Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 2 (3.1.1853)
- Date
- 1853-01-03
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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No. S. xm Jahrgang. Allgemeine Zeitung des Indcnthums Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redaktion: Dr. L»dwig PHLlippLon, I>r. V. Meyer, Rabbiner zu Magdeburg. verantwortlicher Redakteur. Leipzig, den 3. Januar 1853. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 78 Dogen in Quart»inkl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. Za Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 g®r.) für sechs Monate—22'/- Ngr. (IS g@r.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeituugs-ErPeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat fich die königl. sachs. Aeitungs-Erpedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitender Artikel: Die gegenwärtige Stellung der Juden. I. (Fortsetzung.) Zeitungsnachrichten: Oefierreichischer Kaiserstaat: Wien, Wien, Temesvar. Frankreich: Paris. Nordamerika: Philadelphia. Palästina: Jerusalem. Abhandlungen verschiedenen Inhalts: Vergleichende Studien über den Talmud, von D. Oppenheim, Rabbiner in Jamnitz. Korrespondenz: Kassel. Leitender Artikel. Magdeburg, 28. Dezember. Die «gegenwärtige Stellung der Juden. I. (Fortsetzung.) Disraeli setzt dem Voraufgcgangenen nun die direkten üblen Einflüsse entgegen, welche die Unterdrückung der Juden auf die Gesellschaft ausübt. Er sagt: „Das jüdische Geschlecht verbindet die modernen Völkerschaften mit den ftüheren Weltaltern, wo die Beziehungen deS Schöpfers zu den Erschaffenen vertrauter waren. Die Juden repräsentiren das semitische Prinzip — Alles wag geistlich ist in unserer Natur. Sie find die Bewahrer der Ueberlieferung und die Erhalter des religiösen Elements." Als Solche erscheinen ihm „alle Bestrebungen des jüdischen Stammes konservativ; ihr Streben ist auf Religion, Besitz und natürliche Aristokratie gerichtet, und es sollte im Interesse der Staatsmänner liegen, dieses Streben eines großen Geschlechts zu ermuthigen und ihre Energie und schöpferische Kraft für die Sache der vorhandenen Gesellschaft in Anspruch zu nehmen." Statt dessen „hat eS die vorhandene Gesellschaft für gut gefunden, dieses Geschlecht zu verfolgen", sie hat es gezwungen, in den letzten stürmischen Jahren es mit seinen eigenen Gegnern zu halten, und fich mit denen zu verbinden, welche „Vernichtung des semitischen Prinzips, Ausrottung der jüdischen Religion, sei es in der mosaischen oder christlichen Form, die Abschaffung des BefitzeS u. s. w." wollen! „So steht man, daß die Verfolgung des jüdischen Geschlechts die europäische Gesellschaft eines bedeursamen, konservativen Elements beraubt und der zerstörenden Partei einen einflußreichen Bundesgenossen zugeführt hat." Das Eigenthümliche in Disraeli'S Ansicht ist noch, daß er fich eigentlich gar keinen Unterschied zwischen Judenthum und Chriflcnthum denkt, daß er als gläubiger Christ zwar daS Letztere als die Vollendung des Ertzcrn anfieht, aber doch überall zu verstehen giebt, daß ihm das Judenthum für die Juden genügt. Daß die Juden keine Christen find — ein Hinderniß sonst in den Augen des orthodoxen Christen, über das er um Alles in der Welt kommen möchte, da das Zeugniß wider die christliche Lehre von Seiten deS ganzen Stammes, aus welchem der Stifter dieser hervorging, doch ein Wenig schwer in die Wagschale bei Allen fällt, welche die Geschichte der po-