervorhebt, daß die Toleranz in D. sehr zugenommen, so daß jetzt auch Juden ungehindert durch die Stadl reiten können. Die 6 bis 7000 Juden von Damaskus zerfallen in drei Sekten, welche ihre besonderen Synagogen haben, nur unter der Sekte, zu der fie gehören, heirathen und sich überhaupt streng von einander scheiden. ES sind diese Sekten die der eingeborenen arabischen altgläubigen Juden, die sich durch einen besondern Stumpfsinn auSzeichnen und nur zu niedrigen Geschäften gebraucht werden können, die der spanischen Juden, unter denen der meiste Reichthum verbreitet ist und endlich die der deutsch-polnischen Juden, der Aschkanasim. — Herr Rose erzählt: Bei einem wohlhabenden deutschen Juden, einem Uhrmacher, wohnte ich mit meinen Reisegefährten der Verlobung der Tochter bei. Es war etwa eine Stunde nach Sonnenuntergang, als wir durch das Gewirr der Gaffen des JudenquartierS das HauS erreicht hatten, in welchem die Feier stattfand. Eine wunderliche arabische Musik von ebenso wunderlichem Gesänge begleitet, erscholl bei unserm Eintritt in den festlich erleuchteten Hof. Wir fanden die Familie versammelt, die jungen weiblichen Mitglieder derselben, worunter einige recht hübsche, trugen, wie auch die Braut, die Haare in langen Zöpfen mit vielen Goldmünzen darin. Man gab' unS die Ehrenplätze auf dem Divan neben der Braut, die schon einmal verheirathet, von ihrem ersten Manne geschieden war. Der Bräutigam, ein junger, hübscher, in Beirut ansässiger Mann, fand sich erst später ein. Die Pfeifen wurden fleißig gestopft, Limonade, Kaffee, feine Branntweine mit vielen Süßigkeiten wurden ohne Aufhören herumgereicht, Musik und Gesang wurden kaum unterbrochen. Dabei siel häufig ein eigenthümliches Gekreisch der Frauen und Mädchen mit ein, und einige der jüngeren tanzten einige recht hübsche, ausdrucksvolle Tänze, denen ich wenigstens vor den Beinschwenkungen und Beinvervrehungen unserer Balettänzerinnen einen entschiedenen Vorzug gebe. Später trat man in eine andere Halle, wo man viele Süßigkeiten, die uns so zu sagen in den Mund gestopft wurden, und Früchte herumgab. Um Mitternacht schieden wir, vom Dank der Familie, daß wir gekommen, begleitet. Palästina. Jerusalem. (Schluß der Auszüge aus vr. Titus ToblerS „Denkblättern aus Jerusalem".) DaS Elementarschulwesen der Juden ist in Jerusalem sehr