Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 6 (31.1.1853)
- Date
- 1853-01-31
- Page
- Seite 71 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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71 ist kaum die Rede mehr. — DaS jüngst ausgegebene Postverzerchniß der Zeitungen und Journale des Auslandes, die das österreichische Postdebit genießen, hat auch unter seinen Rubriken: JudenthumS, Allg. Zeitung deS. Italien. Turin, im Januar. DaS Court Journal und nach ihm Jew. Chron. theilt mit, daß allen Juden, welche öffentliche Aemter in Turin bekleiden, die Ordre zugegangen sei, entweder ihrer Religion oder ihrem Amte zu entsagen. (Da wir dergleichen nirgends mitgetheilt gesehen, so ersuchen wir einen Freund in Italien, uns den Sachverhalt zu berichten. (Red. d. A. Z. d. Jud.) Aequi. Im Dezember ist hier eine Tragödie, betitelt Etelwige, verfaßt vom Rabbinen in Moncalvo, Lazzaro Ottolenghi, mit großem Beifall über die Bühne gegangen. (!!) (L’ad. isr.) Douaufürsteuthümer. Bon der Moldauischen Grenze, 1. Januar. (Privatmitth.) Gestatten Sie mir, noch einige Data hinsichtlich unserer SchenkwirthSfrage nachzutragen, denn, dem offiziellen Bulletin No. 71 zufolge ist die Aufhebung des Gesetzes vom Jahre 1844, worin den Juden das Wohnen auf den Dörfern verboten wurde, an nachstehende Bedingungen geknüpft: 1) Muß der Betreffende sich bei dem Magistrate ausweifen, ob er das fragliche Geschäft zu unternehmen mächtig sei, ja auch mit einem Sittenzertifikate versehen sein, worauf die Kreisbehörde das Patent auszuliefern hat. 2) Dafür wird in Orten von 100 Einwohnern 4 Dukaten, von 200 Einwohnern 6 Dukaten jährlich gezahlt. 3) Man darf dem Bauer nicht mehr als verhältnißmäßig 5, 10 bis 15 Piaster kreditiren. 4) Ist den Dorfrichtern strengstens eingeschärft, ihr Augenmerk auf jedwede Beeinträchtigung deS Bauern zu haben; bei einem zweimaligen Vergehen aber verfällt man den früheren Gesetzen. Möge man daher nicht durch unachtsamen Wandel zum Status quo zurückzukehren Veranlassung geben. Wie ich aus verläßlicher Quelle vernehme, brach am 26. v. M. in Snezawa, einem in der Bukowina gelegenen Städtchen, eine beträchtliche Feuersbrunst aus. Ich theile eS Ihnen nur deshalb mir, weil daselbst größtentheilS unsere Glaubensgenossen obdachlos wurden und dem drückendsten Mangel preisgegeben find. L. F... Literarische Nachrichten. Leipzig, im Januar, vr. Fürst giebt ein hebräisches und chaldäisches Handwörterbuch über daS alte Testament heraus, das in sechs Lieferungen zu */« Thlrn. erscheinen soll. Zwei Lieferungen find bereits erschienen. Aus Mähreu. Literarische Skizzen. Das jüngst Hingeschiedene Jahr war für die jüdische Literatur in Oesterreich nicht ungünstig und brachte manche erfreuliche Erscheinung, die jeder Literaturfreund mit Freuden begrüßt, zu Tage. Die Ungunst der Ereignisse der letzten Jahre, die so zerstörend auf alle wissenschaftlichen Unternehmungen einwirkten, ist kaum gewichen und hat einem regern Streben, das lange brach gelegene Feld der jüdischen Literatur wieder zu bearbeiten, Platz gemacht. Leider kann man dieses von dem vor 1848 einigermaßen wieder erwachten regen Sinn des Publikums für jüdische Wissenschaft noch nicht sagen. Die Gleichgiltigkeit und Kälte, die mit der Unkenntniß gleichen Schritt halten, har beim Publikum mehr zuals abgenommen. Die jüdische Journalistik hat die wichtige Aufgabe, was ihr früher bei ihrem Entstehen gelungen, Liebe und Interesse für jüdische Wissenschaft zu erwecken und anzuregen. Aufmerksame Verfolgung der neuesten Erscheinungen und dergl. literarische Besprechungen und Auszüge aus den wichtigsten Werken können ihren Zweck nicht verfehlen und werden nach und nach der Wissenschaft Eingang beim Publikum verschaffen. Nach dem bekannten Bibelsprüche: bei dem Größten fing er an und bei dem Kleinsten hörte er auf, will ich, ohne mich an die chronologische Ordnung zu halten, die Novitäten, die u»S das vorige Jahr gebracht, kurz skizziren. Vor Allem gebührt Herrn RapoportS Erech Milli n, ein Sprache und Alterihümer erläuterndes Realwörterbuch, wovon der erste Theil ms bei Landau erschien, rühmliche Erwähnung, um den Reigen damit zu eröffnen. Es wäre überfiüffig, Etwas zum Lobe dieses 6*