Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1853)
- Date
- 1853-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
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10 doch aus seiner schriftstellerischen Lhätigkeit uns desto besser bekannten Rabbinen mit dieser nach so vielen Wehen und Mühseligkeitengleichsam erfochtenen Errungenschaft auS vollem Herzen Glück. Möge der jetzt ihm bevorstehende Wirkungskreis ein gesegneter sein! Möge der Retter der bedrängten Unschuld ihm auch fernerhin seinen mächtigen Beistand und Schutz leisten; Haß und Leidenschaft in Liebe und Leutseligkeit verkehren! Möge endlich Herr Frankel in einer gewissenhaften Beachtung der ihm jetzt obliegenden schwierigen Amtspflichten die ihm so lange her versagte Genugthuung finden! Dies hoffen und wünschen wir, obgleich wir manche seiner aus religiöswissenschaftlichem Gebiete geäußerten und niedergelegten Ansichten nicht zu den unsrigen machen möchten. Es darf aber gelegentlich nicht unerwähnt bleiben, daß die Oberkommisfion der hiesigen israelitischen Kultusangelegenheiten sich durch das Zetergeschrei gewisser Zeloten und Finsterlinge nicht hat abhalten lassen, dem von — polnischen, deutschen und holländischen Rabbinen und Laien insgeheim und öffentlich verfolgten Rabbinen zu seinem Rechte zu verhelfen, und die Regierung zu der Zulassung desselben bestimmt hat. Rühmliche Anerkennung und gebührenden Dank aber auch den Gemeindevorständen deS erwähnten OberrabbinatS für die beharrliche Ausdauer, den lobenswerthen Eifer und für die unverdrossene Thätigkeit, womit sie dem geistlichen Oberhirten ihrer in gesetzlicher Ordnung getroffenen Wahl zur Seite gestanden und keine Mühe rc. gescheuet haben, demselben den wahrlich nicht ganz gemächlichen Sieg davon tragen zu helfen. Auch die Wahl deS Herrn vr. S. Cohn aus Oppeln zum Oberrabbiner deS limburger Oberrabbinats ist vom König genehmigt worden. — Die Legitimationsurkunden deS Herrn vr. Rosenberg, erwählten Oberrabbiners der Provinz Gröningen, befinden sich zur Begutachtung in den Händen einer auS drei Oberrabbinen bestehenden Kommission: den HH. Berenstein und F errareS im Haag, und vr. Jsaacson in Rotterdam. Mithin wird eS in unsrrm Lande einstweilen vier deutsche Rabbinen geben, nämlich: vr. Jsaacson in Rotterdam, vr. Fränkel in Zwolle, vr. Cohn in Mastricht und vr. Rosenberg in Gröningen. Die übrigen vakanten Rabbinate scheinen unbesetzt zu bleiben; manche, weil sie den Rabbiner nicht gebührlich honoriren können, oder zu Folge eines unseligen Laissez-faire; andere, weil sie keinen deutschen Rabbinen wollen, obgleich LandeSsöhne ihnen zur Bekleidung dieser geistlichen Funktion untauglich zu sein scheinen. An dem von der Regierung der zweiten Kammer vorgelegten AuSgabebudget auf 1853 ist die israelitische Kirchengenoffenschafk für einen Betrag von fl. 32,950 betheiligt. Mir däuchte, eS wäre nicht uninteressant, Ihren Lesern einmal vorzuführen, zu welchen großartigen Zwecken dies Sümmchen auSreichrn muß, damit man nebenher auch erfahre, wie verschieden daS den respektiven Rabbinen auS der Staatskasse zufließende Jahrgehalt ist, welche tröstlichen pekuniären Voraussichten der Gattin eines Rabbiners beim unverhofften frühem Ableben ihres Gatten bevorstehen; wie eS bei unS mit dem vom Staate besoldeten Predigtamte auSfieht, rc. rc. Zu diesem Behufe geben wir den ausgearbeiteten und erläuternden Etat der betreffenden Unterabtheilung erwähnten Budgets, so wie derselbe im israelitischen Wochenblatte enthalten ist, da unS die offizielle Zeitung nicht zu Gebote steht. (Fortsetzung folgt.) Belletristifches. Jüdische Mlährlein. 7. Ei» kurzes. Die Nacht hatte ihren sternenbesäeten Mantel um die Erde geschlagen. Es war eine heilige Ruhe gebreitet über Flur und Stadt. ES war eine Nacht vom Freitag zum Sabbat. Da ging der Helle Vollmond auf und schien durch die spinnwebbedeckte Scheibe eines kleinen FensterchenS in eine Dachkammer. Darinnen war'S still und feierlich, und nur daS leise, süße Odemschlürfen der Jugend, wenn sie schläft, hätte man hören können. Aber es war Niemand daselbst, außer dem Knaben, der auf dem Bette auSgestreckt lag und schlummerte. Stille, Mon» deSstrahl und der schlafende Knabe. Sein Haupt lag auf einer Fülle schwarzer Locken, die sich im Nacken wie ein Kissen ballten. O die klare, weiße, gewölbte Stirn, die geschwungenen schwarzen Brauen, die gesenkten langen Lieder mit den schwarzen Wimpern, verdeckend die Gluth der Augen, die vollen Rosenwangen, die ausgeprägte Nase, der volle, rothe Mund, daS sanfte Kinn — wie lieblich