Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 6 (31.1.1853)
- Date
- 1853-01-31
- Page
- Seite 69 (sequence 7)
- Language
- German
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69 Uten und dessen 15 Jahre altem Sohne verübt hatten. Sie schließt: „Noch war die Triebfeder dieser Handlung. Die beiden Weiber hofften viel Geld bei ihren Opfern zu finden, sahen fich aber bitter getäuscht; denn der alte Luchtenstein hatte nur 3 Silbergroschen, der junge 2 Silbergroschen und einige polnische Groschen bei fich. „Juden zu tödten", daS erklärte die Wittwe Meyer bei ihrer ersten Vernehmung und wiederholte eS auch gestern, „wäre keine besondere Sünde, nach denen würde Niemand fragen." Ein so furchtbarer Wahn findet sich hier, leider! in nicht glaubwürdiger Ausdehnung unter der ungebildeten Bevölkerung des platten Landes vor." Ist daS nicht fürchterlich! Welche Ausgabe der Religion und Gesittung! Wie vernachlässigt muß diese Bevölkerung von denen sein, welchen die religiöse und moralische Bildung dieser Menschen obliegt, und welche diese Aemter fich so gut bezahlen lassen! Hat eS je eine jüdische Bevölkerung gegeben, die eine ähnliche Ansicht gehegt hat? Nimmermehr! Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 16. Januar. (Privatmitth.) Der Vorstand der hiesigen Gemeinde ist bereits konstituirt. Die Wahl der Beiräthe ist auch bereits entschieden, und eS find dabei sehr fähige Kräfte. Wir wünschen nur dabei, daß ein höherer Geist die Berathungen leite — denn eS wird jetzt eine sehr wichtige Epoche sein — und daß der Wille, der von allen Seiten ein guter ist, auch zum wahrhaft Guten führe. Durch daS Absterben des bisherigen Primärarztes am israelitischen Spitale Dr. Wertheim ist diese Stelle erledigt und wir wünschen dabei, eS möge ein Würdiger "diese Stelle einehmen. Von Dr. M. Letteris ist daS erste Heft einer Vierteljahrsschrift erschienen, auf die ich gedenke des Nähern zurückzukommen. Noch muß ich bemerken, daß der Vorwurf, den Ihr geehrter X Korrespondent auS Preßburg Herrn Mannheimer in Betreff der Orgel macht, ein ungegründeter ist. Herr M. wehrt fich ebenso wenig dagegen, als gegen deutsche Gebete und Gesänge. Beim sonntäglichen Gottesdienste der Handwerker ist auch Beides. ES walten da andere Hindernisse vor, wenn ich nicht irre, auf die ich zur gelegenen Zeit zurückkommen will. Noch bemerke ich, daß die Bewilligung zum Bau einer polnischen Schule, von der ich Ihnen vor einiger Zeit schrieb, glücklicher Weise von den Behörden auf's Neue in Frage gestellt wurde. Dr. Zacharias Wertheim, Primärarzt im wiener israelitischen Spitale. Tief bewegt von den Eindrücken, die der Verlust eines Mannes in mir hervorgerufen, den Tausende mit mir betrauern, ist eS mir eine heilige Pflicht geworden, eine Skizze feines thatenreichen Lebens größeren Kreisen unserer Glaubensgenossen mitzutheilen, unter denen ihm mit Recht ein Ehrenplatz gebührt. Sie wird denen, die Gelegenheit hatten, diesen als Mensch und Arzt gleich ausgezeichneten Mann näher zu können, gewiß nicht unwillkommen sein. Geboren zu Wien im Jahre 1780, widmete fich Dr. Werthheim auS wahrer Neigung den Studien, und wurde im Jahre 1802, also schon in seinem 22. Lebensjahre an der wiener Hochschule zum Äleä. Dr. promovirt. Obwol hier die größten Koryphäen der Wissenschaft seine Lehrer gewesen, besuchte er doch zur Erweiterung seines Wissens die ausländischen deutschen Universitäten, und verweilte längere Zeit an der zu Göttingen. Ausgerüstet mit allem Wissen seines Berufes kehrte er in sein Vaterland zurück, und leistete bei der nach der französischen Invasion an der ungarischen Grenze ausgebrochenen Typhusepidemie die vorzüglichsten Dienste. Wer die Mühen und Beschwerden eines bei derartigen Erkrankungen auf dem Lande wirkenden Arztes kennt, wird dem damals jungen Arzte die Anerkennung nicht versagen. Er verließ seinen heimathlichen Heerd, der ihm doch eine gewisse Zukunft versprach, um dem Staate und der Menschheit in den gefahrvollsten Zeiten unentgeldlich seine Dienste zu widmen. Im Jahre 1810 veröffentlichte Dr. Wertheim seine medizinische Topographie, ein Werk von solcher Gediegenheit, daß eS heute noch den wissenschaftlichen Arbeiten Anhaltspunkte bietet, und überhaupt in seiner Zusammenstellung und Anordnung eine bewundernswerthe Ausdauer und Mühewaltung voraussetzt. Im Jahre 1816 erhielt Dr. W. mit dem Amte eines PhysikuS im hiesigen Jsraelitenspitale einen