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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-01-03 · Heft 2 (3.1.1853) · p. Seite 14

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 2 (3.1.1853)
Date
1853-01-03
Page
Seite 14 (sequence 2)
Language
German
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14 * fitiven Religion von deren eigenem Standpunkte, aber unparteiisch erwägen — will nun Disraeli damit entschuldigen, daß er behauptet, daß „alle gegenwärtigen Juden Rachkommen jener verschiedenen Kolonieen find, die freiwillig oder gezwungen lange vor Christi Geburt auSwanderten"!! Diesen außerpalästinensischen Juden soll nun Las Christenthum so feindlich entgegengebracht worden sein, daß sie eS darum nicht anerkennen konnten. Es versteht sich von selbst, daß er daher aus der humanen Behandlung ihre Bekehrung erhoffer. Daß er die Revolutionen der letzten 60 Jahre überhaupt „der Widersetzlichkeit gegen daS semitische Prinzip", daß er den Bestand der Throne und Reiche allein dem „semitischen Prinzip" zuschreibt, find Folgerungen,^die sich ihm aus seinen Voraussetzungen ergeben. Er schließt: „Einige mögen vielleicht auf Spanien als ein auffallendes Beispiel deS Verfalles in einem Lande Hinweisen, wo das semitische Prinzip großen Einfluß geübt hat. Aber der Fall Spaniens wurde durch die Austreibung der semitischen Bevölkerung — einer Million Familien von Juden und Sarazenen, der ausgezeichnetsten Bürger durch ihre Industrie und ihre Intelligenz, durch ihre Gelehrsamkeit und ihren Reichthum — herbeigeführt." Dies ein Auszug auS der neuesten schriftstellerischen Kundgebung DiSraeli'S über Religion und Politik. Wir haben hier nur dasielbe Urtheil abzugeben, welches wir vor Jahren aussprachen: Disraeli ist geistreich, ohne genial zu sein, und weil er Elfteres ist, aber nicht Letztere-, wird er barock und geschmacklos. Seine Stellung in dieser ganzen Frage ist leicht zu erklären, und wir müssen dieselbe klar legen, so sehr wir auch damit die Illusionen vieler unserer Glaubensgenossen zerstören, welche so gern große Worte für unsere Sache von Seiten hören, von denen sie sie nicht erwarteten. Die Aussprüche Disraeli'S find keine Resultate vieljähriger, ernster Forschungen, keine Ergebnisse tiefer und wahrhafter Auffassung der Geschichte — sie sind Ausflüsse seiner eignen persönlichen Stellung. Disraeli ist Aristokrat, ist Anhänger des englischen Toryismus, ist Fahnenträger der Protektionisten, er steht mitten unter dem hochgeborensten und stolzesten Adel deS stolzen BritanienS. Wie er dahin gekommen, ist uns gleichgiltig und wissen wir nicht. Aber wie sich da behaupten? wie er, der Sohn des getauften Juden, ei« Prinzip unter den Füßen haben in der Versammlung der britischen Aristokraten? Da er die Aristokratie der Familie für stch nicht in Anspruch nehmen kann, so macht er die Aristokratie des Volkes, des Volksstammes geltend; er erhebt die jüdische Nation zur Adelsstufe unter den Nationen, und auf diesem Basrelief verlangt er unter die europäische Aristokratie ausgenommen zu werden. Es versteht sich von selbst, daß er sich hierbei auf daS religiöse Prinzip in seiner orthodoresten Gestalt stützen muß, aber — nicht daS religiöse Prinzip ist hierbei die Hauptsache, sondern die Nation, die Race. Daher die Vermischung deS Judenthums und ChristenthumS, und die zufällige Eristenz, die er dem Erstern zuschreibt, als ob eine äußerliche Nöthigung genug wäre, um zwei Jahrtausende einen zahlreichen, zerstreuten Stamm in seiner Religion, einer Welt gegenüber, unerschütterlich fest zu halten! Daher daß er die Juden bekehren, und doch als Race unvermischt erhalten will! Daher die vielen wissentlichen und unwissentlichen Jrrthümer, mit denen er in einem Odem Mozart und Rossini, Manini und Gentz zu Juden macht! Daher die gänzliche Unwissenheit oder Verkennung des MosaismuS, namentlich der Grundsätze, welche Moses als die allein wahren Prinzipien der Gesellschaft proklamirte, und die schnurstracks den Ansichten Disraeli'S entgegenlaufen. Ja, wir sagen auch von Herrn DiSraeli: timeo vsoaos »et dona ferentes, wir wollen die Geschenke nicht, die er uns mit geschichtefälschender Hand enrgegenbringt; wir wollen unsere Verdienste nicht der Race, wir wollen sie dem Geiste und der Wahrheit verdanken, wir wollen unsre GlaubenStreue nicht der abschreckenden Verfolgung unserer Feinde, sondern der festen Ueberzeugung unsers Herzens und Verstandes schuldig sein, wir wollen nicht die allein Klugen und Talentreichen sein, denn wir waren und find dies nicht — nein! unsre Stellung als Träger der positiven Religion ist eine ganz andre, und zwar folgende. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 20. Dezember. (Privatmitth.) Wie Sie jüngst auS der A. A. Ztg. entnommen haben werden, war ich in Betreff des Standes unserer jüdischen Anlegenheiten genau unterrichtet. ES handelt sich freilich dabei bloS um den Namen, denn wie daS Gesetz auSschauen wird, daS mitten unter den anderen involvirt sein wird, weiß man nicht; — aber eS ist nach meiner Ansicht viel gewonnen, wenn eben der

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