Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 2 (3.1.1853)
- Date
- 1853-01-03
- Page
- Seite 16 (sequence 4)
- Language
- German
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die Verfechter derselben, als der Weit heillosere JndifferentiSmuS und Egoismus, der jedem VorwärtSstreben, jeder Hebung und Belebung der religiösen und Gemeindeinstiturionen hemmend in den Weg tritt. Rühmliche Ausnahmen sind zwar auch hier nicht selten, und der bessere Theil erwartet viel Gutes von ■ der Regelung des KultuS- und Schulwesens in Ungarn, welche sich auch auf unsere Provinz erstrecken wird, da auch wir an dem sogenannten SchulsondS verhältnißmäßig betheiligt sind. ES ist sehr befremdend, daß weder von einer hiesigen Gemeinde ein Gutachten abgefordert, noch daß irgendwo bei uns zu obigem Behuse, so wie in Ungarn, eine Kommission berufen worden wäre. Was die Schule insbesondere betrifft, bestanden, außer in den rühmlichst bekannten Gemeinden zu Gr. Betschkeret und Baja, nach dem Abschlüsse der Revolution auch nicht eine einzige in den vielen Gemeinden dieses Landes, und würden sich auch nur wenige aus eigenem Antriebe zur Errichtung von Schulen Herbeigelaffen haben, wenn die hohe Landesregierung diesen gordischen Knoten nicht mit einem Hiebe gelöst, und durch ihren Ausspruch in zwei Jahren 23 israelitische Schulen in's Leben gerufen hätte. Aus Anregung Sr. Hochwürden unseres hochverehrten Landesschulinspektors Herrn A. Bonatz wurden sämmtliche Lokalbehörden angewiesen, die bestehenden modernen und nicht modernen Chedarim als sogenannte Winkelschulen aufzuheben und die betreffenden Gemeinden zu verhalten, allsogleich zur Errichtung einer ordentlichen Schule zu schreiten. Biele Gemeinden machten Einwendungen und gaben insbesondere vor, daß sie für den Unterricht ihrer Kinder hinlänglich gesorgt hätten, indem dieselben die christlichen Schulen besuchen, und der katholische Geistliche mußte den israelitischen Kultusvorständen an's Herz legen, daß die christlichen Elementarschulen für die israelitische Jugend nicht zureichend sein, und daß vor Allem einem regelmäßigen Religionsunterrichte Rechnung getragen werden müsse. Die Leitung der Schulen ist den Gemeinden überlassen; aber die löbl. Landesschulbehörde hat sich die Ueberwachung derselben und die Bestätigung der anzustellenden Lehrer Vorbehalten. Viele Lehrer, deren Bildung und pädagogische Befähigung hinlängliche Garantieen bieten, find mittelst Dekrets angestellt, und so nicht mehr den Launen der einzelnen Gemeindeglieder preisgegeben. Vielen Gemeinden, die Schulen zu errichten haben, mangelt es noch an Lehrern, da nur an einer Lehrer^ bildungsanstalt der österreichlschen Monarchie gebildete Lehrer angestellt werden können. Mehrere dieser Schulen haben während der kurzen Zeit ihres Bestehens einen erfreulichen Aufschwung genommen; einige werden von der löbl. LandeSschulbehörde als Musterschulen bezeichnet. So wurden von Seiten deS Herrn Landesschuleninspektors sämmtliche Lehrer der katholischen Volksschulen allhier zu der am Schluffe des vorigen Schuljahres abgebaltenen Prüfung an der hiesigen israelitischen Schule in der innern Stadt berufen, um sich mit der Verfahrungsweise der verschiedenen Lehrgegenstände an derselben vertraut zu machen und unter ihnen einen gewissen Wetteifer anzuregen. Nicht unerwähnt kann ich hier lassen das Verdienst, welches sich unser verehrter Rabbiner Herr D. H. Oppenheimer um die hiesigen Schulen erworben hat. Es find so in der serbischen Woiwodschaft und dem teme'schen Banate an der israelitischen Volksschule bereits 45 Lehrer ordnungsmäßig mit einem Gehalte zwischen 200—500 fl. angestellt. Aus 16 Schulen liegen uns die vollständigen Zahlen vor, dieselben hatten 754 Schüler und 401 Schülerinnen. A. Kohn. Frankreich. Paris, im Dezember. (Nach den Arch. isr. de Fr.) Das größte Aufsehen und den außerordentlichsten Erfolg (le succes immense) bewirkte jüngst hier der Vortrag deS ChasanS von Straßburg, Herrn Löwe. Trotzdem eine Menge kleiner Jntriguen gespielt wurden, trotzdem das Konsistorium eine deSfallsige Anzeige (als ob man in Paris wie in einer kleinen Gemeinde Alles unmittelbar wissen könnte) verbot, war der Tempel am 19. und 20. November sehr gefüllt, und die mächtige, und doch biegsame, liebliche und dramatische Stimme deS Herrn Löwe brachte die größte Wirkung hervor; man kann diese an den hohen Festtagen nicht groß und andächtig genug sich denken. Wenn sein Gesang bewunderungswürdig ist, so ist sein Rezitativ nicht minder merkwürdig. Obgleich wir wünschen, daß Herr Löwe noch ein wenig mehr das Chasanot beachte, so können wir doch sagen, daß Löwe ein Chasan und Sänger erster Linie ist.