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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-01-24 · Heft 5 (24.1.1853) · p. Seite 55

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 5 (24.1.1853)
Date
1853-01-24
Page
Seite 55 (sequence 5)
Language
German
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33 für sich bestehende Individuen zerfallen — wir sehen andcrerseitS jdiese Masse durchaus verschiedener und für sich bestehender Individuen durch bestimmte und bedeutendste Aehnlichkeiten sich zu Familien, diese zu Völkern, diese zu Racen, diese zu zwei Geschlechtern, und endlich auch diese zu einer Einheit, der Menschheit, vergesellschaften, vereinigen. Wir sehen einerseits diese Verschiedenheiten, durch welche diese Unterscheidungen stattfinden, andrerseits diese Aehnlichkeiten, durch welche diese Vereinigungen bewirkt werden, wesentlich schon in ihrer körperlichen Beschaffenheit begründet, überall schon von äußeren und inneren körperlichen Eigenthümlichkeiten getragen. Sind wir nun im Stande, in dieser scheinbar fich widersprechenden Erscheinung einen leitenden und beherrschenden Gedanken zu finden? Allerdings. Bei genauerer Prüfung stellen fich uns nämlich drei verschiedene Gedanken vor. Ist es das Ziel der Menschheit, in lauter völlig verschiedene und isolirte Individuen zu zersallen, so daß jene nur wie eine Sammlung von Millionen Menschenatomen sei? Sicherlich nicht, dem widerspricht die ganze Geschichte, dem die Natur jener Aehnlichkeiten. Es wäre dies gerade die unterste, roheste Stufe des menschlichen Daseins. Oder: ist es das Ziel der Menschheit, in eine kompakte Einheit zusammenzuwachsen, in welcher jede Individualität aufhört, so daß jene nur wie eine Sammlung völlig gleicher Krystalle sei? Wiederum nicht, dem widerspricht die ganze Geschichte, dem die ganze Natur des Menschen, die Natur jener Verschiedenheiten; so viel man auch schon von dem Nivclliren und Gleichmachen Lurch die Zivilisation gefabelt hat. Vielmehr ist das einzig Richtige: Das Streben und Ziel des Menschengeschlechtes ist, das Jndividuum, den Einzelmenschen zur möglich höchsten Entfaltung seiner selbst und zugleich die Menschheit zur möglich größten Einheit zu bringen. Erweisen wir uns Dies. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten. Deutschland. Kassel, 10. Januar. (Nat.-Z.) Unter dem Titel von „Maßregeln der Sicherheitspolizei" enthält eine Verordnung vom 29. November 1823 (§. 31) die Bestimmung: „Ausländische Juden dürfen weder als Rabbinen, Lehrer oder Kirchendiener, noch als Handlungsdiener oder Lehrbursche, noch sonst zu Gewerb- oder Hausdiensten angenommen werden." Die inländischen Israeliten werden in jener Verordnung für den Fall der Zuwiderhandlung mit einer Geldbuße von 100—300 Thlrn. oder dem entsprechenden Ges'ängnißstrafe bedroht, der fremde Jude aber soll „ohne Verzug fortgeschafft" werden. Unter der vormärzlichen Verwaltung kam dies mehr und mehr in Vergessenheit. Erft im vorigen Jahre hat man jene Verordnung wieder an'S Licht gezogen und vor Kurzem auch junge Leute jüdischen Glaubens, die hier ihr Brod fanden, nach ihrer Heimath gewiesen. Aber wie man in den Wald hineinschreit, so schallt eS wieder heraus: neuerdings sind auch hessische Juden, die im AuSlande ihren Unterhalt gesunden hatten, ihrer Heimath zugeführt worden. (So schlimm eS ist, daß eS so hineinschallt, noch schlimmer, daß eS so herauSschallt, denn den Schaden von Beidem tragen — wir Juden! Red. d. A. Z. d. Jud.) Preußen. Berlin, 15. Januar. Neuerdings ist die Frage wegen der Promovirung von Rechtskandidaten jüdischen Glaubens zu Doktoren der Rechte wieder in Anregung gekommen. Eine Juristenfakultät soll deshalb die Entscheidung des Kultusministers nachgesucht haben. —. Der Vorstand der hiesigen Judengemeinde erließ im Juli v. I. an die der Gemeinde angehörigen Mitglieder die schriftliche Aufforderung, ihre rückständigen Beiträge zu den jüdischen Gemeindebedürfnissen einzuzahlen, mit der Drohung, daß im Unterlassungsfälle dieselben erekutivisch beigetrieben werden müßten. Einer der Restanten, welcher Zahlung verweigerte, hat daraus Veranlassung genommen, gegen den „angeblichen" Vorstand der Judengemeinde die Provo-

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