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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-01-10 · Heft 3 (10.1.1853) · p. Seite 27

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 3 (10.1.1853)
Date
1853-01-10
Page
Seite 27 (sequence 3)
Language
German
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27 der einen Seite der überweltliche, einige Gott — aus der andern Seite Materialismus, Pantheismus, Atheismus, die nur verschiedene Aufsaffunz einer im Grunde gleichen 3dce find; aus der einen Seite daS Dasein deS gotteben» bildlichen Geistes — auf der andern Seite Materialismus, Identität des Körpers und der Seele, deren Thätigkeiten nur Thätigkeiten körperlicher Organe; auf der einen Seite Einheit in der Gesellschaft auf dem Grunde der Liebe und Gerechtigkeit — aus der andern Seite Vernichtung aller Persönlichkeit und deS freien Willens im Menschen in Kommunismus und Sozialismus. Eine Zeit hindurch war als das Produkt einer seichten Aufklärung der Versuch erstanden, eine Ausgleichung dieses großen Kampfes durch einen s. g. Rationalismus zu treffen. Man wählte fich die allgemeinen Lehren aus der pofitiven Idee heraus, und stellte fie als fich von selbst verstehend hin, verleugnete ihren Ursprung, und zog zu diesem Zwecke aus dem entgegengesetzten System die „Kritik" heraus, um die Pofitivetät zu schlagen, zu zerstören. So glaubte man, Beiden genug gethan zu haben, der pofitiven Idee, indem man ihre Lehren in der Allgemeinheit fich aneignete, der gegnerischen, ursprünglichmenschlichen, kurz heidnischen 3dee, indem man die Kritik geltend machte. Allein diese Ausgleichung war zu willkürlich und oberflächlich, als daß fie Bestand haben konnte. Die heidnische Idee mußte bald die Geltung der Kritik benutzen, um die Bodenlosigkeit deS Rationalismus, wenn er die positive Idee von fich stieß, zu zeigen; fie hatte leichtes Spiel, die falsche Kritik deS Rationalismus, die nur, waS ihm unbequem war, zerbrach, was ihm bequem war, annahm, und fich dabei alS die Lehrmeisterin der Welt spreizte, nachzuweisen und durch Kritik die Kritik des Rationalismus alS nichtig und willkürlich an den Pranger zu stellen. Die positive Idee aber mußte den Rationalismus ebenfalls als Fälscher von fich weisen, der fie verleugyete und doch ihren Inhalt an fich nahm. Es ist daher kein Wunder, daß, nachdem so der Rationalismus beseitigt worden, der Kampf zwischen den beiden Gegensätzen um so lebhafter entbrannte, alS nun die verhüllende, verkleidende Vermittelung wieder verdrängt worden, und an rin erfahrungsreicheres Geschlecht der laute Zuruf deS aut — aut ergeht. ES geht hieraus hervor, daß Judenthum, Christen thum und Islam einen gemeinsamen Gegensatz, einen ge meinschaftlichen Gegner in der heidnischen Idee haben. Da aber der reine und vollständige Gegensatz nur im Zu denthume vorhanden ist, d» daS Judenthum die anderen positiven Religionen, die aus ihm entflossen find, nur alS besondere, in der Zeit mit dem Gepräge der Zeit vorgegangene Gestaltungen anfieht und nur so ansehen kann, dabei aber von dieser vollständigen Gegensätzlichkeit Nichts aufgeben kann, ohne fich selbst, ohne der ganzen positiven Idee ungetreu zu werden, so ergiebt fich hieraus auch die Stellung des JudenthumS im Dcrhältniß zu den anderen pofitiven Religionen. Hierbei wird das Judenthum von folgenden Vortheilen unterstützt. DaS Judenthum ist die positive Idee in fortlaufender, ununterbrochener Tradition; eS ist daher die positive Idee in ihm zur reinen Geschichte geworden, und hat dadurch ein von allen Seiten geschlossenes und lückenlos aufgeführres Fundament; das Gegebensein der pofitiven Idee ist daher in ihm gar nicht aufzusuchen, sondern in dem jedesmaligen Geschlecht der Juden wie von selbst da; für den Juden ist daher der übernatürliche Ursprung für daS Judenthum keine conäitio sine qua non, denn dasselbe ist für den Juden wie in ihm selbst da. Zweitens: weil die positive Idee in dem Judenthume in ihrer Ganzheit und ursprünglichen Schärfe vorhanden ist, befriedigt fie den ganzen Geist des Menschen, verwendet den Verstand und die Vernunft, wie das Herz und den Charakter, und hat daher ihre Stützen in der Natur überhaupt, wie in der Natur des Menschen; sie widerspricht dem Verstände nicht, und weist die Forschung nicht ab, fie sagt dem Herzen zu, und läßt Geschichte und Leben für fich sprechen. Daher kam es, daß man eine Zeit lang Judenthum und Rationalismus verwechselte, während daS Judenthum doch niemals die Pofitivetät verleugnen kann, da es aus dem historischen Geschlechte beruht, und dies niemals verneinen kann. — Allerdings ist aber hingegen nicht zu verkennen, daß das Judenthum in seiner nationalen Erscheinung und in den Bedingungen, die eine Solche stellt, und welche Mittel diese anwenden muß, um sich als Solche durch alle Veränderungen der Zeiten hindurch zu erhalten, auch Hindernisse und Nachtheile hat. Denn darum kann daS Judenthum die lediglich allgemeine Entwickelung der pofitiven Idee nicht selbst vornehmen; eS muß diese der Menschheit selbst überlassen, während eS darauf denken muß, die nationalen Einrichtungen nicht ganz auS seinen Bekennern schwinden zu lassen, um fich nicht zu verlieren, und damit seiner welthistorischen Bestimmung ungetreu zu werden. So muß daS Judenthum immerfort den Widerstreit lösen, die universellste Allgemeinheit der positiven Idee zu enthalten, und diese doch durch bestimmte Gestaltungen an daS Geschlecht der Juden national zu binden. Dieser

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