Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 69 (9.6.1838)
- Date
- 1838-06-09
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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II. Jahrgang. N». 69. Zeitung -cs Zudcnthums. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. ' (Mit König!. Sächsischer allergnädigster Conceffian.) Leipzig, den 9. Zuni 1838. Zeitungsnachrichten. München, 20. Mai. (Privcttmitth.). Wir sehen einer neuen, durchgreifenden Einrichtung in Betreff unseres Rabbinats- und Schulwesens entgegen. Wie bekannt, ist es der ganze Untermainkceis, jetzt Unterfranken, der 15— 16,000 jüdische Seelen zahlt, die sammtlich, das Aschaffenburger Rabbinat ausgenommen, wo Herr Rabbiner Neuburger functionirt, jeder seelenhirtlichen Pflege entbehren, und wo an vielen, vielen Stellen die geistlichen Funktionen von Schächtern und andern Privaten vollzogen werben. So werden auch an andern Orten, an welchen alte Rabbinen mit Tode abgehen, keine neuen angestellt, sondern die Gemeinden, denen freilich die Besoldung eines Rabbinen aus eigenen Mitteln oft sehr schwer fällt, schließen sich an ein schon bestehendes, oft sehr entlegenes Rabbinat an, von dem sie den Rabbinen zu Eheeinsegnüngen kommen laffen. Diese Umstände berücksichtigend, hat das k. Ministerium^des Innern an sammtliche Regierungen des Königreichs den allerhöchsten Befehl erlassen, Listen einz'usenden, in welchen die Anzahl der Rab'binate in jedem Kreise, die Anzahl der angestellten Rabbinen, der leeren Rabbinate, der jüdischen Elementar- und Religionsteh rer, der besetzten und unbesetzten Lehramtsstellen und der Mittel, aus welcher die Besoldungen und sonstigen Kosten und Ausgaben-gedeckt werden, angegeben werden. —. Sobald diese Berichte von allen Regierungen eingegangen sind, sollen von Seiten des königlichen Ministeriums durchgrnfende Schritte zur Regulirung des Rabbinats- und Schulwesens geschehen. Frankfurt a. d. O., 22. Mai (Privatmitth.). Am 13. Mai um 11 Uhr fand hier die Einweihung des an der neuen Promenade belegenen jüdischen Hospitals und Krankenhauses Statt. Nachdem die Gemeinde sich daselbst versammelt hatte, begann der Gottesdienst mit dem, vom Synagogen-Cantor Herrn Löwenhain schön und kunstgerecht vorgetragenen 30sten Psalm, von Instrumentalmusik zweckmäßig begleitet. Hierauf folgte die von dem Rabbinen Herrn Dr. Samuel Holdheim gehaltene Einweihungsrede, welche auch im Druck erschienen ist *). Die gottesdienstli- °) Unter dem Titel: Einweihungsrede, gehalten bei der am Of 1 5598 (13. Mai 1838) stattgehabten Einweihung des jüdischen HoSpitalS und Krankenhauses zu. Frankfurt a. d. O. und auf Verlangen herausgegeben von vr. Samuel Hold heim, Rabb. (Preis 3 Sgr. ist für die Anstalt bestimmt). - Redact. che Feier wirb mit dem I59sten Psalm: „Halleluja! Lobet Gott in seinem Heiligthum!" beschlossen. Nach diesem Akkus ward ein festliches Mahl gehalten. Der schöne Sinn, den diese Feier bewirkte, bewahrte sich, indem dw Herren Aktionäre auf einen bedeutenden Theil der durch jährliche Verloosung der Actien berechneten Rückzahlung zu Gunsten des Hospitals, und namentlich zur Bildung eines eisernen Fonds für dasselbe, verzichteten, und auch andere resp. Gemeindemitglieder ansehnliche Beitrage zu gedachtem Zwecke spendeten, so daß außer den, von sammtlichen Gemeindemitgliedern zur Unterhaltung der Anstalt, verwilligten jährlichen und von den resp. Herren Meßsremden subscribirten messentlichen Beiträgen, noch besonders ein Fonds von acht hundert Thalern sich gebildet, und zur Disposition des. verehrlichen Vorstandes gestellt worden, der als ein schöner Beweis von der hochherzigen Mildthätigkeit und der sittlich-religiösen Gesinnung unserer Gemeinde bezeichnet werden dürfte. Paris, 19. Mai. In der gestrigen Sitzung der Deputirtenkammer wurde das Budget der Kulte votirt. Die Position von 99,090 Fr. für den israel. Kultus wurde abermals genehmigt. Bei dieser Gelegenheit sprach sich Herr Chvgaray folgendermaßen aus. „Seit dem Finanzgesetze von 1831, sind die Geistlichen des israelitischen Kultus auf die Staatsfonds angewiesen, und das ist die freisinnigste Anwendung, welche von den Grundsätzen der religiösen Gleichheit in irgend einem Land« der Welt gemacht worden. Ich glaube, daß diese Freigebigkeit unserer Gesetzgebung die glücklichsten Resultate erlangt und definitiv der großen französischen Familie eine große Zahl guter Bürger gegeben hat, welche man von der gesellschaftlichen Gleichheit durch barbarische Proscriptionsgesetze isolirt hatte." „Die Israeliten haben dem Wohlwollen der Regierung auf die würdigste Weise entsprochen, und besonders seit 1831 haben sie Anstrengungen gemacht, die des Lobes und der Aufmunterung würdig sind, um ihrem Kultus mehr Haltung zu geben, und um ihn in ein passendes Verhält, niß zu dem Innern Glanz der andern Kulte zu setzen." „Indessen muß man sagen, daß, wenn das Princip, welches die Kosten des israelitischen Kultus unter die Ausgaben des Staates gestellt, ein freisinniges ist, die Anwendung desselben mit einer Sparsamkeit geschehen ist, deren ich, mich nicht beklage^ denn sie war durch die Stellung unsrer Budgets geboten, aber die man verschwinden laffen Muß, sobald der Zustand unsrer Finanzen es erlaubt."