Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 6 (31.1.1853)
- Date
- 1853-01-31
- Page
- Seite 70 (sequence 8)
- Language
- German
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70 neuen Wirkungskreis. Schon in den ersten Jahren seiner Amtöthätigkeit zeigte fich daS in ihn gesetzte Vertrauen in der fich jährlich mehrenden Zahl der Hilfesuchenden auf das Glänzendste bewahrt. Durch fast vier Jahrzehnte wirkte er da mit unermüdetem, stets regem Eifer als sorgsamer, liebevoller Arzt. Mehr denn 40,000 Kranke auS allen, selbst den entferntesten Theilen deS KaiferstaateS fanden in ihm während dieser langen Laufbahn immer den freundlichen, Vertrauen erweckenden Rathgeber. ES war ihm endlich noch ein LebenSmoment beschieden, wie er nur wenigen AuSerwählten von der Vorsehung gegönnt ist: Am 20. Juli 1852 war ein halbes Jahrhundert verfloffen, seitdem Dr. W. den Doktorhut empfing. Die Gefeiertesten der Wissenschaft, die Achtbarsten der Kollegen, die Vertreter seiner Gemeinde und seine Amts- und BerufSgenoffen begrüßten diesen Tag als einen Freudentag. Das Doktorenkollegium der hiefigen medizinischen Fakultät und die k. k. Gesellschaft der Aerzte, die ihn unter ihren achtbarsten Mitgliedern zählte, beglückwünschten den würdigen Greis mit der vollsten Anerkennung, die anderen Kollegen und Freunde auf die herzlichste, rührendste Weise. Mit neuer Kraft begann der jugendfrische Greis nun das zweite Säkulum seiner Berufsthätigkeit, die jedoch leider auf immer unterbrochen werden sollte. Am letzten Tage des eben abgelaufenen Jahres, einige Stunden vor dem Jahreswechsel, wurde er seiner trauernden Umgebung auf immer entrissen, nachdem er am selben Morgen mit ungestörtem, gewohntem BerusSeifer feine letzten Dienste dem Spitale geweiht. Nur kurze Zeit war eS mir gegönnt, meine Amtspflicht in der Nähe dieses ManneS zu erfüllen. Es war mir dabei reichliche Gelegenheit geboten, ihn hochachten, schätzen und lieben zu lernen. Biederkeit des Charakters, Offenheit in Wort und That erwarben ihm mit Recht die größte Hochachtung und Verehrung. Die aufopferndste Hingebung, die sorgsamste, unermüdete Thätigkeit in der Erfüllung seines mühevollen Berufes mußte daS volle Vertrauen der Hilfesuchenden, so wie die größte Anerkennung seiner Kollegen zur unmittelbaren Folge haben. Friede seiner Asche! öle<1. et Chir. Dr. S. Re iS, Mitglied der wiener med. Fakultät und Sekundärarzt im Jsraelitenspitale. Ans Mahren, im Januar. (Privatmitth.) Seit der Abreise deS LandrabbinerS Hirsch nach Frankfurt am Main, dessen Abgang einen solchen Eklat in dem sonst so stillen Ländchen, mehr als feine ganze 4jährige Anwesenheit, hervorgebracht, ist eS wieder so ruhig und geräuschlos worden, als würde aller Sinn für das öffentliche Leben ausgestorben sein. Die Gemeinden sind mehr, wie es scheint, nach innen thätig; hier ist die Besetzung eines RabbinatS oder die Bildung einer Schule; dort der Neubau oder die Renovirung einer Synagoge, welche alle Kräfte und Theilnahme abforbirt. Daß es mit der Besetzung der Rabbinate nur langsam geht, versteht fich von selbst. Eine 2—3jährige Vakanz ist ganz in der Ordnung. In Nikolsburg hat man an die Wiederbefetzrmg deS RabbinatS, geschweige deS LandrabbinatS (das provisorisch von Herrn Rabbiner Ab. lPlacek in Boskowitz verwaltet wird) noch gar nicht gedacht. Konkurse und alle dergleichen Mittel werden gewöhnlich bei einer Besetzung gebraucht, aber meistens ohne Erfolg, wie z. B. in G. Meseritfch, wo mehr als 3/* Jahr seit der Konkursfrist verstrichen und die armen Kompetenten leben noch im Ungewissen. Am Schnellsten ist das Rabbinat zu Proßnitz, das früher Herr Fasset, Rabbiner zu Kanisa in Ungarn, inne hatte und zwar ohne Konkurs besetzt worden. Auch die Gemeinden Böhmens find hierin viel rascher, waS gewiß nur zu loben ist. Die Rabbinate zu Böhmisch- Leippa durch Herrn Ehrmann, und das jüngst durch den Tod deS Nestors der böhmischen Rabbinen, deS sel. Samuel Brod, erledigte Rabbinat zu Miestig durch Herrn Bloch find ohne viel Aufsehens und Lärmens wiederbesetzt worden. Am Saumseligsten ist aber die Gemeinde zu Brünn, die sich seit dem Jahre 1848 ungemein vergrößert hat. Hier hat seit Jahren der JndifferentiSmuS seinen Sitz aufgeschlagen! Da finden Sie weder Rabbiner noch Religionslehrer, weder Schule noch Synagoge, die nur einigermaßen einer solchen Gemeinde würdig wäre. Von den Synagogenbauten ist die zu Gaya bereits vor wenigen Monaten eingeweiht worden; die zu Eibenschitz soll der Vollendung entgegenreisen; die zu Schaff« zu Ostern fertig werden. Mangel an tüchtigen Lehrern und Kantoren, die stark gesucht werden, ist im Allgemeinen sehr fühlbar. Von dem von Herrn Hirsch projektirten Rabbinerseminare und der pädagogischen schen Anstalt, woran fich Böhmen betheiligen wollte