Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 115 (26.12.1837)
- Date
- 1837-12-26
- Page
- Seite 459 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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459 den Schrank. Welch ein Schrecken! Das Gesetzbuch war verschwunden, ein zusammengefaltetcs Quattblatt lag an der Stelle desselben. Bei dem Schmerzensrufe, den Elizhama ausstieß, liefen ihre Schwestern herbei, und Isabel las mit lauter Stimme: »Ich errathe dein Opfer, aber nehme es nicht an.« »Jakfon.« Diese Worte machten Elizhama Alles klar. Ohne ihrm Schwestern zu antworten, die sie mit Fragen überhäuften, forderte sie ihren Shawl, ihren Hut und einm Domestiken, der sie begleiten sollte, als ein schwerer Schlag gegen die Straßenthüre geführt, sie alle verstummen ließ. Dem Geräusche der Thüre, die heftig zuschlug, folgte ein dumpfes Geräusch von Stimmen und Schritten; man ging, man kam; die Bedienten riefen; Elizhania und ihre Schwestern fühlten sich erstarrt vor Schrecken . . . Niemand wagte, von der Stelle zu gehen, um nachzuschen, was vorgehe. . Bald sollten sie es erfahren; die Saalthüre öffnete sich plötzlich, eine Tragbahre erschien, von mehrern Männern gettagen; Jakson lag auf ihr ausgestreckt, mit Blut bedeckt. »Mein Bruder!« schrieen alle auf ein Mal! ... Elizhama beftug mit den Augen die Anwesenden, unter denen sie sogleich den Herrn Sethr! und feinen Sohn bemerkte. »Die Wunde ihres Bruders ist nicht gefährlich, Mademoiselle,« sagte Herr Sethri, indem er ihre Hand ergriff.... es ist nur eine Schramme.... Die Wunde, die Ihr Brief meinem Sohne geschlagen, ist tiefer, fügte er hinzu, indem er auf den jungen Selem hinwies, dessen Auge von einer erschreckenden Blasse bedeckt warm; denn sie habm sein Herz verkannt, ich sage noch mehr, Sie habm mich beleidigt, mich auch .... Was! fuhr er fort, wahrend Elizhama wechfelsweise das strmge Gesicht des altm Juweliers und die Tragbahre, wo ihr Bruder ihr zulächelte, betrachtete, Sie habm Geld nöthig und wmdm sich nicht an mich! Sie opfern ihre Mitgift, um Ihrm Bruder zu rettm, und sagm zu meinem Sohne: Suche Dir eine andere Frau! Und wo Eine fiadm, die Jham gleichet? wo eine Mitgift sindm, die einm gleichm Schatz von Hingebung und Weisheit austviegt? Sie sind das Biederweib der heil. Schrift, *) Elizhama! Weism Sie die Liebe meines, Selem nicht zurück, werdm Sie meine Tochter, und ich verspreche Jhnm meinerseits Ihre Adoptivkinder als die meinigm anzunehmm. Wir werdm Alle nur eine und dieselbe Familie bilden. Sprechen Sie, Elizhama, wollm Sie?« Anstatt aller Antwort, warf sich Elizhama in die 2lrme des Greises, und streckte eine Hand nach Selem aus, der sie ergriff,'und wiederholt: »Hab' Dank! Dank!« ausrief. »Aber mein Bruder? was ist mit meinem Bruder?« ftug Elizhama. »Es ist an mir, es zu sagen,« erwiederte der Verwundere, »das soll meine Sttafe sein. Ich hatte deine Absicht errathen, meine theure und zu gute Schwester, ohne zu denken, daß du sie so bald in Ausführung bringen würdest: folglich, sobald die Nacht angebrochm, nahm ich das Gesetzbuch, und trug es zu Rutspa, als ich in der Straße Mazarine von zwei Männem angegriffen wurde, die mir den Bmtel oder das Leben abfordertm. Denke dir meinm Schrecken, als ich in diesm Elendm zwei Spielgmossm erkannte, die ich von meiner Absicht unterrichtet hatte. Sie wolltm mir die Erbbibel mtteißm, ich war ohne Waffm, aber ich vertheidigce sie mit dem Muthe der Verzweiflung. Nichtsdestoweniger war ich daran, ihrm Schlägm zu unterliegm, als der Zufall zu meiner Hilfe H. Sethri und Selem herbeifühtte.« »Nicht der Zufall,« erwiederte Selem, »denn auch ich errieth die Triebfeder, welche die Feder meiner theuem Braut geführt hatte, und begleitet von meinem Vater, suchte ich Sie auf, um Jhnm unsere Dienste anzutragm. . . . Ve» zeihm Sie, Jakson, ich verschweige dm Namm aller Oerter, wy wir Sie suchtm . . . mdlich sagte uns ein Spieler, der Ihrm Namm ausfprechm hotte, daß Sie eben zu Rurspa geganzm, und wir begabm uns dahin, als wir Ihrm Hilferuf vernahmen.« »Und meine Erbbibel?« fragte Elizhama, die nun über Alles beruhigt war, außer über das Schicksal des Buches, das die sterbmde Mutter ihr anvettraut hatte. »Sie werdm mir erlauben, meine theure Tochter, sie Jhnm morgm als Hochzeitsgeschmk zu überreichen,« anrwottete der alte Sethri. — Elizhama wurde glücklich, denn ihre Tugmd wiederhotte sich in ihrm Schwestem, die sich sehr gut verhercathetm, und ihre Hingebung, ihr edles Brttagm gegen ihren Bruder, heiltm diesm von seiner ttaurigm Spirlfucht. Eugenie Foa. Literatur. (Eingesandt.) Einige Bemerkungen über die Reccnsion der rvnait, Neunzehn Briefe über das Judenthum je. Altona 1836, enthalren in der Jenaer Lit. Zeitung (No. 60 April 1637) und auszüglich mitgetheilt in der Allgemeinen Zeitung des Jadenrhums (Leipzig 6. Juni 1837) No. 16. »Wie man ehemals zu sehr dm Fürsten geschmeichelt, f» schmeichelt man jetzt zu sehr dem Wolke,« sagte einer der aufgeklärtesten Fürsten unserer Zeit, bei einer gewissen Gelegenheit. In der That! man erhebt uns jetzt so sehr über uns selbst, daß es gar kein Wunder ist, wenn es jetzt fast eben so viele Götter *) Spr. Salom. 31, 10.