Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 7 (7.2.1853)
- Date
- 1853-02-07
- Page
- Seite 80 (sequence 4)
- Language
- German
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80 haben? Die Antwort ist uns Herr Szanto schuldig geblieben. *) Was uns fehlt ist das häuslich religiöse Leben; und vollkommen müffen wir Herrn Mannheimer in seiner letzten Predigt beistimmen: „Nicht daß Euere Kinder keine Religion haben, weil sie keine lernen; sie lernen keine, weil sie keine Religion haben." — Wie dem abzuhelfen ist, ist eine andere Frage. Da ich nun schon bei der Literatur bin, so erlaube ich mir Ihnen mitzutheilen, daß eben jetzt eine zweite Auflage deS Machsors erscheint, daS Herr Prediger Mannheimer nach dem hiesigen Tempelritus herauSgegeben und übersetzt hat. Auch Herr Religionslehrer Breuer bereitet den zweiten Theil seines „Leitfadens beim Religionsunterrichte" vor. Von dem ersten Theile ist bereits mehr als die Hälfte der Auflage (sie bestand aus 1500 Eremplaren) vergriffen. Die hiesigen Gemeindeverhältnisse fangen an sich zu konsolidiren. Jeder der fünf Herren Vertreter hat *) Wir müffen dies auS eigener Erfahrung viel entschiedener abweisen, als eS unser Korresp. thut — natürlich so weit wir eS aus seinen Bemerkungen heraus können, da die Schrift selbst unS nicht vorliegt. Wenn ein Geschäftsmann, ein Handwerker, ein Mathematiker von Profession sagt, er könne nicht zur bestimmten Zeit religiös gestimmt sein — so läßt sich dies hören, obwol unS wo! Männer bekannt sind, denen, sobald sie die Hände zum Gebet erheben, eine wahrhaft andächrige Stimmung wol zugeschrieben werden muß. Aber von einem Religionslehrer fordere ich es auf's Bestimmteste, und wenn er vor seine Schüler tritt, zu welcher Zeit eS auch sei, und beginnt von Gott, Liebe, Recht und Pflicht zu sprechen, und weiß, daß es sein Beruf ist, die jugendlichen Gemüther für diese, für Israels Erkenntniß und Geschichte zu entflammen, und sein Geist erhebt sich nicht, und vermag nicht in würdiger Weise zu lehren und Zeugniß zu geben, so — mag er oufhören ein Religionslehrer zu sein, denn in der That, er ist es nicht. Das fehlte noch, daß die jüdischen Religionslehrer wie Quäker und Methodisten auf den ,,Durchbruch der Gnade" und „das Kommen des Geistes" warten müßten! ReligionSlehrer müffen in ihrer ganzen Denk- und Fühlswelt von der Religion so durchquickt sein, und die Religionsstunde für sich und ihre Schüler als Weihestunden betrachten, um für dieselbe ihres Geistes auch sicher zu sein. Jene Frage ist daher Nichts als ein halbes, trauriges Eingeständniß!... Wir nehmen übrigens die Gelegenheit wahr, zu bemerken, daß wir nächster Zeit unsere Erfahrungen aus zwanzigjähriger Praxis in diesen Blättern mittheilen werden. Redakt. ein eigenes Fach übernommen und demselben find drei Beiräthe zugegeben. Morgen ist bereits die erste Sitzung in Betreff des neuen TempelbaueS, und dann beginnen die Verhandlungen über die Organisation der Religionsschule. Aus dem veszprimer Kornttat, im Januar. (Privatmitth.) Jedem, der mit dem Geiste und der Gefinnungsweise der israelitischen Gemeinden dieses KomitatS vertraut ist, muß es in die Augen 'allen, wie unendlich diese Gemeinden in sittlich-religiöser Hinsicht von einander abweichen. Staunenerregend ist es, in einer Strecke von einigen Quadratmeilen alle Glaubensparteien und religiöse MeinungSdifferenzen so reichlich vertreten zu sehen. So steht VeSzprim, daS sich von jeher durch einen preiSwürdigen Eifer für alles wahrhaft Edle, Herzens- und Geistesbildung Hebende ausgezeichnet, alS Mustergemeinde da. Papa, eine mehr als 500 Familien starke Gemeinde, die einen zeitgemäßen Rabbinen durchaus nicht dulden kann, weil jeder Lichtschimmer sie blendet, rief voriges Jahr, auf daS Geheiß der hohen Regierung, eine Knabenschule in'S Leben; aber da hienieden Nichts ewig dauert, so konnte auch dieses Institut nicht ewig dauern, und was einst nach nothwendigen Naturgesetzen erfolgen mußte, das haben die Papaer in ihrer Weisheit beschleunigt, und diese heilsame Anstalt ist nicht mehr. Eine Gemeinde fast von gleichem Schlage ist Palota, die zwar einen zeitgemäßen Rabbinen angestellt hat, der aber, um von derselben nicht gehaßt zu werden, nicht zeitgemäß wirkt. Endlich die Gemeinde zu Nagy-Väsony ist klein und unbemittelt, aber desto reicher an Vorurtheilen und an verjährtem Aberglauben, Fanatismus und geistloses Formwesen, stehen noch in üppiger Blüthe da. Der dortige junge, modern gebildete Rabbiner, der außer den talmudischen Fächern auch andere Kenntnisse besitzt, wird von diesen Leuten verfolgt. ES wird ihm hauptsächlich zur Last gelegt, daß er sich an einem ä'osis) rrwn habe sein Mittagsmahl schmecken lassen. A. Engel; Siklos bei Fünfkirchen, 6. Januar. (Privatmitth.) Vor Kurzem hatte ich Gelegenheit, mehrere Ortschaften der Umgegend genauer kennen zu lernen