Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 2 (3.1.1853)
- Date
- 1853-01-03
- Page
- Seite 22 (sequence 10)
- Language
- German
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22 Wirksamkeit gelangte, daß davon die erfreulichsten Früchte zu Tage gekommen seien. Je nach dem Bedürfnisse der Zeit sei dem Schulunterrichte, der Erziehung der Jugend, der Erlernung von Handwerken, dem Fortkommen von Studirenden und angehenden Künstlern, dem Betriebe des Feldbaues, die Kräfte der Gesellschaft zugewendet, so wie überhaupt auch noch auf mannichfaltige Weise de» Bedürfnissen der Unbemittelten Unterstützung gewährt worden; Hunderte von Jünglingen, die Zöglinge der Gesellschaft gewesen, hatten wieder so vielen Familien Nahrung verschafft, und Gefittung und Kultur während eines halben Jahrhunderts mit verbreftet, und so die edelste Aufgabe der Menscheit mit zur Erfüllung bringen geholfen. So dürfe man denn mit Beftiedigung sich Mitglied eines solchen Vereins nennen, und müsse da- Andenken des in Gott entschlafenen Stifters — dessen Gebeine auf unserm Gottesacker ruhen — segnen. Die Humani» tatSgeseüschaft sei nicht nur eines der ältesten wohlthätigen Institute in hiesiger israelitischer Gemeinde, sondern gewiß auch eine der auS der neuern Bildungsstufe unsrer Glaubensgenossen entstandenen ähnlichen Anstalten; auch sei die persönliche Theilnahme daran nie größer als jetzt und die Thätigkeit deS Vereins nie umfassender als im ablaufenden VerwaltungSjahre gewesen. Schließlich drückte er den Wunsch auS, daß noch viele der Anwesenden während einer langen Reihe von Jahren Zeugen dieser Thätigkeit bleiben und fie deS Glückes theilhaftig werden möchten, auch die Säkularfeier der Gesellschaft Humanität mit zu begehen. Hierauf erstattete der Direktor den Bericht über die Wirksamkeit der Verwaltungskommission im Verwaltungsjahre 1852, nach den üblichen Rubriken, nämlich: 1) Unterstützungen an Knaben zur Erlernung von Handwerken; 2) Unterstützungen an Zöglinge der hiesigen SchullehrerbildungSanstalt und an andere Knaben zur Fortsetzung ihres Unterrichts; 3) Mitunterhaltung der israelitischen Mädchenschule; 4) Pachtung von Ackerfeld und dessen unentgeltliche Ueberlaffung zum Kattoffelbau an hiesige unbemitteltelte Israeliten; 5) Vorschüsse an hiesige und auswärtige israelitische Handwerker zum Etablissement und Betrieb ihrer Profession, auch Unterstützung an Handwerksgesellen zur Wanderschaft; 6) Bekleidung armer HandwepkSlehrlinge, und 7) Beiträge zu verschiedenen anderen milden Zwecken; sowie über den Ab- und Zugang der Mitglieder, und ersuchte den Sekretär der Gesellschaft, Herrn Philipp Feidel, welcher dieses Amt feit 27 Jahren bekleidet, gemäß des auSgetheilten Programms, die aufgestellte geschichtliche Relation unsrer Gesellschaft seit unsrer Gründung vorzulesen. ES enthielt solche im Wesentlichen Folgendes: Die Gesellschaft der Humanität wurde gestiftet zu Kassel am 21. November 1802 durch den verewigten vr. meä. et philos. LuciuS Abr. Lifftaann von etwa 50 jungen Männern israelitischer Konfession, und deren Statuten von dem damaligen Landrabbinen Löb Berlin konfirmirt. Die Tendenz deS Vereins war ursprünglich nur auf Geldunterstützungen Dürftiger, Kranker, Bekleidung armer Kinder rc. gerichtet, ging jedoch unter veränderten Zeitumständrn in andere Bahnen über. Die Zahl der Mitglieder vermehrte sich durch Zuttitt bis zum Spätjahr 1806, wo durch die mit dem Uebergang KurheffenS unter ftanzöfifche Herrschaft herbeigeführten politischen Verhältnisse die Wirksamkeit der Art in'S Stocken gerieth, daß die Gesellschaft kein Lebenszeichen mehr gab, was die damalige StaatSregierung veranlaßte, den schon vorhandenen kleinen Kapitalfonds einzufordern. Dies wurde jedoch verhindert, und damit der Antrieb zu neuer Thätigkeit gegeben. Nach Wiederherstellung der legitimen Regierung trat mit dem Jahre 1814 eine völlige Neugestaltung der Gesellschaft ein, welche sich durch Zuttitt vieler Mitglieder, auch weiblicher Ehrenmitglieder, und Abfassung neuer Statuten aussprach. Im Verlauf der folgenden Zeiten richtete die Gesellschaft stets mehr ihre Thätigkeit darauf, arme israelitische Knaben der Erlernung von Handwerken zu widmen, und anderen den geregelten Schulunterricht angedeihen zu lassen; später wurden auch junge Studirende, namentlich der Theologie und der Medizin, mit Stipendien unterstützt, so wie jährlich eine bestimmte Summe zur Vertheilung von Brennmaterial an Arme, verausgabt. Auch die Beförderung von Ackerbau und Feldarbeit unter den Israeliten wurde durch Ertheilung von Prämien befördert, und dazu von der Staatsbehörde hilfreiche Hand geboten. Durch öftere Vermächtnisse verstorbener Mitglieder und Freunde der Gesellschaft war der Fonds so angewachsen, daß der Wirkungskreis derselben immer erweitert werden konnte. Derselbe dehnte sich in späterer Zeit auch auf dir Errichtung einer Schule für arme israelitische Mädchen auS, und eS wurde die