Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 2 (3.1.1853)
- Date
- 1853-01-03
- Page
- Seite 23 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225822-3225825--12865-3299115- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Gründung dieser Anstalt in Gemeinschaft mit dem hiefigen israelitischen Schwesternbunde bewirkt. Auch wurde eine Anzahl unbemittelter Zöglinge der israelitischen Lehrerbildungsanstalt unterstützt. Unter den Mitgliedern, welche seit längerer Zeit vielfache Verdienste um das Wirken der Gesellschaft sowol im Allgemeinen als in speziellen Fächern erworben haben, nennen wir die HH. vr. PinhaS, vr. Rosengarten, G. I. Rieberg, A. Rosrnbach, vr. M. Büdinger, Philipp Selig Goldschmidt und Friedemann, welche bis auf den zuerst und den Letztgenannten, nicht mehr unter den Lebenden weilen. Aber auch noch viele andere Männer, die nnverdroffen an dem schönen Bau arbeiteten und heute noch dem Verein angehören, ließen sich bezeichnen. Die Statuten der Gesellschaft, welche im Jahr 1827 neu gestaltet wurden, gelten mit geringen Aenderuugen noch heute als Richtschnur für ihr Wirken, welches durch persönliche Kräfte und Vermächtnisse sich stets zu vergrößern in den Stand gesetzt wurde, so daß sich daS laufende Jahr 1852 als daS fruchtreichste bezeichnen läßt. ES haben der Beihilfe der Gesellschaft eine Anzahl tüchtiger Handwerker und Gewerbtrribender, so wie gut gebildeter Lehrer, nicht minder Theologen und Aerzte die Begründung ihrer Existenz zu verdanken, und Viele von ihnen find spater als Mitglieder zugetretrn. Nunmehr nahm der Landrabbine Herr vr. Adler daS Wort zur Feier diese» Gedächtnißtags. Unter Zugrundelegung der Tertworre rä» “73} nia na N3N *7rr 23 2'nrr schilderte der Redner in erhebenden Worten daS Wesen und den Begriff deS Wortes „Humanitär" in engerer und weiterer Bedeutung. Er erläuterte den Sinn seiner Worte mit trefflichen Anführungen, sprach fich über das löbliche Streben unsrer Zeitrichtung, der wachsenden Noth durch gemeinsames Wirken von Einzelnen und Vereinen abzuhelfen, lobend aus, ermahnte, dabei nicht stehen zu bleiben, sondern den Begriff deS Wortes Humanität dahin zu verwirklichen, daß man den Dürftigen zu fich heraufhebe, den Unterschied der Stände auSzugleichen, Bildung bis in die untersten Schichten zu verbreiten und alle Menschen, ihrer Bestimmung gemäß, zu Brüdern zu vereinigen suchen solle. Er lehrte unS, wie die israelitische Religion die Mutter der wahren Humanität sei, wie ihr ganzes Wesen darauf Hinweise, und man deshalb diese Mutter ehren, lieben und schätzen solle. Cr sprach seine Freude darüber auS, daß die höhere Fügung ihn an einen Ort geführt habe, wo neben einem sichtbaren herrlichen Tempel auch noch ein unfichtbarer, der der Humanität, zur Ehre Gottes dastehe, und forderte die Gesellschaft auf, auch mit Muth und Gottvertrauen in ihrem Wirken fortzufahren. Am Schluffe verrichtete der Redner daS übliche Gebet für die,in Gott ruhenden Stifter und Wohllhäter der Gesellschaft, woraus der Direktor demselben den Dank der Gesellschaft auSfprach, welchen die Versammlung durch allgemeines Aufstehen bethätigte. Der Direftor erwähnte darauf deS Eingangs mehrerer Festgedichte, namentlich eines von unserm Mitgliede, Herrn Rabbinen vr. Stein zu Danzig. Nachdem nun noch die statutenmäßige Wahl der Verwaltungsbeamten der Gesellschaft für daS nächste Rechnungsjahr vorgenommen war, schloß der Direktor die General» ers ammlung. An dem hierauf stattgefundenen Festmahle nahmen etwa 113 Personen beiderlei Geschlechts Theil. ES sprach fich hier auf's Neue in vielfachen Tischreden die Gefinnungen und Empfindungen, welche dieser Tag gestärkt und erweckt hatte, aus, und eS schloß diese schöne, in ernster Weihe begonnene Feier erst spät in heiterer und froher Stimmung und herzlicher Eintracht. Anzeige«. Zu bevorstehenden Ostern 1853 wird in der hiefigen, verbunden mit der doberaner Gemeinde, die Stelle als Religionslehrer, Borbeter und Schächter vakannt. Die hierzu qualifizirten Personen bitte ich, fich baldmöglichst in portofreien Briefen oder persönlich bei mir zu melden. Cröpe lin (Mecklenburg-Schwerin), den 14. Dez. 1852. I. Levetzow, als Vorsteher. Zur Erläuterung der in No. 47—49 der Allg. Ztg. des Judenthums erlassenen Bekanntmachung, betreffend die Besetzung der zu Ostern hier vakant werbenden Stelle eines Kantors rc., fügen wir hinzu, daß dieses Amt außer dem angeführten Firum von 250 Thlr. noch jährlich an erttaordinären Einkünften eine nachgewiesene DurchschnittSsumme von 175 Thlr. einträgt. Außer diesem bewilligt die Gemeinde zu einem Substitute bei dem Schächterdienste, für dessen Leistungen als Gemeinde- und Synagogendiener, und für das von dem Kantor zu haltende Schullokal einen jährlichen Zuschuß von resp. 25 und 20 Thlr., behält fich auch, bei anerkannt vorzüglicher Leistung in dem Schulunterrichte, und namentlich bei vollständig fehlerfteiem, grammatikalisch richtigem deutschen Sprachgebrauch, eine Gratifikation von 25 Thlr. pr. anno vor. Auch bietet daS hiefige nicht unbedeutende Gymna-