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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-01-01 · Heft 1 (1.1.1853) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 1 (1.1.1853)
Date
1853-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 raeli, ob aber etwa die Juden so verworfen geworden feien in Folge ihrer Verfolgung, daß sie jetzt die Mißhandlung und üble Nachrede der Gesellschaft verdienen? Er giebl zu, daß die Juden ihren Antheil zu den „Schlechten" beilragen, und vielleicht einen verhältnißmäßig großen. Aber, fährt er fort, „die Juden find so herabgewürdigr gewesen, wie die Griechen in Kleinasien vor ihrer Emanzipation, und die Herabwürdigung der Griechen wurde von einer Periode der Verfolgung herbeigcführt, die an Schwere und Dauer nicht verglichen werden kann mir der, welche die Kinder Israel erduldet haben. Diese Eigenrhümlichkeit aber begleitete die Juden unter den ungünstigsten Umständen; die anderen erniedrigten Geschlechter reiben fich auf und verschwinden; der Jude bleibt so entschlossen, so gewandt, so ausdauernd, so voll von Hilfsmitteln und Festigkeit, wie immer. Aus diesem Gesichtspunkte angesehen, ist die Erniedrigung des jüdischen Stammes allein ein auffallendes Zcugniß von seiner Vortrefflichkeit." Richtig giebt Disraeli den Grund hierfür an, wenn er sagt: „Er wird von einer erhabenen Religion aufrecht erhalten. Verhärtet, boshaft, verhaßt und empörend wie uns der niedrigste Jude erscheint, ist er doch selten demoralifirt und unter seinem eigenen Dache öffnet sich sein Herz dem Einflüsse seiner schönen, arabischen Tradition*). Alle seine Zeremonien, seine Sitten und Festlichkeiten find noch dazu da. die Güte der Nation und die Gunst Jehova's zu verherrlichen. Das patriarchalische Gefühl weilt an seinem Heerde. Die Posaune des Sinai tönt noch in des Hebräers Ohr, und ein Jude wird nie auf einem Schaffst gesehen, wenn nicht bei einem Auto da Fe!" Disraeli glaubt aber auch, daß der ganz direkte Einfluß der modernen Juden aus die moderne Gesellschaft ein zu ihrem Fundament habe, sondern weil die jüdische Moral Idee und Leben noch idenlifizine, während die christliche den Bruch zwischen Idee und Leben.vollbrachte, und weil die jüdische Moral die ganze menschliche Gesellschaftlichkeit umfaßte, während die christliche von der Geselllchafr ganz abstrahirte. S. hierüber unsere Vorlesungen über die religiöse Idee im Judenthum, Christcnrhum und Islam, Leipzig, Baumgartners Buchhandlung, 1847, S. 42 ff. und S. 103 ff. *) Man sehe die erste Anmcrk. Von dem Augenblicke an, wo Israel das heilige Land betrat, hatte es mit Arabien am wenigsten Zusammenhang und Verbindung. Assyrien, Chaldäa, Medien, Persien, Griechenland, Rom — aber Arabien trat erst mir dem Islam in diese Welk ein. Red. sehr bedeutender gewesen sei. Auf diesem Felde übertreibt er sehr viel. Er hält die Musik für die einzig wahrhafte Kunst der modernen Welt, und alle ausgezeichneten Musiker, Sänger und Sängerinnen, so wie Tänzer und Tänzerinnen, für — Juden. Giebt er dock selbst Mozart für einen Solchen aus! — Nicht übel ist dabei folgender Vergleich: „Vor vierzig Jahren waren die beiden verachtrtstcn Stämme in Europa der attische und hebräische, und fie waren die beiden Stämme, die am Meisten für die Menschheit gethan. Ihre Schicksale hakten einige Aehnlichkeit: ihre Länder waren die beiden kleinsten in der Welt, gleich unfruchtbar und berühmt *), Beide theilten sich in Stämme; Beide bauten einen sehr berühmten Tempel auf der Hochburg und Beide brachten eine Literatur hervor, welche alle europäischen Nationen mit Ehrerbietung und Bewunderung angenommen haben. Athen ist öfter ausgeplündert worden, als Jerusalem * 2) und öfter bis auf den Grund zerstört worden 3). Die Leiden der Juden währten aber viel länger und waren abwechselnder, als die der Athener, dennoch scheint der Grieche erschöpft, während der schöpferische Genius Israels nie so hell glänzte, wie jetzt." Er kommt daher zu dem Schluffe: „daß kein vorhandenes Geschlecht so viel Anspruch an die Achtung und Dankbarkeit der Gesellschaft hat, als das hebräische." Von hier aus geht er auf die nachtheiligen Folgen über, welche „die gegen dieses Geschlecht befolgte Handlungsweise auf die europäische Gesellschaft hcroorbringt." Er sagt: „Die Welt hat jetzt erkannt, daß es unmöglich ist, die Juden auszurotten 4). Der Versuch dazu ist unter den günstigsten Auspizien und im größten Maßstab gemacht worden; die beträchtlichsten Mittel, über welche die Menschheit nur gebieten konnte, sind bis in das höchste Alterthum hinauf angewendet worden. Egyptische Pharaonen, assyrische Könige, römische Kaiser, skandinavische Kreuzfahrer, golhische Fürsten und heilige Inquisitoren haben in gleicher Weise ihre Kräfte der Erfüllung dieses *) Es wundert mich, daß Disraeli nicht anführt, beide Länder hatten trefflichen Honig! Red. 2) Wieder nicht wahr, denn keine Stadt der Welt ist seit David und Sisak (unter Rehabeam) so oft erobert und geplündert worden! Red. 3) Und warum bemerkt der Verf. nicht, daß sie dennoch — Athen und Jerusalem — noch heute sichen! Rx d. 4) Die Welt wol, nur nicht die JudenbekehrungSgesellschaften! Red.

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