Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 69 (9.6.1838)
- Date
- 1838-06-09
- Page
- Seite 278 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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278 „Es blieben immer noch viele Vorurtheile zu besiegen. Zn vielen Gemeinden werden 'die Israeliten von der Municipalfunction ausgeschlossen. Als ein Individuum dieser Religion zum Maire ernannt worden, sah man die andern Mitglieder des Municipalrathes ihre Entlassung geben." Märkisch-Friedland, 20. Mai (Privatmitth.). Am 14. d. M. wurde von der hiesigen Gemeinde der Grundstein zu einem neuen großen Bethause gelegt. Der würdige Beglaubte und Cantor N. M. Levy hielt eine sehr passende Rede dabei (über Gen. 27, 20.), und die christliche Geistlichkeit, so wie der Magistrat und die andern hiesigen Honoratioren waren zugegen. Der Herr Levy ist ein wissenschaftlich wie künstlerisch gebildeter Mann, von trefflichem socialem Charakter, der allerdings eines großem Wirkungskreises würdig ist. Unsere Gemeinde hat . sich in den letzten Jahren sehr vermindert, und gerade die Wohlhabendem haben uns-verlassen und sich nach größeren Städten gewendet. Nur durch die Bereitwilligkeit, mit der unsere früheren Mitwohner beisteuerten, ist es uns möglich geworden, die Synagoge im schönsten Style errichten zu können. Besonders haben sich hierin die Herren Alexander Wolfs und L. I. Lev in st ein (ein junger Mann, der in seinem Hause in Berlin selbst eine Synagoge aus eigenen Mitteln hält), ausgezeichnet. ' Stetin, 24. Mai. Die preuß. Staatsztg. gibt das Einwohnerverhaltniß der Provinz Pommern im Jahre 1837 folgendermaßen an: unter 970,117 Einw. 956,334 evangelische, 7652 römisch-katholische, 17 griechische, 1 Mennonit, 5898 Juden mit, und 215 ohne Staatsbürgerrecht, also 6113 Juden. — Demnächst hätten sich die Juden in Pommern in den letzten drei Jahren (s. No. 85 vor. I.) um 483 Individuen vermehrt. Tages-Controle. vr. Ludwig Fischer und seine „Lügen," oder ausführlicher: vr. Martin Luther von den Juden und ihren Lügen. Ein cristallisirter (sie!) Auszug aus dessen Schriften über der Juden Verblendung, Jammer, Bekehrung und Zukunft rc. von Ludwig Fischer Dr. phil. und Prediger a. d. K. zu St. Petri in Leipzig. Leipzig, 1838.^ S. XII. und 131. Es ist jetzt eine sehr beliebte Mode geworden, einen Theils, je mehr Blasphemien ein Autor in seinem Buche zu Tage fördert, desto, eher in der Vorrede sich von vorn herein gegen Recensi'onen zu verwahrm, und sie verächtlich abzuweisen, indem man im voraus verkündet, wie man gegen ihn losfahren werde; andern Theils, auch wenn man den Gipfel der Feindseligkeit ersteigt, dennoch, in der Vorrede wenigstens, den Mantel der Gerechtigkeit und Liebe umzuwerfen, und vor das gallsüchtige Gesicht eine übettünchte Maske der Freundlichkeit vorzuthun. 95$ie gesagt, dies ist die beliebteste Art zu verfahren, und mag sie auch mit Mannhaftigkeit uni» wahrem Ernste wenig übereinstimmen, so scheint-sie doch der letzte Tribut zu sein, den diese grasgrünen Autoren der literarischen Courtoisie zu bringen sich letztlichst noch bewogen fühlen. Sie mögen sich aber nicht täuschen, daß sie glauben könnten, die Leser zu tauschen, denn schon nach ihrem Prologe werfen sie ihre Harlekinade ab, und spielen ihre Rolle in der ächten Natürlichkeit. Eben so verfährt der ör. Fischer. Er sagt im dritten Absatz seiner Vorrede: „Die vorliegende Schrift enthält keine feindseligen Beiträge zur Geschichte der Menschheit, auch keine finstere Polemik gegen die Ueberreste Jakobs," und wahrlich! es gibt keine Farbe des Hasses, die er nicht auf sein Gemälde wirft, keine Nuance der Niedrigkeit, mit der er nicht die Juden conterfeit, und er scheuet nichtwas nur Jude und jüdisch ist, zu der höchsten Monstrosität alles geistigen und materiellen Bestehens zu'stempeln. Da ist kein Hochgefühl, das er in einem Juden heimisch, keine Ueberzeugung, an der er einen Juden ftsthaltend glauben kann! keine edle Triebfeder, die er bei einem Juden vermuthen dürfte. Wahrlich! wir möchten kein Fischer sein, der vor sechs bis sieben Millionen Menschen steht, und einen schwarzrothen Strich durch ihr ganzes, ganzes Leben zieht', und dabei zu behaupten wagt — er habe sich von aller „gemeinen und niedrigen Polemik fern gehalten" «). Ferner verkündet die Vorrede die verschiedenen Beurtheilungen, die seine Schrift erfahren werde, im voraus, daß man seinewerthe Person angreifen, „bombenartig^Gegenreden u. s. w. auf ihn schleudern werde u. s. w. Wir haben uns versucht gefühlt, den Mann auf die beste Weise Lügen zu strafen und gar keine Beurtheilung zu schreiben; aber Leute seiner Art glauben nur zu leicht, wenn man just schweigt, es fehle einem die Gegenrede ganz und gar. Er hat aber weder für seine Person von uns etwas zu fürchten, da wir bis jetzt von ihm nur dies sein Buch und mit diesem seinen Namen, und der ist ein ganz gewöhnlicher kennen. Auch keine bombenartigen Gegenreden, denn dergleichen Feuerkugel^ braucht man nur bei fest verwahrten Plätzen, wo aber der Zugang so leicht und offen ist, wie bei ihm, spart man sich Pulver und Blei und rückt gleich hinein.' Zu Persönlichkeiten wäre überhaupt nicht einmal' Gelegenheit, da er mit Schreiber dieses ja recht glimpflich umgeht, und wir seinem Lobe der Wissenschaft- •) Man lese nur die erste Seite seiner Vorrede.