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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-01-24 · Heft 5 (24.1.1853) · p. Seite 54

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 5 (24.1.1853)
Date
1853-01-24
Page
Seite 54 (sequence 4)
Language
German
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54 Osten und füllet die großen östlichen Ebenen Asiens, namentlich China und Japan, auS; die zweite f) bricht später hervor, und besetzt die Ebenen von Westafien zwischen dem Euphrat und Tigris, dringt südwestlich nach Syrien und Arabien, in das Nilthal und über das Gebirge in Aethiopien hinein; endlich der dritte Völkerstrom -) wälzt sich wiederum später theils südlich in die indischen Halbinseln, theils nordwestlich zunächst nach Persien, dann theils nach .Kleinasien, über den Hellespont nach Griechenland und Italien, theils nach Georgien, über den Kaukasus längs des schwarzen Meeres westlich nach Germanien und Skandinavien, Gallien und HiSpanien, und nördlich nach den Ländern der Slaven. Alles Dies wird unS von der Verschiedenheit und der Aehnlichkeit der Sprachen erwiesen. Der früheste Ausbruch der Ostafiaten hielt ihre Sprachen, chinesisch, japanisch u. s. w., auf der tiefsten Stufe der Kindlichkeit bis heute unentwickelt fest, nämlich totaler Einsylbizkeit aller ihrer Wörter. Der Chinese hat eigentlich keine Konjugation, keine Flektion, sondern drückt diese durch besondere Wörter aus, oder er wiederholt dasselbe Wort, wie Mu Baum, Mu-mu Gebüsch, Mu-mu-mu Wald bedeutet; er hat überhaupt nur ungefähr 1500 Wörter, und giebt einem und demselben Worte durch die verschiedensten Töne den verschiedensten Sinn; z. B. Tßin Herr und Tßin Sohn; die Laute b, 6, r, x fehlen ihm ganz. — Diesem am Nächsten stehet der zweite VölkerauSbruch, die Sprachen der westafiatifchen Ebenvölker, die semitischen, unter denen das Hebräische die älteste Schriftsprache ist, und zu denen auch die altegyptische Sprache gehörte, wie man schon aus dem Aerhiopischen ersteht. Hier hat sich die Einsylbizkeit der Wörter zur Zweisylbigkeit der Wurzel erhoben; die Flektion ist dadurch ausgebildeter, daß die Partikel sich zu Vorsetz- und Anhängesylben verkürzte; der Wörterschatz ist größer, und hat sich besonders zu einer reichen Synonymik erweitert; allein die Fähigkeit, Wörter zusammenzusetzen, ist noch sehr gering, am Leichtesten noch in Namen. Hingegen zeigen sie eine Annäherung an die dritte, größte Sprachengruppe darin, daß eine Menge Urwurzeln in beiden sich gleich erweisen. Dieser dritte große VölkerauSbruch endlich umfaßt in gleicher Weise das San- und Panskrit der Inder, das Zend der Altperser, die griechische und lateinische, die sämmtlichen germanischen Sprachen, In der Schrift Schem und Cham. 2) Zum Theil der Japhet der Schrift (JapatoS der Griechen)« die aus jenen und diesen entsprungenen romanischen, endlich die slavischen Sprachen. Denn in allen diesen Sprachen werden die Sylben nicht gezählt und bestehen die Wurzelwörter aus ein-, zwei-, drei- und mehrsylbigen Wörtern; sie drücken Genus, Numerus, Kasus, Modus, Tempus u. f. w. durch Veränderung der ersten und letzten Sylben aus; sie besitzen sämmtlich die Fähigkeit, durch Zusammensetzung eine ungeheure Zahl neuer Wörter zu bilden; sie haben Alle einen mannigfaltigen Periodenbau, und bauen durch Konjunktionen, Adverbien und Partizipien die verschlungensten und komplizirtesten Sätze auf. Endlich findet sich in allen diesen Sprachen eine außerordentliche Menge Wötter, die gleichen Stammes find. Ich will auS der Unzahl von Beispielen nur Eines geben, weil eS den ersten Grundbegriff des Menschen betrifft; im Sanskrikt heißt „ich bin" 2§mi, „du bist" sssi, „er ist" asii, im Griechischen rr/nr, ursprünglich iofu, tatst, taxt u. s. s. Das Gepräge des Urältesten hat unter diesen Sprachen die Zend- oder altperfische Sprache bewahrt, weil gerade die Altperser am Spätesten aus dem Gebirge hervorbrachen. Unter den griechischen Dialekten sieht der äolische am Aeltesten aus, und der hat gerade die meiste Aehnlichkeit mit dem Lateinischen. Die germanische Sprache spaltete sich in viele Dialekte, die altkaledonische und gälische, die altgallische und iberische, die gothische und ftänkische, und in neuerer Zeit sind die dänische, skandinavische, holländische Sprache ihre Tochtersprachen. Aus dem Verderbniß deS Lateinischen und der Beimischung germanischer Elemente find die romanischen Sprachen hervorgegangen, die spanische und portugiesische, die italienische und ftanzösische, welche Letztere von den Franken des Germanischen am Meisten erhalten hat. Als jüngster Auswuchs ist endlich dre englische Sprache zu nennen, die ein Gemisch des Alt-Britischen, Deutsch-Sassischen und Normännisch-Französischen ist. Bei einem also gemeinschaftlichen Ursprung aller dieser Sprachen haben sie sich dennoch in die entschiedensten Verschiedenheiten getrennt; und nicht zu vergessen ist, wie jede dieser Sprachen wieder in sehr viele Dialekte ausläuft, Dialekte, die vorzugsweise ihren Charakter, ihr Gepräge auS der Lokalität gezogen haben. Dies also, m. H., ist die ungeheure Stoffmafse, welche wir Menschheit, Menschengeschlecht nennen. Wir sehen einerseits die Gesammrmaffe durch die charakteristischen Verschiedenheiten in zwei Geschlechter, diese in so und so viele Racen mit ihren Zwischenstufen, diese in eine große Zahl Völker, diese in zahllose Familien, und diese endlich in durchaus verschiedene und

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