Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 3 (10.1.1853)
- Date
- 1853-01-10
- Page
- Seite 26 (sequence 2)
- Language
- German
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26 der Familie AhronS und der Leviten zum Dienste beim OpferkultuS hatte keine gesellschaftliche Bedeutung, und wurde durch die Verweigerung ausgedehntesten Grundbesitzes mehr als aufgewogen. — Die Welt ist ihr daS^ Werk GotteS, hervorgegangen auS dem Willen GotteS, geschaffen nach dem Gedanken GotteS, in Einheit, wenn auch auf dem Wege der Entwickelung (die sechs Tage); die Welt also nicht identisch mit Gott, sondern Werk Gottes und darum eine große Einheit. Ein Prinzip des Dösen, des Zerstörenden, kennt die „Lehre Mofis" nicht; ihr ist „Alles gut"; daS Böse ist ihr nur ein Verhältniß (Relation) des Individuums zu sich selbst oder des AußenS zum Individuum, mr die Gefammtheit, für die Welt eristirt nichts Böses; also Gott ist einig und einzig (monotheistisch). Der DualiSmuS, der zwischen Gott und der Welt stattfindet, ist auch zwischen der Welt und dem Menschen da, denn der Mensch ist geschaffen im Ebenbilde GotteS, ihm ist freier Wille, er ist ein moralisches Wesen, er hat Selbstbewußtsein, er erkennt. Was wir aber oben als daS Eigenthümliche des AlterthumS bezeichnet haben, kann nur darum so benannt werden, weil im Alterthume diese Anschauung ungehindert und ohne weitere Influenzirung blieb, und fich daher vollständig und allgemein an und in ihm auSprägte. Die Opposition, die vom Augenblicke an, da die „Lehre MosiS" im Volke Israel in die Welt trat, zwischen ihr und der Anschauung des AlterthumS stattfand, verblieb während des Letztern noch im Stillschweigen. Diese ganze Zeit verfloß damit, in Israel selbst die „Lehre MofiS" festwurzeln, sieghaft und daS ganze Volk durchdringend zu machen. Der ganze Bestand Israels als selbstständigen Volkes, während des ersten und zweiten Tempels, wurde hierauf verwendet, bis dieses Volk und diese Lehre so ineinander verwachsen waren, daß selbst die Zerstreuung durch die Welt, der Verlust jedes lokalen Mittelpunktes und die Knechtschaft der Welt die Juden nicht mehr wankend machen konnten. Erst jetzt begann die Einwirkung der „Lehre MofiS" auf die übrige Menschheit, und der Kampf der beiden Ideen mit einander hob an. Auf der einen Seite die Gottheit als Einheit und die Welt daS Werk GotteS — auf der andern die Identität GotteS und der Welt und darum die Vielheit GotteS; auf der einen Seite der Mensch als gvttebenbildlich, unterschieden von der Welt, darum zur Heiligung bestimmt — auf der andern der Mensch als ein bloßes Glied der Natur, nur höher, seiner organifirt; auf der einen Seite die Einheit aller Menschen in der Gesellschaft — auf der andern die Vielheit der Völker, Geschlechter und Familien; auf der einen Seite daS gesellschaftliche Verhältniß als Sittlichkeit, als Liebe und Gerechtigkeit — auf der andern als bloßes Recht in seiner geschichtlichen Entwickelung. Mit der Erschöpfung deS alten Menschengeschlechts, daher mit dem Verfall und der Auflösung deS AlterthumS und der Verjüngung der zivilisirten Menschheit durch neue Völkerfamilien trat die „Lehre MofiS", trat die Idee, die sie gegeben. auS ihrer nationalen Beschränkung in die ganze Menschenwelt hinaus, für die abendländische Welt im Christenthume, für die morgenländische Welt im Islam. Sie erfocht hier große Siege; sie gewann die tiefste und wesenhafteste Einwirkung auf die Völker, ihre Gesellschaftlichkeit, ihre Kultur; und ihre Anschauung wurde zur allgemeinen Grundanschauung. Aber sic erfocht diese Siege und Erfolge nur mit Aufopferung wesentlicher Theile ihrer selbst, mit der Aufnahme wesentlicher Theile auS ihren Gegensätzen und der Verschmelzung Beider. Dies weiter zu verfolgen und nachzuweisen ist hier nicht am Orte, und ist für Jedermann, der von den gegebenen Grundzügen auSgeht, leicht zu finden. Genug, die Idee, welche die „Lehre MofiS" als positive gegeben hat, in ihrer vollständigen und reinen Gegensätzlichkeit zur ursprünglichmenschlichen Idee, in ihrer Totalität, verblieb im Zudenthume, so verschiedene Formgestaltung dieses auch im langen Laufe der Zeit annahm, und das Geschlecht der Juden verblieb alS Träger dieser vollständigen und ganzen Gegensätzlichkeit. Aber mit der Herrschaft deS ChristcnthumS in der abendländischen und deS IslamS in der morgrnländischen Welt war jene ursprünglich-menschliche Idee nicht ganz überwunden, sie lebte theilS in allgemeinen VolkSidcen und in der Unklarheit der Einzelnen, theilS in den philosophischen Systemen fort, auS welchen heraus sie immer wieder nicht nur in die „Wissenschaftlichen", sondern auch oft in die Masse der „Gebildeten" hineindrang. Nachdem die Naturwissenschaften zum Begriff der Einheit der Natur geführt hatten, mußte die Identität GorteS und der Welt nicht mehr zum Polytheismus, sondern zum Pantheismus und Atheismus führen; ebenso zur Leugnung deS Geistes, und Identität der Seele und des Körpers, des Geistes und StoffeS; so wie die Einheit der Gesellschaft zum Kommunismus ut»d Sozialismus. Der Gegensatz der „Lehre MofiS", also der positiven Idee zu jener menschlichen Idee ward also nunmehr anders: auf