Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 4 (17.1.1853)
- Date
- 1853-01-17
- Page
- Seite 40 (sequence 4)
- Language
- German
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40 Unterrichts hat mit hohem Dekrete vom 11. Juli 1852 Ro. 7080 die von dem Gründer des israelitischen Taub stumm eninsti tu tS zu Nikolsburg Hirsch Ko lisch angesuchte Uebertragung dieser Anstalt nach Währing nächst Wien ebenso wie den angesuchten fernern Fortbezug deS bisher aus dem mährischen israelitischen LandeSmaffefondS dieser Anstalt mit dem Dekrete deS hohen Ministeriums deS Innern vom 7. Mai 1849 No. 10464 bewilligten UnterstützungSbeitragS von jährlich 1000 Fl. K. M., im Einverständnisse mit dem hohen k. k. Ministerium des Innern, auch nach dieser Uebertragung auf so lange, als mit diesem Fonds keine andere Bestimmung getroffen wird, und dem Institute aus anderen Quellen keine hinlängliche Unterstützung zukommen sollte, zu bewilligen gefunden. Dieses h. Umlaufsschreiben wird laut h. Auftrags mit dem Bedeuten zur Kenntniß deS Publikums gebracht, daß in dem Institute fünf unentgeldliche Stiftungsplätze für arme mährische Zöglinge offen gehalten werden müssen." DaS Kolische Taubstummeninstitut hat sich allgemeine Anerkennung erworben. Die Leistungen deS Lehrers Herrn Joel Deutsch sollen alle Erwartungen weit übertreffen, so daß dieses Institut allen derartigen Anstalten selbst in der Residenz, wo Herr Deutsch jährliche Prüfungen mit seinen Zöglingen abzuhalten pflegte, an die Seite gesetzt zu werden verdient. Die Quellen dieses einzig in Israel dastehenden Instituts sind die Munisizenz des Stifters und die Spenden der Gemeinden Mährens, die aber wegen der Uebersiedelung nach Währing großentheilS wegfallen werden, nebst den 1000 Fl. K. M. auS dem mährischen israelitischen Maffefonds. Die Uebertragung dieser Anstalt nach Wien findet wenig Anklang, da derartige Institute besser und leichter sich auf dem Lande erhalten, wozu besonders Nikolsburg als bedeutende Jsraelitengemeinde sehr viel Bequemlichkeit bietet. WaS den Stifter, Herrn Kolisch, bewogen, das Institut nach Währing überfiedeln zu lassen, ist uns nicht bekannt; allenfalls, wenn nicht wichtige Motive vorhanden, ist eS ein arger Mißgriff der für daS Institut nachtheilig sein kann. Denn wenn selbst die Anstalt eine allgemeine österreichische, nicht bloS für Mähren, werden soll; so hätte sie füglich in NikolSburg, welches durch die Eisenbahn auch fast in der Nähe Wiens liegt, bleiben können. Großbritarneii. London, im Januar. DaS neue Ministerium macht viele Versprechungen, endlich die letzte Beschränkung der Juden in England hinwegzuräumen; wir werden sehen, ob eS diesmal wieder leere Worte sind, wie man sie bei Lord John Russell nicht ungewohnt ist. Ueber eine Mittheilung in einer geheimen Wählerversammlung Seitens Lord John Russells sagt Daily-News: Die Regierung wird eine „umfassende Wahlreform" dem Parlamente vorlegen, eine Bill zur Aenderung deS Parlamentseides einbringen und zugleich ohne daS Durchgehen dieser Maßregel abzuwarten, im Unterhause die Resolution beantragen, daß die Zulassung von Juden zu Parlamentssitzen eine Pflicht der Gerechtigkeit sei. Ob die Regierung alle oder eine dieser Maßregeln alS KabinetSfragen behandeln will, wurde nicht angedeuret, aber waS die letzterwähnte Resolution betrifft, so versicherte Lord I. RussellS Vertrauter, die Regierung glaube im Stande zu sein, derselben die Zustimmung deS Oberhauses zu verschaffen. —. Nach dem Morn. Her. will gerade um dessenwillen die Universität Orford den Minister Gladftone nicht wieder wählen. — In der Dankrede, welche der Minister Molesworth an seine Wähler hielt, sagte er: Er sehe mit Zuversicht der Judenemanzipation entgegen, damit daS letzte Ueberbleibsel barbarischer Intoleranz auS den Gesetzen Englands verschwinde. Frankreich. Paris, 4. Januar. (H. C.) Welchen Hoffnungen sich die geistliche Partei in Frankreich hingiebt, beweisen die Worte deS Kardinals Donnet, der vor einigen Tagen die feste Ueberzeugung aussprach, daß über kurz oder lang die katholische Religion in Frankreich wieder Staatsreligion werden würde. Paris, im Januar.*) Die „israelitische Gesellschaft für religiöse und moralische Bücher" hat wiederum einen Preis von 1200 FrkS. (320 Thlr.) für die beste „Geschichte der Israeliten vom Ursprung *) Nach dem Beispiele der Arch. isr. erklären wir ein für allemal, daß mit Ausnahme der mit „Privatmitth.", oder anderweitig bezeichnetcn Artikel, welche Frankreich betreffen, den Arcb. isr. entlehnt sind. und werden diese nicht eher wieder nennen, als bis diese uns ebenfalls gerecht werden. Redakt.