Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1853)
- Date
- 1853-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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2 graphie" (deutsch von vr. Susemihl, Kassel, 1853) — so geistreich, wie einseilig — nimmt er von dem Umstande, daß Lord Georg, der Führer der Protektionisten, gerade in der ,,Iudenfrage" von seiner Parker abwich, und für den Eintritt Rothschilds in daenglische Parlament stimmte, Veranlassung, abermals und weitläufig seine Meinung auszusprechen, und ihr ein besonderes Kapitel zu widmen (S. 318—335). Er beginnt mit den Worten: „Die Beziehungen zwischen dem Beduinenstamme *), der unter dem Namen der Juden in jedem Lande Europa'S gefunden wird, und den germanischen, slavischen und Lettischen Stämmen *), die sich jenen Theil des Erdballs angeeignet haben, werdeu später * * 3) einS der bedeutendsten Kapitel in der Philosophie der Geschichte der Menschheit bilden. Die Angelsachsen, die Slaven und Celten haben die meisten Gesetze und viele von den Sitten dieses arabischen Geschlechts, seine ganze Literatur und Religion 4) *) Der forcirte Esprit liebt Ausdrücke, die ausfallen und witzig sein sollen. Wir möchten wissen, wie so das Volk Israel zu dem Beinamen „Beduinenstamm" kommen soll? Dieses Volk, das 15 Jahrhunderte seinen festen Wohnfitz. große Städte, starke Vesten u. s. w. gehabt hat, einen Tempel, der, selbst nach TaciluS, ganz Asten an Glanz überstrahlte, war kein Beduinenstamm. Selbst nicht alle arabische Stämme find Beduinen, und das israelitische Volk ist kein arabischer Stamm. Wie? hat Israel nicht gerade mit den arabischen Stämmen in beständiger Feindschaft gelebt? Wer waren seine ewigen Feinde, von der Grenze Egyptens an, wenn nicht Amalek, Moab, Edom, Ammon, Emori u. s. w.? hat nicht Israel als Eindringling gerade den arabischen Stämmen das Land Kanaan entrissen? zeigt nicht sein Name (•'■na?), daß eS den Arabern stets fremd war? Red. 2) Der Vers, vergißt die romanischen, denen die katholische Kirche ihren Ursprung verdankt. Red. a) Warum später? Finden diese Beziehungen nicht bereits seit anderthalb Jahrtausenden statt? Die Inden standen an der Wiege aller jetzigen europäischen Völker, und influirten auf ihre Erziehung ganz direkt. Red. 4) Wir müssen dem Vers, nun einmal seine Neigung, alles Jüdische „arabisch" zu nennen, lassen. Weiß der Vers, nicht, daß die eigentlich arabische Religion, der JSlam, erst auS dem Judenthum geflossen? Wenn Disraeli sagt „seine ganze Literatur und Religion angenommen", so können wir dies nicht unterschreiben, so wenig die europäischen Völker die große nachbiblische jüdische Literatur angenommen, so wenig haben fie die ganze Religion unsrer heiligen Schritt (drS A. T.) angenommen — doch hierüber weiter unten. Red. angenommen. Sie verdanken ihnen daher Vieles, was daS Dasein ordnet, bezaubert und tröstet. Die arbeitende Menge ruht vermöge des jüdischen Gesetzes jeden fiebenten Tag; man liest beständig, um ein Beispiel daran zu nehmen, die Jahrbücher der jüdischen Geschichte und stnzr die Oben und Elegiee» der jüdischen Dichter, und man erkennt täglich auf den Knieen mit ehrfurchtsvoller Dankbarkeit an, daß das jüdische Geschlecht die einzige Vermittelung zwischen dem Schöpfer und dem Menschengeschlechte ist. Dennoch behandelt man jenes Geschlecht als das verworfenste von allen (?), und anstatt es auf logische Weise als die menschliche Familie anzusehen, die am Meisten zum menschlichen Glücke beigetragen, wendet mau jeden schmachvollen Ausdruck und jede Form der Verfolgung gegen dasselbe an." Von hier ab widerlegt der Autor die Ansicht, „daß die Zerstreuung des jüdischen Geschlechts eine Strafe für ein großes Verbrechen sei"; da aber diese Ansicht mehr in dem orthodoren England als in Deutschland gewöhnlich ist, so brauchen wir uns nicht dabei aufzuhallen. Er erweist diese Ansicht als „historisch unwahr", weil die Juden in zahllosen Kolonieen lange vor der Zerstörung Jerusalems durch alle Länder verbreitet *), und weil ja ' die ersten Anhänger der christlichen Religion Juden waren; und als „dogmatisch unrichtig", was uns hier gar Nichts angeht. Für Deutsche, namentlich deutsche Theologen und Lehrer ist nur zu erwähnen, daß er es gerade vom christlichen Standpunkte als ein „entsetzliches Dogma", als „die nicht zu vergebende Sünde gegen den heiligen Geist" erweist, wenn man die christliche Moral für eine andere auSgebe, als die jüdische ^). Hierauf fragt Dis- J) ES ist sehr richtig, daß die Juden, und wol eine größere Zahl, als im heil. Lande selbst, durch ganz Junerasien und Vorderasien, durch Egypten und Aethiopien, durch Cyrenaika und über ganz Nordafrika, über die Inseln LeS ägäischen Meeres, durch Griechenland, Italien und Spanien, bis in Gallien und Germanien hinein, lange vor der Zerstörung Jerusalems zerstreut, und selbst in großen Gemeinden allda (z. B. Alerandrien, Antiochien, Rom) wohnten — aber wer erkennet, wenn er vorurtheilsloS ist, nicht gerade hierin den sichtbarsten Beweis, daß die göttliche Vorsehung auf diese Weise für die Erhaltung Juda'S gesorgt hatte, daß die Flüchtlinge spater überall Gemeinsamkeiten und Brüder fanden, an die fie sich schließen konnten? Red. -) Allerdings sagen auch wir, daß die Moral unserer heil. Schrift eine andre als die christliche ist; nicht in dem Sinne, in welchem eS oft fälschlich behauptet wird, als ob die Moral des Judenthums die Nächstenliebe nicht