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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-01-01 · Heft 1 (1.1.1853) · p. Seite 11

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 1 (1.1.1853)
Date
1853-01-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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ll und kräftig zugleich — Alles noch Zukunft, aber die ihre Bürgschaft schon vollständig in der Gegenwart hat! Die gedrungene Gestalt so hingegossen, die schöne volle Hand so sanft am edlen Arm auSgestreckt — da schlägt ein Herz voll Liebe darin, voll süßer, inniger Gefühle. Es ist die Nacht vor dem Sabbat, der auf seinen dreizehnten Geburtstag folgte, und da er am andern Morgen vor der versammelten Gemeinde an geweiheter Stätte zum ersten Male den Segensspruch auf das Kleinod seines Stammes und der ganzen Menschheit, auf die pergamentene Rolle der Tora sprechen, und damit die Pflichten eines jüdischen ManneS übernehmen soll. Schlummre nur, träume nur — eS find schwere Pflichten, große Kämpfe, die eines rechten jüdischen Mannes, und wem viel gegeben ist, der soll noch mehr zurückgeben. Niemand ist da außer dem schlafenden Knaben. Doch ja, da kommen fie. Die Thür öffnet sich nicht, daS Fensterlein klirrt nicht, aber sie kommen, und beim Vollmondstrahl, wenn dir Glocke zwölf schlägt, in der Sabbatnacht vor der „Bar-Mizwa" kann man fie schlürfen sehen, kann man fie flüstern hören... Sie kommen. Viel Männer, viel Frauen. ES find die Väter, Großväter und Urgroßväter, es find die Mütter, Großmütter und Urgroßmütter, die da kommen und eintteten, ohn' daß daS Fenster klirrt oder die Thüre aufgeht, in dieser Nacht vor der „Bar-Mizwa." Sie sammeln fich um daS Bett des Knaben, der am andern Morgen den Segen sprechen soll, auf das Sepher .. . Siehe, da theilt fich der Haufe, und herantritt der Ahn deS Hauses — Jahrhunderte deckt die Erde seine Gebeine schon, hohe, hagere Gestalt, mit langem grauem Seidenkaftan angethan, einen dunkelgrünen Bund um den Leib gegürtet , eine hohe Pelzmütze auf dem Haupte; grau fallen die langen Locken über die rothen Wangen, grau wallt der Bart tief über den Gürtel hinab; er stützt fich auf einen großen Knotenstock. Er tritt heran, der Haufe schließt fich hinter ihm; er ttitt an's Lager, breitet die | Hände über des Knaben Haupt und spricht: ,,Sag' Dei- | nen Namensspruch her, mein Knabe!" und den Lippen deS schlummernden Knaben entfließen unverständlich einige hebräische Worte. „Wohl, mein Knabe! So sollst Du werden eine Säule der Synagoge, eine große Leuchte in Israel, die Krone der Lehre falle niemals von Deinem Haupte, werde immer größer durch Deine Schüler, aber von diesen Keiner werde größer als Du, außer Deinem Sohne!" ... Er ttat zurück; und heran rauschte die Ahnfrau der Familie, o eine stattliche Frau, eine goldne Mütze mit breiten Spitzen umsetzt schloß eng um den schönen Kopf der Greifin, der stolz auf dem Nacken fich hob, strenge Züge, aber die Liebe wohnte unter der Sttenge, und ward fichtbar dem tiefern Blick. Sie faßte prüfend die Troddeln deS Arba Kanfot, das auf dem Stuhle neben dem Bette lag, und befand fie wohl richtig, denn fie nickre mit dem Kopfe. Sie legte die Hand auf die Stirn deS Knaben und spricht: „Ja, in Dein Haus führe hinein und trage nicht hinaus,') an Deiner Tafel sei Unruhe all Dein Lebelang, 2) säe aber ernte nicht!" —* 2 3) Und alS auch diese zurückwich, da thrilte fich der Haufe noch einmal, und aus der hintersten Reihe desselben trat schnell eine viel jüngere Gestalt heran, ein Mann in der Dlüthe der Jahre, es war der Vater deS Knaben, dahingeschiedrn, als der Knabe noch Kindlein war, und er kannte das Antlitz des Vaters gerade nur so viel, wie das deS Urahns; er wußte im Traum der Seele, wer es ist, aber er kannte ihn nicht. Und er Härte fich über des Knaben schöne Gestalt geworfen, wenn nicht schnell die Hand des Ahns fich dazwischen gelegt und er drohend geflüstert: „Fasse Dich, sonst thust Du dem Knäbchen ein Schabe!"... Und flehe, der Knabe lächelte im Schlafe, und lispelte ein Wort, o ein Wort, daS er wachend noch nie gesprochen, o jenes heilige, zweifylbige Wort, welches da« Höchste, Ehrfurchtoollste bezeichnet in dieser Welt, denn im höchsten Schwünge der Seele hast Du auch für Gott nur dieses Wort — „Vater!" — Und der Schatten kämpfte mit fich selbst eine lange Zeit, dann beugte er fich tief auf den Knaben, die Dir bevorstehen, gehe fiegreich hervor, und die schwersten habe in Deiner Jugend zu kämpfen, und alle Deine Feinde sollen Deine Freunde werden!_" Da streckte der Knabe die Glieder, und die Glocke schlug EinS an, und der Vollmond ging vorüber am Fensterchen, daß sein Strahl nicht mehr hineinfiel. Niemand war mehr im Dachkämmerchen außer dem schlafenden Knaben. ') Die Gattin. 2) Von den Kindern. 3) Erzeuge Kinder, aber verliere fie nicht. Vgl. Moed Katon 9. > Eine! fast bis zur Berührung, und sprach: „Aus allen Kämpfen,

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