Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-02-07 · Heft 7 (7.2.1853) · p. Seite 79

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 7 (7.2.1853)
Date
1853-02-07
Page
Seite 79 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3225822-3225830--12926-3299187
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

79 Artikels veranlaßt. ES soll nämlich dieser Konferenz eine Veränderung bevorstehen. Denn wie unS ein Kollege mittheilt, wollen die Lehrer des diesseitigen RheinS, welche wegen der Entfernung wol ohne große Kosten sich nach Krefeld begeben können, eine neue Konferenz in'S Leben rufen. Wir können uns nicht für dieses Projekt erklären. Ist Zersplitterung der Kräfte auf keinem Gebiete ersprießlich, so kann es dieses um so weniger auf dem Gebiete jüdischer Pädagogik, welche kaum die ersten Stadien ihrer Entwickelung zurückgelegt hat, sein, welche eben daher der vereinten Pflege noch gar sehr bedarf. Einsichtsvolle Lehrer sind daher Feinde alles sonderbündlischen Bestrebens, weil es das Gute im Keime zu ersticken pflegt, und werden gewiß gern jede Gelegenheit ergreifen, um sich an einer Konferenz zu betheiligen, an deren Spitze ein Bodenheimer stehet, die entgegengesetzte aber sorgfältig vermeiden. Wir müssen eS offen bekennen, Herr B. ist nicht nur die Zierde, sondern auch der Erhalter der krefelder Konferenz; ohne ihn wäre sie schon längst, wie viele ihrer Schwestern, entschlafen. Die Lehrer mögen bedenken, daß Herr B. für sie, nicht aber sie für Herrn B. Konferenzen halten; sie mögen daher nur die dieser Konferenz entgegengesetzten Absichten aufgeben, und durch zahlreichen Besuch derselben dem Herrn B. zu erkennen geben, daß sie im Stande find, seine Verdienste um das Schulwesen anzuerkennen und zu würdigen. .f. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 23. Januar. (Privatmitth.) Ich sprach in meinem letzten Briefe von der Vierteljahrschrift, die Herr Dr. M. LetteriS herauSgiebt. Wenn Sie mich nun fragen, welches Urtheil ich darüber abgebe, so gestehe ich Ihnen offen, gewöhnlich ist bei derartigen Unternehmungen der Anfang und Anlauf ein sehr bedeutender. Hier ist es wirklich ein Anfang und wir hoffen, daß Herr Dr. LetteriS mit der Zeit einen größern Kreis gewinnen werde, um wirklich Artikel zu liefern, wie sie eine VierreljahrSschrift bringen soll, die ihren Werth und ihre Bedeutung auch für spätere Zeit haben. Insbesondere bedauern wir eS, daß der Verfasser aus Börne's nachgelassenen Schriften daS Unheil über Heine ausgenommen hat. Wir wollen nicht fragen, ob eine Vierteljahrsschrift nicht Originalartikel bringen sollte; — aber jetzt war der Moment nicht dazu. Wir sind durchaus nicht gewillt, Heine'S „Ueber Börne" zu rechtfertigen, wir wollen auch nicht Heine'S Leben vertheidigen; aber jetzt, wo der Mann dem größten Theile nach mit der Erde abgeschlossen hat, wo nur noch der vielfach abgeschwachte Geist in ihm lebt und dieser nur noch den Leichnam stützt und hält, jetzt, glauben wir, war eS nicht an der Zeit diese Stücke nachzudrucken. Es giebt übrigens auch manche sehr werlhvolle Beiträge. Wir rechnen dazu insbesondere: „Bilder auS dem biblischen Morgenlande" vom Herausgeber, ferner der Brief Rappaport's in hebräischer Sprache gegen daS hiesige judenfeindliche Blart „der Zuschauer", das übrigens von keinem honetten Menschen gelesen wird. Viel Reden hat auch der Aufsatz des Institutsdirektors Herrn S. Szanto gemacht: Vorstudien zur Geschichte des Religionsunterrichts. Der Verfasser klagt gegen „die auswendig gelernten Formeln", dagegen hätten wir Nichts einzuwenden. Ein Religionsunterricht, der blos darauf hinausläuft, ist gewiß kein nützlicher. *) Aber Herr Szanto wird doch nicht gegen den Religionsunterricht im Allgemeinen sein zur Begründung, zur Erläuterung deö Glaubens, und da möchten wir gern wissen, wie eS denn anders einzurichten sei, als festgesetzte Stunden zu bestimmen. Ich gebe eS gern zu, man kann nicht an dem und jenem Tage um 4 oder 5 Uhr religiös gestimmt sein; aber wie denn? Kann man an dem und jenem Tage um 4 oder 5 Uhr geistige Anregung *) Nichts ist auf dem Gebiete der Pädagogik nachtheiliger, als das Nebuliren, und NichrS ist leider! — wenigstens bis vor kurzer Zeit — gewöhnlicher gewesen! Davor hüte man sich, weil Einem sonst das Stückchen pädagogische Wirklichkeit noch verschleiert wird. Unser Korrcsp. hat Recht: ein Religionsunterricht, der blos auf auswendig gelernte Formeln hinausläuft, ist kein nützlicher — aber alles Auswendiglernen aus dem Religionsunterrichte zu verbannen, würde dem Zwecke desselben sehr schädlich sein. Die Jugend muß für das spätere Leben auch vermittelst des Gedächtnisses aufspeichern, und ein schöner Bibelspruch, ein Schlagwort aus den Sprüchen der Weisen, ein ergreifender LicdervcrS, die in kritischen Momenten bewußt hervortreten, oder selbst unbewußt wirken, haben schon oft sehr gut gethan. Ja, wir müssen auch religiöses Wissen haben, und dies wird nur sehr mühsam und darum sehr selten in späterer Lebenszeit erworben. Redakt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.