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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-01-24 · Heft 5 (24.1.1853) · p. Seite 52

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 5 (24.1.1853)
Date
1853-01-24
Page
Seite 52 (sequence 2)
Language
German
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52 nen Menschen, die von 30 zu 30 Jahren durch eine ebenso große Anzahl von ihrem Posten auf Erden abgelöst wird, überschauen wir sie mit Einem Blicke, so stellt fich unS rin sehr eigenthümlicheS und scheinbar widersprechen, des Schauspiel dar: wir sehen alle diese Millionen Individuen eines und desselben Wesens in die unendlich mannigfaltigsten Individuen auseinandergehen, so daß die ganze Menschheit nur eine große Sammlung von Einzelnen scheint, die sämmtlich fcefottbet:# find, und wir sehen dennoch alle diese Individuen durch Aehnlichkeiten zu kleineren, dann größeren und immer größeren Gruppen zusammenwachsen. Verfolgen wir dies etwas genauer. Diese ungeheure Masse der Menschen stellt fich zunächst in zwei Geschlechtern dar. Die Verschiedenheit des ManneS und Weibes ist keine bloS äußerliche, und nicht nur das Schroffe und Eckige der Formen beim Manne, und das Sanfte, Graziöse beim Weibe, und die bedeutendere Größere, die der Mann erreicht, sondern auch die kräftigen MuSkeln und die diesen entsprechenden nervigen Sehnen bilden einen wesentlichen Unterschied des Mannes vom Weibe. Am Kopfe ist das GefichtStheil im Verhältniß zum Schädeltheile bedeutender beim Manne entwickelt. Vor Allem aber ist bei ihm Hals und Nacken umfangreicher, der Brustkasten entschieden weiter und besonders die Schultern breiter und höher nach oben, weshalb die größte Breite des Körpers beim Manne in den Schultern, beim Weibe in den Hüften liegt. Beim weiblichen Körper find die flüsfigen Theile, beim männlichen die festen Theile überwiegend, so daß z. B. das Skelet dort nur 8/ioo, hier ie/ioo des ganzen Körpergewichts hat; im Blute des Weibes herrscht mehr Wassergehalt und Eiweiß vor, in dem deS ManneS mehr Kruor, Fa serstoff, Eisen- und Salztheile. Die Muskelkraft ist beim Manne entschieden stärker, im ausgewachsenen Zustande um daS Doppelte, wesentlich auch wegen der energischer« Nervenwirkung. Bemerkenswerth ist eS übrigens, daß daS weibliche Gehirn im Verhältniß zum übrigen Körper bedeutender ist, als daS männliche, ebenso das Gehirn im Verhältniß zu den Nerven, auch hat das Weib mehr Rückenmark, so wie einzelne Nervengeflechte bedeutend stärker; daS Nervensystem deS Weibes ist viel reizbarer alS das des ManneS. Im Allgemeinen ist beim weib lichen Geschlechte LaS Leben dauerhafter als beim männlichen, so daß, obgleich mehr Knaben als Mädchen geboren werden (105: 100), bei allgemeinen Volkszählungen fich immer mehr weibliche alS männliche Individuen Herausstellen, nämlich ungefähr 110 : 100. Merkwürdig, aber durch die körperlichen Prozesse erklärlich ist es, daß die Sterblichkeit beim Manne bei der Geburt und bis zum 7ten, dann vom 15—3Osten, dann wieder vym 45—55sten Jahre größer, hingegen beim Weibe vom 7ten bis 15ten und 3Osten bis 45sten Jahre größer. Im Allgemeinen werden mehr Weiber als Männer alt — auf 100 Männer über 100 Jahre kommen 155 Weiber solchen Alters; jedoch Beispiele des höchsten Alters vom 12Osten bis 18Osten Jahre find fast ausschließlich auS dem männlichen Geschlechte. Endlich ist nach den Angaben bewährter Aerzte in der Regel der Todeskampf beim Manne viel heftiger als beim Weibe. Unterhalb deS Geschlechts erscheint die Menschheit zunächst in verschiedenen Racen. Es ist eine alte Frage, ob daS Menschengeschlecht von Einem Menschenpaare, oder von mehreren abstammt. Eine lange Zeit hindurch verneinte man das Erstcre, indem man nur die Extreme in der Farbe und Gestaltung der s. g. Racen einander gegenüberstellte, deren man nach Dlumenbach fünf annahm: die kaukafische, mongolische, amerikanische, äthiopische und malahische, oder in neuerer Zeit mit Prichard fieben: die iranische, turanische, amerikanische, der Hottentotten und Buschmänner, der Neger, der Papuas und AlfourouS; und indem man allerdings nachwies, daß diese Racen, sobald fie fich unvermischt erhalten, Jahrhunderte in fremdcm Klima, unter einer fernen Sonne unverändert bleiben, z. B. die Holländer am Kap der guten Hoffnung, die Neger im nördlichen Nordamerika. Allein je weiter wir in der Länder- und Völkerkenntniß gekommen, desto mehr zeigte eS fich, daß es außerordentlich viele Mittelstufen der Hautfarbe und des Schädelbaus giebt; daß von einem VolkSstamm zum andern die Hauptverschiedenheit fich abschwächt, so daß z. B. schwarze Hautfarbe, wolliges Haar und negerartige Gefichtszüge keineswegs immer mit einander verbunden find; daß eine Menge Verschiedenheiten, die man sonst annahm, z. B. die des Gehirns, gar nicht vorhanden; endlich daß sämmtliche s. g. Racen der Menschen fich fruchtbar paaren, und in den dadurch erzeugten Bastarden fich fortpflanzen, alles Dies erweist die Einheit des Menschenstammes; die Racen find Formen einer einzigen Art, nicht Arten eines Genus; denn wären fie das Letztere, so würden ihre Bastarde unter fich unfruchtbar sein, wie dies bei den Arten der Thiere der Fall ist. ' So Johannes Müller, der große Anatom. Nichtsdestoweniger wäre eS abgeschmackt, die Verschiedenheit der Menschenracen leugnen zu wollen, und z. B. einen Neger, einen Kalmücken, ei-

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