Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 115 (26.12.1837)
- Date
- 1837-12-26
- Page
- Seite 458 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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458 Belletristik. Die Erbbibel. (I) . Aus dem Französischen der Eugenie F oa. (Schluß.) Elizhama erröthete bei diesem Namen, und blieb einen Augenblick still; das Betragm dieses jungen Mannes rührte sie tief. Seit dem BegrLbnißtageder Mad. Mazod, in dem Augenblicke, wo die Männer zurückkchrten von dem Grabmale, um die Glieder der Familie in den Stand der Abel im zu versetzen, einer Ceremonie, welche in einem Riß i» das Obergewand, unter verschiedenen Todtengebetm, besteht; an diesem Tage hatte Elizhama, Thränm in dm Augm, zu Selem gesagt: »Ich habe meiner Mutter versprochen, mich vor fünft Jahren nicht zu verheirathen, ich kann nicht verlangm, daß Sie so lange warten, ich gebe Jhnm Ihr Wort zurück, mein Herr.« — »Ich werde warten,« hatte der Sohn Sethri's geantwortet. — »So lebe wohl bis zu dieser Zeit,« hatte Elizhama hinzugefugt. Seufzmd, aber ohne zu hoffen, einm Entschluß zu besiegm, dessm ganzm Edelsinn er fühlte, hatte Selem resignirt; und jetzt, wo Elizhama ein neues Opfer für so viel Ausdauer voraussah, hatte sie Gewissmsbisse. Aber bei dem Anblicke der Verzweiflung Jakson's, bei dem Gedankm des Schimpfes, der dm reinm Namen ihres Vaters betteffm sollte, widerstand sie nicht, und bleich, dmn sie', war im Begriff, ihr Herz zu brechm und ein anderes, das sich ihr geweiht hatte, sprach sie: »Jakson, erhebe dein Haupt, Gott hat mir die Mittel gegebm, dich.zu rettm.« »Was sagst du? O mein Engel, meine geliebte Schwester, wiederhole diese Wotte!« »Kleide dich an; heute ist ein Festtag, dm nichts störm darf; du wirst bestiedigt sein, Jakson.« »Aber wie wirst du es machm, geliebte Schwester? Hast du dmn Summen Verwahrung? . . Ach, du rettest mir das Leben!« Elizhama mtfemte sich, ohne zu antwortm, sie hatte wohl die Kraft gehabt, einm graufamm Entschluß zu fassen, aber sie fühlte nicht die Kraft, ihn von ihrem Bruder bekämpft zu sehm. Das junge Mädchm eilte nach feinem Zimmer und schrieb folgenden Brief: »Mein Herr!« »Wohl weiß ich, daß ich Ihre Beständigkeit und Freundschaft schlecht vergelte, aber eine gebieterische Nothwendigkeit befiehlt es mir. Ich kann nicht länger daran denken, mich zu verehelichm; meine Familie bedarf noch meiner Fürsorge; Gott hat, indem er ihr Vater und Mutter entzog, mir eine Versuchung aufgelegt, welche ich erfüllm muß, so viel es mir auch kostet ... Glaubm Sie mir, mein Herr, wählen Sie eine andere Gattin, die nicht, wie ich, verantwortlich ist fut eine ihrer Obhut anverttaute Familie. .... Mein Herz leidet schrecklich, indem ich also zu Jhnm spreche, aber der Gott Israels wird mir ohne Zweifel die Kraft gebm, das Opfer zu erfüllen, dessen Gedankm er mir eingeflößt.« »Lebm Sie wohl, mein Herr: da ich Jhnm nicht angehörm kann, werde ich Niemandem angehören: empfangm Sie meinm Schwur hierüber.« Elizhama Mazod. Nachdem sie diesm Brief, dm sie mit Thränm benetzte, versiegelt, und durch einen Dimer abgesmdet hatte, nahm sie ein anderes Blatt, und ihre Thränm ttocknmd, schrieb sie noch folgenden Brief: »Mein Herr!« »Sie werdm bei meinem Banquier, Herm Sethri, die Summe von dreimalhunderttausmd Franks findm, welche mein Bruder Jhnm schuldet. Sie können sich augmblicklich nach Empfang des Gewärtigen vorstellm, um die Summe zu heben.« »Ich habe die Ehre, mich Jhnm zu empfehlen.« Elizhama Mazod! Sie ließ sogleich dieses zweite Schreibm dem Wechsler Rutspa überbringm, und ruhiger, obgleich sehr bewegt, begab sie sich zu ihren Geschwistem. Als die Nacht angebrochen, und die Sabbathlampe angezündet war, ließ Elizhama, da sie ihren Bruder nicht kommm sah, das Abendbrod austragm, und setzte sich zu Tische, umgebm von denen, die sie ihre Kinder nannte. Das Mahl war ttaurig; die Unruhe verzehtte sie; sie war mehr als erstaunt, keine Antwott von Sethri emfangm zu habm; von einem Augmblicke zum andem erwartete sie, daß dieser junge Mann käme, um Rechmschaft von ihrem Betragm zu fordern; sie ersann sich, was sie ihm antwortm wolle, ohne die Wahrheit zu sehr zu mtstellen, um zu gleicher Zeit ihrem Bruder nicht zu große Blößm zu geben; neun Uhr schlug, und weder Sethri noch Jakson erschienene Um die Bewegung ihrer Seele zu verbergm, und dem Geschwätze der Kinder ein Ende zu machm, die ihr ihre Traurigkeit vorwarfen , schlug sie ihnm vor, ihnm die Erbbibel zu zeigm. Ein Freudmgefchrei billigte diesm Vorschlag. In der Mauer eines klemm Boudoirs, das an dm Speisesaal stieß, war ein Schrank von Cedemholz cingemauert; ein doppelter seidner Vorhang verbarg den Blickm diesm Schrank, der das Gesetzbuch, diesm Gegmstand der Verehrung der Juden, enthielt. Geleitet durch das Licht der Lampe, welche in das Boudoir durch die offne Thüre des Speisesaals drang, nähette sich Elizhama, zog die Vorhänge zurück, öffnet«