Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 6 (31.1.1853)
- Date
- 1853-01-31
- Page
- Seite 68 (sequence 6)
- Language
- German
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68 nur Sitte und nicht Gesetz, so zu verfahren." — Die dritte Unrichtigkeit endlich ist, daß die Herzog!. Polizeibehörde, im Widerspruche mit mir, das Begräbniß verordnet habe. Vielmehr hat diese Behörde ganz in Ucbereinstimmung mit mir verfahren. — Dies möge genügen, um dem geehrten Leser einen Maßstab zur Beurtheilung der Tendenz und des Charakters deS betreffenden Korrespondenzartikels an die Hand zu geben. Wiesbaden, den 11.Jan. 1853. SüSkind. (Wir unsrerseits können dem Rabbiner SüSkind nur unfern Beifall über seine Entschiedenheit zu erkennen geben. Kein Verbrechen hat in der neuern Zeit mehr überhand genommen, als der Selbstmord. Gerade bei den Juden war er selten, und wir haben daher das Unsrige zu thun, um ihn fern zu halten. Allerdings wird der Gedanke an ein gesondertes, minder ehrenhaftes Grab den Selbstmörder von ffiner That im Augenblicke der That wenig abzuhalten vermögen — aber der Anblick solcher Absonderung stößt von Jugend an das Gefühl deS Abscheus und deS Schreckens gegen den Selbstmord ein — wir wissen es auS unserer eigenen Jugend; und solch von Kindesbeinen an genährtes Gefühl hat einen wesentlichen Einfluß auf das ganze Leben, insonderS bei der großen Masse derer, welche sich durch die modernste Sophistik noch nicht den Kopf hat verdrehen lassen. Red. d. A. Z. d. Jud.) Aus de« Badischen, im Januar. (Privatmitth.) Der XVI. Jahrgang der Allg. Zeitung deS Judenthums hat den Lesern derselben sehr wenig auS unserm Großherzogthum mitgetheilt. Außer zwei Berichten in den Nummern 21 und 22, den TrauergotteSdienst bei dem Hinscheiden unsers höchstseligen Großherzogs Leopold betreffend, liegt eS uns noch ob, das Hinscheiden unsers verehrten und gelehrten OberrathS Epstein zu vermelden. Zwei für Badens Juden schmerzliche Verluste. In unserm Großherzoge verloren wir einen toleranten, die israelitische Religion schützenden Landesvater und mit Herrn Oberrath Epstein ward ein Stolz und eine Zierde der Juden Badens zu Grabe getragen. 1809 wurde er bei der Gründung des OberrathS dieser Stelle beigegeben und wirkte seitdem über 4) Jahre in dieser Stellung zum Segen seiner badischen Glaubensgenossen. Am Abend seines Lebens — im Sommer v. I. — hatte er noch das Vergnügen, daß ihm eine Anerkennung seiner Verdienste auf dem Gebiete deS Schulwesens zu Theil wurde. Die Lehrer Badens und viele andere seiner Verehrer errichteten eine „Epteinstiftung", über deren Zweck ich mir eine spätere Mittheilung Vorbehalte. Demnächst erscheint daS Porträt deS Verewigten, wovon d?r Reinerrrag dem genannten Vereine bestimmt ist, und feine ausführliche Biographie wird gleichfalls im Drucke erscheinen. Doch giebts auch Erfreuliches in unserm Baden. Neugebaute Synagogen erheben sich in Stadt und Land zur Verherrlichung Gottes und zum Lobe ihrer Erbauer. Predigt und Konfirmation werden öfterer und gecn gehört (der Choralgesang nur will nicht gedeihen), die öffentlichen Schulen genießen mit den christlichen gleiche Berechtigung und die Existenz der Religionslehrer ist nicht mehr der Willkür der Gemeinden preis gegeben, da Anstellung und Versetzung vom Oberrathe auSgehen. Wenn wir auch nicht von Stiftungen wohlthätiger Israeliten zu Gunsten beiderlei Konfessionen aus unserm Lande berichten können (s. No. 29 v. I.), so können wir doch von der Wohlthätigkeit edler Glaubensgenossen erzählen. Herrn Baron Karl M. v. Rothschild ist in Hemsbach, Rabbinatsbezirk Heidelberg, begütert und seine diesem Orte zu Theil werdenden Unterstützungen zeigen das reiche Herz des reichen Mannes. Als vor einigen Jahren die Gemeinde eine neue Synagoge baute, erhielt sie von der Familie des BaronS die ansehnliche Beisteuer von 2009 Fl. Und als jüngst der Herr Baron von der auf der Synagoge noch haftenden Schuldenlast der Gemeinde Kenntniß erhielt, übernahm er diese Schuld von 2500 Fl. unter Verhältnissen, die einem Geschenke gleich kommen. Die Armen des OrteS ohne Unterschied der Konfession erhalten zu bestimmten Zeiten im Jahre nahmhafte Unterstützungen. Die Schulen und ihre Lehrer werden alljährlich zu Weihnachten von der Frau Baronin mit Geschenken bedacht. Auch die israelitischen Armen der Umgegend erhalten durch Vermittelung eines Dritten von Zeit zu Zeit ansehnliche Almosen. Preußen. Jnfkerbnrg, 14. Januar. Die N. Z. meldet von hier aus die Entdeckung und Bestrafung eines Mordes, welchen zwei Weiber an einem alten Jsrae-